„Das ist ein absoluter Ausreißer“

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries im Gespräch mit dem Mittelstand

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Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil (3.v.r.) konnten zum Runden Tisch im Forellenhof zahlreiche Unternehmer aus dem Heidekreis begrüßen  

Hünzingen - Die Sorgen und Nöte mittelständischer Betriebe im ländlichen Raum standen im Zentrum des Gesprächs, das Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries am Montag im Forellenhof mit Unternehmerinnen und Unternehmern des Heidekreises führte. Eingeladen hatten dazu der Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil und der SPD-Landtagskandidat Sebastian Zinke.

IHK-Präsident Olaf Kahle brachte es auf den Punkt: „Es müssen mehr Anstrengungen für den Breitbandausbau unternommen werden. Wir haben hier auf dem Land einen akuten Fachkräftemangel.“ Und: „Fahren Sie mal mit dem Bus von Verden nach Walsrode. Das ist eine Weltreise.“ Der öffentliche Nahverkehr müsse von Land und Bund mehr gefördert werden, forderte Kahle.

Die Ministerin versprach, die Anliegen mit nach Berlin zu nehmen und ermunterte die Zuhörer gleichzeitig: „Schreiben Sie mir gern. Ich werde es an die zuständigen Minister und Gremien weiterleiten.“ Man habe zwar viel erreicht, auch und gerade auf dem Gebiet der Digitalisierung. „Aber auch eine Ministerin kann nicht alles lösen.“

Zunehmende Bürokratie ein Thema

Der Inhaber eines Rethemer Betriebes schilderte seine Probleme mit den Behörden. Ein Thema, das an diesem Nachmittag viele Wortbeiträge betraf: Immer mehr Formulare müssen ausgefüllt werden, die Wege werden immer umständlicher. Und warum gebe es für die Krankenkassen keine einheitlichen Vordrucke? „Wir werden mit den Kassen darüber sprechen“, versprach Zypries.

Die Bemerkung, die dann folgte, brachte selbst die Ministerin in Rage. „Ich wollte für meinen Betrieb ausländische Auszubildende haben, bekam aber eine glatte Absage von der Agentur für Arbeit“, berichtete ein Unternehmer. Man habe ihn einfach im Regen stehen gelassen. „Bisher hatte ich nur gute Erfahrungen mit den Arbeitsämtern bei diesem Thema“, antwortete Brigitte Zypries. „Das scheint hier im Kreis ein Einzelproblem zu sein, dem wir nachgehen sollten. Für mich ist das ein absoluter Ausreißer.“

„Wir benötigen unbedingt Fachkräfte“, so Zypries. Die Ministerin lobte daher Initiativen, wie die des Rotary Districts 1800, jungen Spaniern hier eine Anstellung zu vermitteln (wir berichteten). Zypries sprach sich dafür aus, solche Projekte noch massiver und unkomplizierter zu forcieren.

Von Behörden ausgebremst

Denn wieder kam der Vorwurf der Unternehmer, man werde bei den Abläufen durch die Behörden immer wieder ausgebremst.

Moniert wurden außerdem die langen Fahrwege, die Berufsschüler beispielsweise aus Rethem nach Nienburg zurücklegen müssten. Das sei völlig unattraktiv für viele Berufseinsteiger, hieß es aus den Reihen der Unternehmer. Und: Die Infrastruktur, die Anbindung des Nahverkehrs an die Großstädte, muss unbedingt ausgebaut werden, so die Forderung. Internet auf dem Land, „da hängen wir stark hinterher,“ kritisierten die Zuhörer. In manchen Orten könne man noch nicht einmal das Handy vernünftig benutzen, so die Schilderung.

Themen wie Sand am Meer für die mittelständischen Unternehmen dieser Region, die es auch sehr begrüßen würden, wenn der Einzelhandel mehr Möglichkeiten erhalten würde, sich gegen die Großunternehmen wie Amazon behaupten zu können.

Das letzte Wort dieses Nachmittags hatte Lars Klingbeil: Der Bundestagsabgeordnete appellierte an die Region, sich noch mehr für ausländische Azubis einzusetzen, um möglichst viele neue Ausbildungsplätze zu besetzen. „Das sind wir diesem Heidekreis einfach schuldig.“ 

 mü

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