190 Ausbildungsplatzsuchende auf 194 unbesetzte Stellen

Wünsche nicht deckungsgleich mit Angeboten

Mann in blauer Kleidung mit einer Schleifmaschine und Schutzhelm. die Funken fliegen.
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Viele Betriebe investieren heute mehr denn je in attraktive Ausbildungsangebote und Arbeitsbedingungen. Dennoch ist der Bestand an unbesetzten Stellen zum Ende des Beratungsjahres in der Region hoch. Symbol

Heidekreis – „Nicht genügend passende Bewerber für reichlich Lehrstellen.“ So skizziert Sven Rodewald, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Celle die Lage am Ausbildungsmarkt. „Die Wünsche der Jugendlichen sind häufig nicht deckungsgleich mit den gemeldeten Ausbildungsstellen. Die unterschiedlichen Bewerberinteressen lassen eine rein mathematische Betrachtung nicht einfach zu.“

Mehr Bewerber und Ausbildungsstellen als im Vorjahr

In Zahlen sieht die Lage im Zuständigkeitsbereich der Agentur aus wie folgt: Es gibt 2 167 gemeldete Ausbildungsstellen, 80 mehr als im Vorjahr. 2 017 Bewerber, 8 mehr als im Vorjahr, sind bei der Agentur für Arbeit registriert. Auf 194 unbesetzte Berufsausbildungsstellen kommen 190 nicht vermittelte Bewerber. Dies resultiere aus unterschiedlichen Ausbildungswünschen, heißt es in einer Pressemitteilung der Agentur.

Angespannter markt

In einigen Bereichen gibt es mehr Bewerber als Ausbildungsplätze und andere Bereiche haben weniger Zulauf. Aus Sicht der Ausbildungsunternehmen zeigt sich der Markt angespannt. Die Absolventen der Sekundarstufe II entscheiden sich nicht immer für die duale Ausbildung, auch weil sie sich nicht früh entscheiden wollen und noch Überlegungs- und Beratungsbedarf haben – hier unterstützt das Angebot der Berufsberatung mit Möglichkeiten der Studienberatung oder die Teilnahme an Selbsterkundungstests unter www.check-u.de.

Attraktivität der beruflichen Ausbildung ins Rampenlicht stellen

Für die kommenden Monate ist es aus Sicht von Sönke Feldhusen, Ausbildungsexperte und stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW), wichtig, Berufsorientierungsangebote und das Angebot von Praktika auszubauen und die Attraktivität der beruflichen Ausbildung noch mehr ins Rampenlicht zu stellen: „Viele Betriebe investieren heute mehr denn je in attraktive Ausbildungsangebote und Arbeitsbedingungen. Dazu zählen neben angemessenen Löhnen eine wertschätzende Unternehmenskultur, Benefits und Sozialleistungen für Mitarbeitende und klare Perspektiven für Karriere und Fortbildung“, sagt Feldhusen.

Sich verschärfender Fachkräftemangel

„Mit Blick auf den sich wieder verschärfenden Fachkräftemangel bedeutet jeder Ausbildungsvertrag eine große Chance. Das gilt für Unternehmen, die Fachkräfte früh und langfristig an sich binden können. Und das gilt für junge Menschen, die sich dicht an der Praxis und dennoch auf hohem Niveau qualifizieren wollen.“

Neue Zielgruppen adressieren

Ausbildungsbetrieben rät Feldhusen, möglichst früh den Kontakt zu potenziellen Auszubildenden zu suchen: „Unsere IHKLW bietet dafür eine Reihe von Angeboten an der Schnittstelle von Schule und Wirtschaft. Gerade in den besonders betroffenen Branchen wird es aber auch wichtig, neue Zielgruppen zu adressieren – Menschen mit Migrationshintergrund und ausländische Fachkräfte, die es zu rekrutieren, zu qualifizieren und zu binden gilt.“

Der Bestand an unbesetzten Ausbildungsstellen zum Ende des Beratungsjahres ist hoch, und doch halten Betriebe an ihren hohen Erwartungen gegenüber den zukünftigen Lehrlingen fest. „Wer hingegen vermeintlich leistungsschwächeren Bewerbern eine Chance gibt, erhöht die Auswahl und erhält verschiedene Angebote der Arbeitsagentur. Wir bieten unterschiedliche Lösungen für mögliche Herausforderungen an, wie zum Beispiel die Einstiegsqualifizierung oder die assistierte Ausbildung. Es gilt, dass künftig keiner im Übergang von der Schule in den Beruf verloren geht und mehr Jugendliche direkt den Weg in eine Ausbildung finden“, so Rodewald.

Vermittlungsaktivitäten gehen weiter

Das Ende des Berufsberatungsjahres bedeutet nicht das Ende der Vermittlungsaktivitäten. Auch jetzt melden sich noch Jugendliche, die zum Beispiel keinen Studienplatz erhalten haben oder eine weiterführende Schule abbrechen und nun doch eine duale Berufsausbildung anstreben. Gleichzeitig melden auch Betriebe noch freie Ausbildungsstellen für das bereits begonnene Ausbildungsjahr. Die Erfahrungen zeigen, dass im so genannten „fünften Quartal“ von Oktober bis Dezember eine große Anzahl der derzeit noch freien Stellen mit Auszubildenden besetzt werden kann und im Gegenzug bislang unversorgte Bewerber einen Ausbildungsplatz oder eine Alternative finden.

Betriebe bilden mit großem Engagement aus

„Die Betriebe im Handwerk bilden auch während der Corona-Pandemie mit großem Engagement aus, das zeigen unsere Zahlen. Im gesamten Kammerbezirk hatten wir Ende September 4 313 neue Ausbildungsverträge zu verzeichnen. Das sind rund vier Prozent mehr als im Vorjahr. In der Region Lüneburg liegen wir mit 1 359 neuen Ausbildungsverträgen sogar fünf Prozent über dem Vorjahr“, sagt Günter Neumann, Leiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade.

Ziel: Ausbau der Berufsorientierung

„Um die berufliche Bildung zu stärken, gilt es, die Berufsorientierung systematisch auszubauen, allgemeinbildende Schulen besser mit Handwerkskammern und Innungen zu vernetzen, Schulabsolventen und Auszubildende zu fördern sowie die Ausbildungsbetriebe zu unterstützen“, sagt Neumann.

Denjenigen, die bis jetzt noch keinen Termin hatten, legen alle Akteure nahe: „Besorgen Sie sich kurzfristig einen Beratungstermin.“ Das geht am schnellsten mit einem kostenfreien Anruf im Servicecenter der Arbeitsagentur, in der Zeit von 8 bis 18 Uhr, unter Telefon 0800/4555500.

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