Berufungsprozess gegen 30-Jährigen

Helfer und Opfer statt Täter?

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden/Walsrode - Als Helfer und Opfer stellt sich ein 30 Jahre alter Angeklagter aus Walsrode in einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden dar. Er habe nicht mit einer Art Baseballschläger auf die Nebenkläger eingeprügelt, wie es das Jugendschöffengericht Walsrode in erster Instanz festgestellt hat. Bislang hatte er zu den Vorwürfen geschwiegen, entsprechend groß war das Staunen bei den übrigen Verfahrensbeteiligten angesichts dieser überraschenden Einlassung.

„Ich wollte gucken, ob sie die Wahrheit sagen“, erklärte der dreifache Vater sein bisheriges Schweigen. Jetzt will er einen Freispruch, denn in den frühen Stunden des 17. August 2011 habe er lediglich dem Sohn seiner Cousine geholfen.

Zufällig sei er in jener Nacht an dessen Bar in der Moorstraße vorbeigefahren und will sofort erkannt haben, dass etwas nicht stimmte. Der 30-Jährige behauptet, dass die Nebenkläger seinen Verwandten angegriffen, ihm Geld und Schlüssel gestohlen hätten. Beim Reinkommen sei er mit Aschenbechern und Vasen beworfen worden. Völlig zu unrecht seien er und der Barbetreiber im Jahr 2013 wegen gefährlicher Körperverletzung zu Bewährungsstrafen in Höhe von neun und zehn Monaten verurteilt worden.

Das Amtsgericht war der Schilderung der Nebenkläger gefolgt, die in jener Nacht eine heute 30-Jährige zu der Bar begleitet haben wollen. Die Walsroderin habe sich dort mit ihrem damaligen Freund, dem Barbetreiber, aussprechen wollen. Es sei abgemacht gewesen, dass die Freundin ihr Handy eingeschaltet lässt. Ein Ausschalten des Handys sei das Signal für die draußen wartenden Nebenkläger gewesen, hereinzukommen.

Kurz darauf sei der Angeklagte, der damals ebenfalls eine Bar in Walsrode betrieben hat, aufgetaucht. Er habe sich den Baseballschläger geholt und von dem 28 Jahre alten Nebenkläger verlangt, dass dieser eine mitgeführte Waffe herausgeben solle. Doch der mittlerweile in Hannover lebende Nebenkläger soll keine Waffe gehabt haben.

Um dies zu zeigen, habe er die Arme gehoben und seitlich ausgestreckt. In diesem Moment soll der 30-Jährige ihm mit dem Baseballschläger gegen den Kopf geschlagen und den Unterkiefer doppelt gebrochen haben. Beide Angeklagte sollen dann auf die Nebenkläger eingeprügelt haben. Die 28 Jahre alte Nebenklägerin aus Walsrode erlitt unter anderem eine Nasenbeinfraktur.

Die konstanten Aussagen der Nebenkläger wurden im Kern von der Ex-Freundin des Barbetreibers bestätigt. Dieser hatte ebenfalls Berufung gegen das Walsroder Urteil eingelegt. Zu der Verhandlung am Landgericht erschien er nicht – ohne Angabe von Gründen. Seine Berufung wurde verworfen.

Urteil nicht

vor Mitte Dezember

Der 30 Jahre alte Angeklagte will durch die Geschehnisse einen Schock erlitten haben, der zu einer Form der Blutarmut geführt habe. Den Nasenbeinbruch habe sich die Frau zugezogen, als sie ausgerutscht und gegen ein Podest geknallt sei. Der Unterkiefer sei infolge eines Tritts des ursprünglich zweiten Angeklagten gebrochen, dies sei aber nur eine Notwehrhandlung gewesen. Eine Waffe beim Nebenkläger habe die alarmierten Polizei nicht sichergestellt. „Die haben ihn nicht mal durchsucht, weil sie keinen Durchsuchungsbeschluss hatten“, behauptete der Angeklagte. Ein Urteil wird nicht vor Mitte Dezember erwartet.

wb

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