Brandstifter zeigt sich geständig

Walsrode – Geständig ist ein 22 Jahre alter Angeklagter, der sich vor dem Landgericht Verden wegen Brandstiftung verantworten muss. Weihnachten 2018 soll er in Walsrode versucht haben, ein vermietetes Doppelhaus, das seinem Vater gehört, in Brand zu setzen. Bei zwei weiteren Taten soll er im Mai 2019 Waldflächen an der Düshorner Landstraße und in der Gemarkung Bomlitz angezündet haben.

Als „offensichtlich psychisch krank“ wurde der Angeklagte von der Polizei bereits nach der ersten angeklagten Tat eingestuft. „Über mehrere Stunden“, wie die Polizei seinerzeit mitteilte, hatte er die Beamten beschäftigt. Laut damaliger Polizeimeldung wurden sie alarmiert, weil er in einem Zug gegenüber Mitreisenden geäußert haben soll, „Personen töten zu wollen“. Eine Überprüfung habe aber „keine Hinweise auf eine konkrete Eigen- oder Fremdgefährdung“ ergeben. In den folgenden Stunden soll er diverse Male bei der Polizei angerufen und eine Brandlegung angekündigt haben. Nachts sei er bei dem Dienstgebäude aufgetaucht und habe gedroht, diese anzuzünden. Dabei habe er davon berichtet, einen Brand gelegt zu haben.

Eine Polizeioberkommissarin berichtete von einer Kontrolle an der genannten Anschrift. Tatsächlich sei dabei im hinteren Teil einer Garage ein „abgebrannter Lappen“ gefunden worden. Weil die Flammen nicht übergegriffen hatten, lautet der Vorwurf auf versuchte schwere Brandstiftung.

In seiner Einlassung berichtet der Angeklagte vom Konflikt mit seinem Vater. „Anfang 2018 war das Verhältnis schon schlecht“, so der 22-Jährige. Damals sei er beschäftigt gewesen im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen, habe aber des Öfteren verschlafen. Es sei zum Zerwürfnis gekommen und die Mutter habe ihm angekündigt, dass der Vater ihn rauswerfen werde. „Ich habe meine Sachen gepackt, mein Fahrrad geschnappt und bin nach Walsrode gefahren. Drei bis vier Nächte habe ich in der Sparkasse geschlafen, dann im Rüstzentrum und der Obdachlosenunterkunft.“ Später habe er eine Wohnung in Bomlitz gehabt.

Konflikt mit dem Vater als Motiv

Heiligabend habe er alleine verbracht und in einem Schuppen seiner Großeltern übernachtet. Im Rahmen einer Einladung bei der Oma am ersten Weihnachtstag soll es zum Treffen mit dem Vater gekommen sein. „Ich habe gesagt, dass ich mich vernachlässigt, nicht anerkannt, nicht geliebt gefühlt habe. Ich fühle mich heute noch so. Dass ich seinen Ansprüchen nicht gerecht werden und er meine Minderbegabung nicht verstehen konnte.“ Auf die Frage eines psychiatrischen Sachverständigen sagte der Angeklagte später, dass er dem Vater mit der Tat einen Denkzettel verpassen wollte.

„Ich habe gezündelt um erneut in PsychKG (Anm. Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke) zu kommen“, begründete er die anderen beiden Brände. Im Rahmen dieses Psychisch-Kranken-Gesetz kann eine Unterbringung erfolgen, wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung besteht. Der Angeklagte schilderte wie er sich Benzin und Kanister besorgt, die Brände gelegt und dann direkt Hilfe gerufen habe. Die Brände sollen sich auf 12 und 30 Quadratmeter beschränkt haben.

Für den Prozess sind fünf weitere Verhandlungstage bis zum 7. Januar 2020 geplant.  wb

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