Für Hermann Löns ist Monika Seidel über 100 000 Kilometer weltweit unterwegs gewesen

Auch mit 80 Jahren so tatkräftig wie immer

Neben dem großen Heidedichter: Hermann Löns ist für Monika Seidel wichtiger Bestandteil ihres Lebens.
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Neben dem großen Heidedichter: Hermann Löns ist für Monika Seidel wichtiger Bestandteil ihres Lebens.

Walsrode – Am Abend ist sie zur Kantorei gegangen, hat am Gemeindehaus direkt an der Kirche nahe der Böhme gemeinsam mit den Chormitgliedern ihren ersten Übungsabend mit den Mitgliedern dieses Klangkörpers in frischer Luft erleben können. „Musik ist für mich die Welt. Das haben mir meine Eltern in den Schoß gelegt“, sagt Monika Seidel als ich mit ihr anlässlich ihres 80. Geburtstages im Hermann-Löns-Zimmer des Heidemuseums sitze. Es schaut mich nicht nur eine kleine charmante Frau, der man das Alter nicht ansieht, an, sondern auch direkt über ihr ein Portrait des Heidedichters, dem sie über viele Jahre gefolgt ist. Ich erlebe fast zwei Stunden lang eine Frau mit einem unglaublichen Erinnerungsvermögen – an gute und schlechte Zeiten.

Ich habe noch nie etwas vom Puddingstein in Walsrode gehört. An diesem Montag weiß ich, dass es ihn in der Eckernworth Richtung Jungbrunnen gibt. „Ein Mühlenrad, auf dem wir Kinder von unseren Eltern immer wieder eine Überraschung bekommen haben.“ Der Puddingstein ist so Walsroder Geschichte geworden.

Dazu gehört aber auch die zierliche Frau, die im Flachsröten mit ihrem Mann Walter ein Zuhause gefunden hat. In früheren Zeiten gab es auf ihrem Grundstück sogar noch Flachsgruben. „Mein Wohnhaus ist auch schon fast zum Museum geworden. Kürzlich habe ich mir in Düshorn ein 100 Jahre altes Bett gekauft, das sehr knarrt.“

Monika Seidel wurde am 27. Juli in der Walsroder Schmersahlstraße geboren, in einer kargen Werkswohnung von Leder-Brehme. Nach dem Besuch der Mittelschule ging sie nach Hannover zur Höheren Handelsschule und arbeitete viele Jahre bei Rechtsanwalt Gruß, ehe sie fast 30 Jahre beim Landkreis tätig war, bei der Kreisbildstelle, im Gesundheitsamt und in der Ausländerbehörde.

Bei Seniorenveranstaltungen erfreute sie die Teilnehmer, wenn sie ihr Akkordeon auspackte und musizierte. Sie war 45 Jahre lang Mitglied des Akkordeon-Spielrings Walsrode. Und im kommenden Jahr feiert sie gemeinsam mit ihrem Mann die diamantene Hochzeit. „Als ich meinen 42. Geburtstag feierte, hatte er mir ein Hohner-Akkordeon für 4 800 Mark geschenkt. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar.“ Anfangs musste sie sich noch ein Instrument ausleihen.

Zu Löns ist die heutige Präsidentin der Hermann-Löns-Kreise Deutschland und Österreich über ihren Großvater Friedrich Jäger gekommen. „Der hat als Junge den Koffer des Heidedichters vom Bahnhof zum Hotel Hannover gebracht, wo sich Löns gern aufhielt.“ Opa konnte so schön über ihn erzählen. Mich faszinierten immer wieder die wunderschönen Naturerzählungen. Davon konnte ich sogar beim Jägerschein profitieren.“

Mit großer Energie führt sie heute die Lönsfreunde, feiert einmal im Jahr die Hermann-Löns-Woche mit Fans aus aller Welt, fährt immer wieder einmal nach Loivre in Frankreich, wo der große Heidedichter gefallen ist, und tut viel dafür, dass Löns aus den Köpfen der Menschen in der Region nicht verloren geht. In Kürze soll es im Tietlinger Wacholderhain weitere Erinnerungstafeln an ihn geben. In Kürze kommt auch ein neues Buch über ihn heraus, mit Geschichten, die weitgehend unbekannt sind. Über 100 000 Kilometer fuhr Ehemann Walter mit seiner Frau kreuz und quer auf Lönspfaden durch Europa.

Monika Seidel war Mitbegründerin des Gernrode-Komitees, das dank ihrer Initiative noch heute lebt, hielt in der malerischen Harzer Stadt Löns-Vorträge und übernahm vor zwölf Jahren die Leitung des Heidemuseums.

Viele Erinnerungen an die Vergangenheit der Region sind hier am Rand der Eckernworth zu finden. Manchmal gibt es dort auch leckeren Butterkuchen, den die 80-Jährige ihren Gästen serviert. Und immer wieder eine Bemerkung, die manchmal auch „spitz“ sein kann. „Als das Kastendieckhaus verschwinden sollte und ein Ratsherr gesagt hat, das sei sowieso nur noch eine Bruchbude, habe ich etwas energischer reagiert. Ihrem Einsatz gegenüber dem Rat ist es zu verdanken, dass das alte Haus mit so großer Geschichte erhalten blieb.

„Wenn ich allein geblieben wäre, wäre ich gern ins Kloster gegangen,“ sagt sie und, dass sie noch heute gute Verbindungen zu den Klosterdamen pflegt. „Auch, wenn mich die Autos, die neuerdings am Eingang stehen, stören. Dies passt einfach nicht zum Gesamtbild des Hauses.“ Da ist sie wieder, wie man sie kennt. Stets bleibt sie engagiert, so lange ein Problem ungelöst ist. „Ich habe auf den Tafeln im Tietlinger Wacholderhain Schreibfehler entdeckt, die sind immer noch da.“

Die Jubilarin versorgt aber auch noch eine 94-jährige Frau in diesen Korona-Zeiten, möchte aber nicht weiter darüber reden. Und sie passt auf, dass jeder Besucher des Museums seine Hände erst einmal desinfiziert.

Sportlich ist sie auch, hat 50 Mal das Sportabzeichen absolviert, ist eines der ältesten Mitglieder des TV Jahn und war bis zu ihrem „Unruhestand“ 110 Mal beim Blutspenden. Für den Kommandeur der Bundespolizei ist es immer wieder eine Ehrensache, wenn er zu seinen Feiern mit Hunderten von jungen Beamten aus ganz Deutschland die Präsidentin des Löns-Verbandes, Monika Seidel, begrüßen darf.

„Ich habe mich gefreut“, sagt sie, als man zu ihren Ehren eine Rotbuche in den Fulde-Park pflanzte, als der Pastor aus Walsrode kurz vor Heiligabend bei ihr anrief und fragte, ob sie helfen und Musik in der kleinen Friedhofskapelle machen könne, damit das Weihnachtsfest auch im kleinen Dorf an der Warnau nicht zu trist werde. „Ich habe sofort zugesagt und würde es immer wieder machen.“ Sie ist einfach glücklich, unter Menschen zu sein, und dass ihre vielen Ideen, die sie immer noch hat, Gehör finden.

Ihren Geburtstag wird Monika Seidel wegen Corona in kleiner Runde feiern. Genauso freut sie sich aber auf eine neue Ausstellung im Heidemuseum und darauf, dass es wieder einen Backtag gibt.

Von Klaus Müller

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