Marilyn und Pascal Braun pflegen Anlage und Gäste

Schlittschuhfahren in Walsrode aus einem anderen Blickwinkel gesehen

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Für Schulen und Kindergärten, die am Vormittag kommen, gibt es Sonderpreise.

Walsrode - Die alte Frau kam mit ihrem Rolli in das große Zelt gefahren, das in diesen Tagen die Stadtmitte von Walsrode, den Postparkplatz, fast völlig einnimmt. „Ich habe gehört, dass das überhaupt keine Eisfläche sein soll. Dort wird auf einer Metallplatte gefahren.“

Ungläubiges Staunen bei Marilyn Braun, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Pascal die Eisbahn in Walsrode betreut. Aber die 24-jährige Schaustellerin aus Stadland in der Wesermarsch hatte sich sofort gefangen, erklärte der 87-jährigen Frau, die in ihrer Jugend das Schlittschuhlaufen liebte, wie es sich wirklich verhält: „Die Fläche ist aus Natureis.“ Marilyn Braun zeigte ihr die vielen vereisten PVC-Rohre, die unter der 360 Quadratmeter großen Fläche daher laufen und für eine -10 bis -15 Grad kalte Eisfläche tagtäglich sorgen. „Da wäre ich gern noch einmal selbst gefahren“, schmunzelt die Rolli-Fahrerin in Erinnerung an längst vergangene Zeiten.

Walsrode und die Eisbahn, eine Idee des Fördervereins der Stadt, die gut angenommen wird. Durchschnittlich 180 bis 200 Personen kommen seit Anfang Dezember zum Eisfahren auf den Postparkplatz. Mit eigenen Schlittschuhen, aber auch, um sich gegen eine geringe Gebühr ein Paar zu leihen. Der Eintritt kostet drei Euro. „Und für Schulklassen und Kindergärten bieten wir Sonderpreise an“, ergänzt Marilyn Braun, die mit dem bisherigen Verlauf in Walsrode zufrieden ist. Obwohl: „Etwas mehr Werbung für uns wäre nicht schlecht.“

„Angebot von Walsrodern für Walsrode“

Kristina Burbach vom Förderverein nimmt in diesen Tagen gern Anregungen dazu auf. „Ich bin fast täglich dort und sammele Ideen.“ So auch, ob man in der Moorstraße an der Ampel ein Banner über die Straße ziehen könnte, das auf das Eisvergnügen in der Stadt hinweist. „Fast 70 hier ansässige Unternehmen haben diese Veranstaltung finanziert“, sagt Kristina Burbach. „Es soll ein Angebot von Walsrodern für Walsrode sein.“

Schon in den ersten Tagen kamen zahlreiche Fans der metallenen Kufen aus den umliegenden Gemeinden, drehten ihre Runden. „Jeder muss sich an unsere Eisordnung halten“, sagt Pascal Braun. Nur zweimal habe er eingreifen müssen. „Unfälle halten sich bisher im kleinen Rahmen. Wir sind aber auch gut mit dem DRK vernetzt und greifen sofort ein.“

Am Abend gibt es neues Eis. Wenn die letzten Gäste die Bahn um 22.30 Uhr verlassen haben, starten die Brauns, die in diesen 33 Tagen in einer Ferienwohnung in Bad Fallingbostel wohnen, zum abschließenden Gang über das Eis. Es wird noch einmal geschoben. Und dann kommt auf die rund sieben Zentimeter dicke Eisschicht Wasser für einen weiteren Zentimeter. „Damit am nächsten Morgen alles wieder gut ist mit der silbrig glänzenden Fläche.“

Marilyn, Pascal und Jeff Braun leben vorübergehend in Walsrode, um den Menschen mit ihrer Eislaufbahn die Winterzeit zu versüßen.

Zwei Eismaschinen sind im Einsatz, laufen sehr leise und sorgen für die richtigen Temperaturen. Zahlreiche PVC-Rohre mit einer Art Frostschutzmittel verlaufen unter dem Eis und produzieren Minusgrade. Eisläufer berichten von einem nahezu perfekteUntergrund, der von Pascal Braun aufmerksam gepflegt wird. „Das alles macht mir viel Spaß“, sagt er, der genauso wie seine Ehefrau aus einer Schaustellerfamilie kommt.

Morgens, um 8.30 Uhr, wird noch einmal „Eis geschoben“. Dann kommen die Schulen, die dieses Angebot in Walsrode sehr gut annehmen. Am Mittag und am Abend läuft Pascal Braun mit seinem riesigen Feger doch noch einmal über die Eisfläche. Später kommen Gruppen, die die Bahn mieten können und Eisstockschießen veranstalten.

Marilyn und Pascal Braun gehören zur Familie von Peter Böseler, der mittlerweile vier Eisbahnen in Nord- und Westdeutschland betreibt. Sonst stehen die beiden im Imbisswagen. Sie haben die Schaustellerei von der Pike auf gelernt und sind sich hier auch näher gekommen. „Auf einem Schützenfest in Friesland hat es gefunkt.“ Sie haben ihren kleinen Schatz dabei, den zehn Monate alten Jeff, der im kuscheligen Container am Rand der Bahn sein Zuhause hat. „Ich könnte nie ohne Jeff sein“, so Marilyn Braun. „Für mich war es immer klar, dass er dabei ist, wenn wir unterwegs sind.“

Bis zum 14. Januar dauert dann die erste Saison des Walsroder Eisvergnügens, das viel Freude in die ansonsten „weihnachtsruhige“ Stadt gebracht hat. 

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