Angeklagter wird ins Krankenhaus eingewiesen

Betrunken vor dem Landgericht

Verden/Walsrode - Sternhagelvoll erschien gestern Nachmittag ein 40 Jahre alter Angeklagter aus Walsrode zu einer Berufungsverhandlung am Landgericht Verden. In erster Instanz war er wegen zweifachen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer dreimonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Eine Amtsärztin wurde alarmiert, um die Verhandlungsfähigkeit des aus Kasachstan stammenden Angeklagten zu beurteilen.

Der stämmige Mann zog eine beachtliche Alkoholfahne hinter sich her. Auf der Anklagebank konnte er sich nicht aufrecht halten, schaffte es aber wenigstens noch, bei der Vereidigung der Dolmetscherin aufzustehen. Im Sitzungsprotokoll wurde der Zustand des 40-Jährigen wie folgt vermerkt: „Der Angeklagte erweckt den Eindruck, hochgradig alkoholisiert zu sein. Er verströmt einen starken Alkoholgeruch und spricht verwaschen und verlangsamt“.

Der Vorsitzende Richter Andreas Ortmann alarmierte die Verdener Amtsärztin Jutta Dreyer, denn für die Frage, ob die Berufung zu verwerfen oder das Verfahren auszusetzen sei, galt es zu klären, ob sich der Angeklagte schuldhaft in den Zustand der offensichtlichen Verhandlungsfähigkeit gebracht hat. „Verhandeln können wir so nicht“, stellte Staatsanwältin Brigitta Henß trocken fest. Das musste aber korrekterweise von der Amtsärztin festgestellt werden. Der Gerichtssaal wurde kurzerhand zum Untersuchungsraum umfunktioniert.

Zehn Minuten später gab es die amtsärztliche Bestätigung dafür, dass der Angeklagte betrunken war. Festgestellt hatte die Ärztin zudem eine Schwellung des rechten Fußgelenks, was der Grund für seine Badelatschen und die Sporthose gewesen seien könnte.

In Verbindung mit der Alkoholintoxikation führte kein Weg an einer Einweisung in ein Krankenhaus vorbei. „Er hat heute Morgen alles getrunken, was ihm in die Hände gekommen ist“, berichtete Dreyer. Offenbar bestehe seit Jahren ein massives Alkoholproblem bei dem Mann. Ein Atemalkoholwert wurde nicht genannt. „Viele aus diesem Herkunftsland haben 1,5 Promille, und sie würden es nicht merken“, gab die Amtsärztin zu bedenken.

Verfahren wird ausgesetzt

Als sie den Saal verlassen hatte, legte der Angeklagte ungeniert seinen stark geschwollen Fuß auf den Tisch der Anklagebank und nahm einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Zum Glück nur aus der Wasserflasche, die ihm seine Bewährungshelferin gereicht hatte. Kurz vor Ende der Sitzung fragte der Vorsitzende den Mann, ob er noch etwas erklären möchte: „Ich will nur eine rauchen“, übersetzte die Dolmetscherin, was ins Protokoll aufgenommen wurde.

Dann wurde das Verfahren ausgesetzt und der Angeklagte mit einem Krankenwagen nach Rotenburg gebracht. Vermutlich die Aussicht auf die Zigarette vor der Fahrt ließ den Kasachen die Treppe flott herunterlaufen. - wb

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