Berufsfachgruppe aufgelöst

Eine Anlaufstelle weniger für Frauen

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Dorothea Schwegler, Wolfgang Baron, Mary Helen Fischer und Frauke Flöther (von links).

Walsrode - 1991 war das Gründungsjahr der „Berufsfachgruppe gegen sexualisierte Gewalt im Heidekreis“. Ein Meilenstein für die Region, denn es handelte sich um eine Anlaufstelle, die viele Frauen in den vergangenen 26 Jahren genutzt haben. Nun hat sich der Verein aufgelöst. Den Überschuss von 687,52 Euro haben die Frauen dem Weißen Ring gespendet.

Frauke Flöther erinnert sich noch gut an die Anfänge. Damals habe eine Stelle gefehlt, an die sich Opfer von sexueller Gewalt wenden konnten. Öffentliche Äußerungen habe es kaum gegeben, und der Frust der Frauen sei riesig gewesen. Heute habe sich die Landschaft nachhaltig geändert. Der Verein löse sich hauptsächlich deshalb auf, weil Beratung und Betreuung für Frauen wesentlich weiter ausgebaut worden seien. „Das Thema wird durch starke Medienpräsenz anders diskutiert.“

Vereinsüberschuss für den Weißen Ring

Frauke Flöther, Dorothea Schwegler und Mary Helen Fischer sitzen im Zimmer der Organisation „Frauen helfen Frauen“ in Walsrode und lassen die vergangenen 25 Jahre Revue passieren. Sie erzählen von vielen, zum Teil sehr belastenden Erfahrungen, die sie in der Berufsfachgruppe gemacht haben.

Die drei fanden es in der jüngsten Zeit sehr entlastend, Fälle verweisen zu können, wie zum Beispiel an die Fachberatungsstelle „Wendepunkte“. „Deren Einrichtung hat einfach geklappt. Wir mussten noch kämpfen, um etwas für Frauen zu erreichen“, erinnert sich Frauke Flöther an die steinige Anfangszeit.

Seit 1998 ist Dorothea Schwegler dabei. Über die BBS kam sie in die Beratung, weil auch in der Berufsschule Betreuung in Gewaltsituationen angeboten wurde. „Ich war froh, dass man mal jemanden fragen konnte“, sagt Frauke Flöther. Sie sei erleichtert gewesen, als die Gruppe mehr Mitglieder bekommen habe.

„Für uns ging es darum, den Frauen aufzuzeigen, wie es in einer Situation von häuslicher Gewalt weitergehen kann. Zunächst sei es oft wichtig gewesen, dass die Frauen das Gefühl bekamen: „Hier ist eine, die mir glaubt, auch wenn es unglaublich klingt, was mir widerfahren ist“, erläutert Frauke Flöther. „Und dass da jemand ist, der keine unabgesprochenen Schritte unternimmt“, ergänzt Dorothea Schwegler.

Einstieg über Pro Familie

Mary Helen Fischer kam über Pro Familie in die Gruppe. „Die Justiz hat damals gar nicht so recht gewusst, was sie machen sollten, ob man das bestrafen kann und wie. Das ist heute alles anders.“

Die drei werden beruflich weiter miteinander zu tun haben. Ein bisschen traurig sind sie schon, dass jetzt der Schlussstrich gezogen wird.

Wolfgang Baron vom Weißen Ring zeigte sich dankbar für die Spende. Das Geld soll nach dem Wunsch der „Berufsfachgruppe gegen sexuelle Gewalt“ in der Region bleiben und Frauen zu Gute kommen. Die Außenstelle des Weißen Rings im Heidekreis hat keine eigene Kasse, das Geld gehe an den Bundesverband. Baron hat jedoch immer ein gewisses Budget für die Soforthilfe, und so kommt das Geld wieder dem Heidekreis zugute.

Der Weiße Ring baut seine Betreuung auf drei Säulen auf: Opferhilfe bedeutet Unterstützung bis zur Prozessbegleitung. Die Betroffenen können einen Anwalt der eigenen Wahl um Beratung bitten. Die zweite Säule ist Prävention. Der Weiße Ring kann an höchster Stelle für die Opferbelange eintreten:

Als hauptberuflicher Kriminalbeamter habe ihm die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Organisationen einen Perspektivenwechsel gebracht, erklärt Baron.

cc

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