Prozess am Landgericht Verden

Angeklagter Taxifahrer zu Unrecht belastet ?

Walsrode/Verden - Ist ein Taxifahrer im Juli 2017 in Walsrode das Opfer einer räuberischen Erpressung geworden oder hat er den 31 Jahre alten Angeklagten zu Unrecht belastet? Wie bereits berichtet, hat der Fahrer in dem Prozess am Landgericht Verden ausgesagt, dass gar kein Messer im Spiel gewesen sei. Es besteht der Verdacht, dass der 33-Jährige vor dem Prozess zu einer Falschaussage gedrängt worden ist.

Der Angeklagte, zum Tatzeitpunkt gemeldet in Siedenburg, aber nach eigener Aussage wohnhaft in Bad Fallingbostel, hat eingeräumt, dass er ein Messer bei sich hatte. Laut seinem Verteidiger hat der 31-Jährige während der Fahrt damit in den Sitz gestochen. Von einem Messer hatte der Taxifahrer nicht nur in seinem Notruf gesprochen, sondern auch in zwei polizeilichen Aussagen. Das Messer sei ihm nicht an den Hals, aber davor gehalten worden. „Für uns war das definitiv glaubwürdig“, so ein Kriminalbeamter.

Der Angeklagte hatte sich von einer Walsroder Disco zur Sparkasse fahren lassen, um Geld abzuheben, so hat es der 31-Jährige geschildert. Bei einem Zwischenstopp in der Moorstraße habe er sich bei einem Bekannten das Messer besorgt, um den Türstehern der Disco Angst zu machen. Auf einem Überwachungsvideo der Disco ist der Angeklagte nach dem Aussteigen aus dem Taxi vor dem Eingangsbereich der Disco mit einem Messer zu sehen.

Die Tür war vorher schnell geschlossen worden. Laut einem Türsteher ging der Angeklagte dann weg und legte das Messer in einen Busch. Als die Türsteher das Messer sichern wollten, sei bereits die Polizei vorgefahren.

Taxifahrer als Opfer ?

Der Taxifahrer hatte seinerzeit gegenüber der Polizei berichtet, dass der Täter aggressiv gewesen sei. Möglicherweise habe er unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen gestanden. Beides hatte sich nach einer Blutentnahme bestätigt.

Einerseits behauptet der Angeklagte, dass er einen Blackout gehabt habe, doch die Bedrohung und die räuberische Erpressung von rund 70 Euro könne er ausschließen. Der Verbleib des Geldes scheint unklar. Sein Verteidiger argumentierte, dass sein Mandant das Geld nicht bei sich gehabt habe, als er vor Ort von der Polizei festgenommen wurde. Der stellvertretende Betriebsleiter des Taxiunternehmens bestätigte eine vollständige Kasse.

Der Fahrer habe ihm gegenüber lediglich von einem „Konflikt“ gesprochen und dass der Fahrgast mit dem Messer in den Sitz gestochen habe, so der stellvertretende Leiter. Da der 33-Jährige noch bei dem Unternehmen Taxi fährt, war die Aussage des Zeugen am ersten Verhandlungstag Thema in der Firma. Der Chef hatte davon in der Zeitung gelesen. „Ich habe ihm gesagt, dass ich hier aussagen werde“, so der 56-Jährige im Zeugenstand. Daraufhin habe sein Mitarbeiter gesagt: „Damit muss ich leben.“

Der Verteidiger war der Meinung, dass die Gründe für die seit Juli andauernde Untersuchungshaft nicht mehr ausreichten, stellte aber keinen konkreten Antrag auf Entlassung. Voraussichtlich kommende Woche soll ein Urteil verkündet werden. - wb

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