Historiker Thorsten Neubert-Preine erklärt de Entstehung des neuen Stadtwappens

Bomlitz und Walsrode auch heraldisch vereint

Das neue Wappen der Stadt Walsrode. Foto: Müller

Walsrode – Es prangte bereits auf der einstimmig verabschiedeten Geschäftsordnung der nun aus Walsrode und Bomlitz zusammengefügten Stadt: – das neue Wappen. Es zeigt die bedeutenden Sehenswürdigkeiten der beiden ehemaligen Orte.

„Wir wollen die Bomlitzer auf keinen Fall vergessen“, hatte Bürgermeisterin Helma Spöring vor einiger Zeit gesagt und Wert darauf gelegt, dass auch im neuen Wappen der Stadt an die ehemals eigenständige Gemeinde erinnert wird.

Stadtarchivar Thorsten Neubert-Preine aus Bomlitz hat das neue Wappen entworfen. Das bisherige der Stadt Walsrode, „gekrönt“ von einem blauen Stechhelm und blau-roter Helmdecke, sei eher unüblich, berichtet der Historiker. Diese Gestaltung sei in Walsrode erst um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aufgekommen.

Den darauf abgebildeten Kirchentyp – eckige Türme und Dachreiter – habe es so in Walsrode nie gegeben. Die den Schildfuß ausfüllende Ziegelmauer suggeriere das ursprüngliche Vorhandensein einer Stadtmauer, die ebenfalls nie existiert habe.

Die Farben des Wappens sollen dem Gewand der mittelalterlichen Stifterfigur des Grafen Wale im Kloster entnommen sein. Davon abgesehen, dass die Farbe dieses Gewandes eine andere war, entspreche sie auch nicht der ursprünglichen Farbgebung des Walsroder Wappens und verstoße gegen die einfachsten heraldischen Grundsätze.

Der Entwurf für ein neues Wappen basiere, so Neubert-Preine, auf der ältesten bekannten farblichen Darstellung des Walsroder Stadtwappens (rote Kirche auf goldenem Grund), das in der Welfenzeit entstanden ist, sich farblich am Wappen des Fürstentums Lüneburg orientiert und bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich war.

Es zeige die mittelalterliche (ottonische) Klosterkirche mit Rundtürmen, wie sie auch auf dem ersten, nach der Stadtrechtsverleihung 1383 jahrhundertelang benutzten Siegel der Stadt Walsrode zu sehen ist. Das Mühlrad, dem alten Wappen der bedeutenden Walsroder Kaufmannsfamilie Wolff entlehnt, stehe für die industriellen Entwicklungen von Walsrode und Bomlitz, die seit der Gründung von Bomlitz im 17. Jahrhundert eng miteinander verwoben sind.

Bomlitz entsprang einer Mühlengründung der Walsroder Papiermacher, aus der im 19. Jahrhundert ein Pulvermühlenbetrieb der Walsroder Kaufmannsfamilie Wolff entstand. Daraus entwickelte sich schließlich der größte regionale Arbeitgeber, der zu großen Ansiedlungen in der Stadt geführt hat.

Der ein „W“ andeutende Flusslauf, der dem bisherigen Bomlitzer Wappen entnommen wurde, unterstreiche, dass die Wasserkraft für die Entwicklung der Stadt Walsrode und der zu ihr gehörenden Ortschaften von großer Bedeutung war. Der Verlauf vieler Flüsse der Region, insbesondere der Böhme, ist mäanderartig. Zudem sei die Gründungslegende des Klosters Walsrode mit der im Mittelalter an der Einmündung der Warnau in die Böhme befindlichen Borger Burg verbunden.

Damit, so Neubert-Preine, basiere das gesamte Bildprogramm des neuen Wappens auf fundierten Elementen der Walsroder Geschichte, und die Anordnung der Farben entspreche allen heraldischen Grundsätzen. Das Wappen sei klar und verständlich gegliedert und erfülle damit die Empfehlungen der Kommunalheraldik. Die Stadtfarben Blau und Rot können beibehalten werden, da die Hauptelemente des Wappens (Kirche und Fluss) diese Farben aufweisen.  mü

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