777 Jahre Altenboitzen / Geschichtsnachmittag, alte Filme und Schulen

Blicke in die Vergangenheit

Stephan Heinemann bei seinem Vortrag in Altenboitzen. Fotos: Müller

Altenboitzen – Altenboitzen feiert in diesem Jahr die erste Erwähnung des Ortes vor 777 Jahren. Das Dorf plant einige Veranstaltungen, zu denen alle Altenboitzer und Ehemaligen eingeladen sind.

Den Auftakt bildete ein Nachmittag mit Dr. Stephan Heinemann. Der in Walsrode geborene Historiker kam zu einem Geschichtsnachmittag auf den 350 Jahre alten Braukmanns Hof. Bei Kaffee und Butterkuchen lauschten die Besucher dem Vortrag.

Heinemann begann mit den Themen „Bäuerliche Bevölkerung und Abgaben“ sowie „Ablösung, Gemeinheitsteilung und Verkoppelung“. Hohe Lasten wie das Zehntgesetz und starre Rangordnungen zwischen Adel, Kirche und Bauer bestimmten das Leben. Die Bauern hatten jährlich einen Zins an den Grundherren zu zahlen: Getreide, Hühner, Schweine oder Geld. Zusätzlich mussten Hand- und Spanndienste geleistet werden: Mist fahren, den Acker pflügen und bestellen, Holz hacken, Schafe scheren, Flachs ernten oder Hofdienste leisten. Dazu kamen noch die Zehnten, die je nach Ernte verschieden waren.

Altenboitzen hatte ursprünglich zehn Vollmeier, zehn Halbmeier und neun Kötnerstellen, wie aus einem Verzeichnis von 1669 hervorgeht. Mit der Zeit kamen Anbauern und Abbauern hinzu, die mit den Häuslingen an unterster Stelle standen.

Im zweiten Teil berichtete Heinemann über die Sitten und Gebräuche des vergangenen Jahrhunderts. Die älteren Zuhörer konnten sich noch gut erinnern, als es zum Beispiel um die Hochzeit ging. Einige Tage vor der Feier setzte sich der „Bettewagen“ der Braut von ihrem Elternhaus zum Hof des Hochzeitshauses in Bewegung. Auf Leiterwagen befand sich die Aussteuer der Braut, unter anderem Ballen selbst gewebten Leinens, Tischtücher, Bettlaken und Bettwäsche. Die Möbel wurden gewöhnlich aus den Eichen des Hofs hergestellt und mit Schnitzereien versehen. Die Braut saß auf dem ersten Wagen, neben sich ein geschmücktes Spinnrad.

Eine weitere Veranstaltung fand in der Bäkschün statt. Zweimal im Jahr treffen sich Einwohner zum Stammtisch, um über Themen aus dem Dorf zu sprechen. Beim ersten Stammtisch im Jubiläumsjahr wurden alte Filmaufnahmen gezeigt. Den Start bildete das Schweinerennen. 1982 kamen viele Tausend Besucher ins Dorf, um die Schweine auf der Rennbahn laufen zu sehen. Beim zweiten Film ging es in das Jahr 1971, als ordentlich „Buerbeer“ gefeiert wurde. Als die Männer nachmittags die Dorf-Versammlung abhielten und ihre Abrechnungen in den einzelnen Verbänden wie Jagd, Dränage und Forst machten, gab es Kindertanz auf Imwiehes Saal. Auch die Bauernpaare tanzten abends nach dem Essen. Den Abschluss bildete das Abendbrot beim neuen Buermester. Der Film wurde mit viel Lachen und Ausrufen begleitet. Es war gar nicht einfach, alle Personen wiederzuerkennen.

Bei der dritten Veranstaltung handelte es sich um eine Feldrundfahrt, vom Wegevogt organisiert und vom Dörpsverein begleitet, zum Thema: „Auf den Spuren der Schulen in und um Altenboitzen“. Knapp 70 Teilnehmer starteten mit Trecker, Wagen und Kutsche nach Klein Eilstorf. Ziel war das Schulmuseum. Auf der Rückfahrt passierte die Kolonne die Grundschule und die alte Schule in Kirchboitzen, in der die Altenboitzer Schüler ab 1963 unterrichtet wurden. Abschluss bildeten Stopps an den ehemaligen Altenboitzer Schulstandorten. Die alte Schule aus dem Jahr 1771 steht nicht mehr. Sie wurde 1936 abgebrochen. An der Schule in Altenboitzen, die 1859 gebaut wurde, gab Heiner Winkelmann Geschichten aus seiner Schulzeit preis. Singen und Frühsport standen morgens auf dem Plan. Der Fokus lag auf Heimatkunde und Lesen, Schreiben und Rechnen sowie Benehmen. Zum Start der Erstklässler und zur Entlassung der Schulabsolventen ging die Klasse durchs Dorf und holte die Abc-Schützen von zu Hause ab und brachte die Abgänger nach Hause. Stephan Rengstorf hatte diverse Infos parat. So wurde die Schule 1904 umgebaut, da der 30-Quadratmeter-Klassenraum für 50 Kinder zu klein war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden bis zu 123 Kinder in zwei Schichten unterrichtet.

Alle drei Veranstaltungen waren sehr gut besucht. Die Vorfreude auf das Kinderfest, den Kiel-Ausflug und das Dorffest ist in Altenboitzen noch gestiegen.  mü/ren

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