Krelinger Bauerntag: Landwirte fühlen sich nicht ernst genommen

„Allianz der Vernünftigen bilden“

Die Teilnehmer des Bauerntags in Krelingen. Fotos: GRZ

Krelingen – Um Konflikte im ländlichen Raum ging es beim 31. Krelinger Bauerntag im Geistlichen Rüstzentrum (GRZ) Krelingen. Der Leiter des Bauerntags-Vorbereitungskreises, Studiendirektor a.D. Albert Rathjen aus Bremervörde, sagte vor den rund 100 Besuchern, dass viele Konflikte mit Landwirten dadurch entstünden, dass diese sich von Politik und Gesellschaft nicht ernst genommen fühlten, teilt das GRZ mit.

Zum Thema, was Kommunen zur Konfliktbewältigung im ländlichen Raum beitragen können, referierte Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring. Wie in keinem anderen Zweig habe es in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten „rasante Veränderungen“ gegeben. Waren früher alle Bewohner eines Dorfes von der Landwirtschaft geprägt und abhängig, seien die Dörfer heute meist nur noch Schlafdörfer. Der Wandel in der Landwirtschaft sei nur gemeinsam mit der Gesellschaft zu bewältigen. Hier gebe es manche Gegensätze, etwa wenn zwar von vielen Verbrauchern ökologische Landwirtschaft gefordert werde, es aber keine Nachfrage dafür gebe. Den Landwirten riet sie, die Diskussion mit der Gesellschaft nicht zu scheuen. „Wir müssen mehr miteinander und nicht übereinander reden“, so Spöring. Wo möglich, sollten sich Landwirte auch in die Kommunalpolitik mit einbringen.

In einer biblischen Betrachtung sagte Pastor Andreas Beneke aus Rhade, dass der Mensch ein „konfliktfreudiges Wesen“ sei und an Konflikten reife. Unter Landwirten gebe es häufig Neid, Streit um Flächen und negatives Reden über andere Konfliktfelder. Aus der Bibel könne man einen konstruktiven Umgang mit Konflikten lernen, indem man sich zum Beispiel frage, was dem anderen diene.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion sagte der Präsident des Bremischen Landwirtschaftsverbandes, Hilmer Garbade, er beobachte eine zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft. Dazwischen werde die Landwirtschaft „zerrieben“. In den Medien entstehe häufig ein verzerrtes Bild von Landwirtschaft. Garbade begrüßte die aktuellen Proteste der Landwirte, an denen sich auch Bio-Bauern beteiligten. Landwirtschaft müsse „mit einer Stimme sprechen“. Die zunehmenden Verordnungen, Gesetze und Auflagen zeigten: „Das Maß ist voll“.

In dem Zusammenhang kritisierte Garbade auch die Kirchen. So nehme er diese bei Kirchentagen eher als „Scharfmacher“ gegenüber Landwirten wahr. Seiner Ansicht nach sei es Aufgabe der Kirche, Dankbarkeit gegenüber der Landwirtschaft in den Vordergrund zu stellen.

Der Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolkverbandes, Jörn Ehlers, Kirchlinteln, wies darauf hin, dass die niedersächsische Landwirtschaft mit 14 Prozent der Beschäftigten zweitwichtigster Arbeitgeber nach der Automobilindustrie sei. Aber immer weniger Betriebe sähen für ihren Betrieb eine Zukunft. Für viele lägen die Gründe in hohen Umweltauflagen aber auch an der zunehmenden gesellschaftlichen Kritik. Gegenüber Organisationen, für die der Protest ein Geschäftsmodell sei, müsse sich eine „Allianz der Vernünftigen“ bilden, so Ehlers. Es gehe zum Beispiel nicht an, dass in Deutschland das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verboten werde, aber mit Glyphosat behandelte Billig-Produkte aus dem Ausland importiert würden.

Ergänzend zu den Referaten gab es Seminare zu den Themen „Kommunikation mit Nicht-Landwirten“ und „Konflikte auf dem Hof“.

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