30-jähriger Angeklagter schuldunfähig

Unterbringung zur Bewährung

Walsrode/Verden - Wegen Schuldunfähigkeit hat das Landgericht Verden einen 30 Jahre alten Angeklagten vom Vorwurf des versuchten Raubes freigesprochen. Der psychisch kranke Mann hatte im März 2012 in Walsrode versucht, einer Rentnerin die Handtasche zu entreißen. Weil das Gericht eine Gefahr für weitere Straftaten sieht, ordnete es die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, setzte diese aber unter Auflagen zur Bewährung aus.

Die 2. Große Strafkammer folgte der Einschätzung eines Sachverständigen, der den Angeklagten auf Grund einer Psychose in Kombination mit dem Missbrauch von Alkohol und Drogen als Gefahr für die Allgemeinheit einstufte. Als 17-Jähriger soll der Angeklagte erstmalig in einer Jugendpsychiatrie behandelt worden sein. Der Sachverständige berichtete, dass es 40 bis 50 stationäre Klinikaufenthalte gegeben habe.

Seiner Bewährungshelferin soll es der Angeklagte zu verdanken haben, dass er mittlerweile in einem Wohnheim in Neustadt am Rübenberge in vernünftigen Verhältnissen lebt.

Versuchter

Handtaschenraub

Anders war es Zeugen zufolge im März 2012 gewesen. Ein Bekannter, den er in der psychiatrischen Abteilung des Heidekreis-Klinikums kennen gelernt hatte, soll sich bei dem Angeklagten eingenistet und ihn aus Geldnot zum Handtaschenraub angestiftet haben.

In der Moorstraße versuchte der Angeklagte, einer 75-Jährigen die Handtasche zu entreißen. Der Riemen hielt genauso wie der Widerstand des Opfers. Als der Mann losließ, fiel die Walsroderin und zog sich eine Schulterverletzung zu. In seinem Schlusswort entschuldigte sich der Angeklagte bei der Frau, die betont hatte, ihm verziehen zu haben.

Angesprochen wurden Vorfälle, bei denen der Angeklagte mit Messern durch die Straßen gelaufen war. Ein anderes Mal hatte er in einer Kneipe einen Mann zusammengeschlagen, weil er ein Auge auf seine Freundin geworfen hatte. Einmal hatte er mit einem Messer vor der Tür einer Nachbarin gestanden und die Freilassung seines Bruders gefordert.

„Oft sind es die Fälle, wo die Nachbarin die Tür öffnet und dann tot ist und wo Fälle wie dieser Vorboten waren“, so der Sachverständige. „Ich wollte niemanden abstechen. Ich hatte da nur ein bisschen Psychose“, so der Angeklagte. Doch laut Sachverständigem kann der sein Verhalten nicht immer steuern. „Es ist unsicher, ob er nachher beim Bahnhof ankommt.“

Verteidiger Thomas Lasthaus wertete das Ablassen von der Tasche als strafbefreiend. Es sei unangemessen, deswegen die Unterbringung anzuordnen. „Da sitzt einer, der ist seelisch krank und kommt einem komisch vor. Deshalb die Unterbringung anzuordnen, das geht nicht.“

Das Gericht folgte dem Antrag von Staatsanwalt Lutz Gaebel und ordnete die Unterbringung an, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Auferlegt wurde dem 30-Jährigen, im Wohnheim zu bleiben, sich in der forensischen Institutsambulanz einer Klinik in Wunstorf nach deren Vorgaben behandeln zu lassen und er muss auf Alkohol und Drogen verzichten. Verstößt er gegen eine dieser Auflagen, wird er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

wb

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