Nachwuchs bei verschiedenen Arten / Handaufzucht von zwei Humboldtpinguinen

Babyalarm im Weltvogelpark

Der flauschige Nachwuchs bei den Schnee-Eulen wird von seinen Elterntieren aufgezogen.
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Der flauschige Nachwuchs bei den Schnee-Eulen wird von seinen Elterntieren aufgezogen.

Walsrode – Nachwuchs bei den Pinguinen, Schneeulen, Nashornvögeln, Blaukehlaras und vielen weiteren Vogelarten hält die Pfleger, Tierärzte und Biologen im Weltvogelpark (WVP) Walsrode ordentlich auf Trab. Der coronabedingte späte Saisonstart habe offensichtlich bei vielen Vögeln im Park für eine besonders romantische Stimmung gesorgt, heißt es in einer Pressemitteilung. Viele Jungtiere könnten von den Besuchern mehrmals täglich bei der Fütterung beobachtet werden.

Verschiedene Nachzuchtprogramme sorgen im Park regelmäßig für Nachwuchs. „Vögel pflanzen sich nur dort fort, wo sie sich besonders wohlfühlen. Seit Jahren haben wir große Bruterfolge gerade bei Arten, die sich sonst unter menschlicher Obhut nur sehr wenig fortpflanzen – etwa bei Kolibris oder Paradiesvögeln. Für uns ist das eine tolle Bestätigung dafür, wie artgerecht wir mit unseren Tieren umgehen und wie frei und sicher sich diese hier im Park fühlen“, verrät Javier Gimeno, Biologe und Geschäftsführer des WVP.

Für die Aufzuchtstation zeichnet die Tierpflegerin Janina Gerbatsch verantwortlich. Dabei liegt ihr das Wohlergehen ihrer Schützlinge besonders am Herzen: „Wir sind hoch spezialisiert auf die Vogelhaltung und haben seit Jahrzehnten Erfahrungen in der Nachzucht von Vögeln aus aller Welt sammeln können. Natürlich sind wir stolz darauf, regelmäßig deutsche, europäische und sogar weltweite Erstzuchten vermelden zu können. Bei der Handaufzucht wachsen uns die tapsigen Jungvögel schnell ans Herz“, verrät Gerbatsch.

Gerbatsch wird immer dann informiert, wenn sich die Elterntiere nicht um ihre Jungtiere kümmern. Dabei sei es bei der Handaufzucht besonders wichtig, die Jungen möglichst natürlich großzuziehen, ohne dass eine Prägung auf den Menschen erfolge. Das helfe im Anschluss beim Zusammenbringen mit den Artgenossen.

Zum Beispiel gelinge dies dadurch, dass miteinander harmonierende Jungtiere zusammen gehalten würden. So orientierten sich die Jüngeren oft an den etwas Älteren, lernten auf diese Weise die arttypischen Verhaltensweisen kennen und ahmten diese ganz automatisch nach. Eine spezielle Handpuppe zur Fütterung sei dem Schnabel und Schlund der Elterntiere nachempfunden.

Besonders viel Aufmerksamkeit und Pflege bedürften sogenannte Nesthäkchen. Im Gegensatz zu den wesentlich selbstständigeren Nestflüchtern seien Nesthäkchen deutlich pflegeintensiver und verblieben noch einige Tage bis Wochen im Nest. Sie benötigten zusätzliche Wärme. Das Futter müsse direkt in den Schlund gefüttert werden.

Zu diesen Nesthäkchen zählen seit einigen Tagen zwei Humboldtpinguine. Sie haben es gern besonders warm. In den ersten Tagen benötigen die Jungen eine Temperatur um die 36 Grad Celsius, da sie bei den Elterntieren noch unter den Dunen gewärmt würden. Im Alter von etwa zehn Tagen liegt die Temperatur bei 33 Grad Celsius. Die Temperatur wird in einem Brutkasten reguliert.

Mittlerweile brauchen die Geschwister allerdings keine zusätzliche Wärme mehr und sind bereits in einen für die Besucher sichtbaren Bereich gezogen. Im Alter von etwa drei Monaten ziehen sie zu den anderen Pinguinen auf die Anlage. Bis zur ersten Mauser im Folgejahr lassen sie sich noch gut von den Alttieren unterscheiden.

Gimeno weiß, dass von Vogelbabys eine besondere Faszination ausgeht und nutzt dies gezielt, um auf die Schutzbedürftigkeit der Vögel aufmerksam zu machen. „Es ist uns sehr wichtig, die Jungvögel immer in einem Zusammenhang mit ihrer Umwelt darzustellen. So erklären wir etwa bei unserem Humboldtpinguinnachwuchs, warum diese Spezies weltweit gefährdet ist und was das mit unserem eigenen Konsumverhalten zu tun hat. Wir zeigen, wie liebens- und schützenswert diese Tiere sind, und geben damit wichtige erste Impulse, im eigenen Rahmen aktiv zu werden“, so Gimeno weiter.

Neben den zwei flauschigen Pinguinen gibt es aktuell Nachwuchs bei den Schneeeulen, die von ihren Eltern aufgezogen werden. Außerdem freuen sich die Biologen über Jungtiere bei den Palmgeiern, Brillenpelikanen, Blaukehlaras und Grünarassaris, die gemeinsam in der Babyaufzuchtstation leben und dort täglich vor den Augen der Besucher gefüttert werden. In vielen Nestern liegen zurzeit Eier, so wird etwa aktuell Nachwuchs bei den Nashornvögeln erwartet.

„Viele unserer Vögel wachsen wie in der Natur bei ihren Eltern auf. Eine Handaufzucht ist auch bei uns eher die Ausnahme. Bei besonders gefährdeten Arten oder überall dort, wo wir sehen, dass die Eltern sich nicht ausreichend kümmern können, geht für uns jedoch das Wohl des Jungvogels vor, und wir nehmen ihn in unsere Obhut“, so Gimeno.

Janina Gerbatsch ist Leiterin der Aufzuchtstation.
Eines der beiden Humboldtpinguin-Küken.

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