Schwerer Missbrauch eines Mädchens

Sexualstraftäter zu sechs Jahren Haft verurteilt

Heidekreis/Verden - Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines zu Beginn der Taten erst elf Jahre alten Kindes in zwölf Fällen ist ein 29 Jahre alter Angeklagter aus Sohren in Rheinland-Pfalz am Mittwoch von der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Zum Tatzeitpunkt lebte der Angeklagte zusammen mit der Kindsmutter im Heidekreis.

Als er fast so alt war wie sein späteres Opfer, hatte sein Stiefvater ihn und seine Geschwister sexuell missbraucht. Der Angeklagte habe selber sehr unter den an ihn verübten Taten gelitten. „Aber er hat nie eine Therapie gemacht. Es ist nie aufgearbeitet worden“, stellte der Vorsitzende Richter Joachim Grebe in der Urteilsbegründung fest. Das Mädchen, mittlerweile fast erwachsen, sei noch immer stark durch die Taten belastet. Aber auch sie habe bislang keine Therapie gemacht, so der Vorsitzende. „Eine kontinuierliche Therapie ist erforderlich. Ohne wird es ganz schwer, solche Erlebnisse zu überwinden“, sagte der Jurist.

Die zwölf angeklagten Taten sollen nur die Spitze des Eisberges gewesen sein. Sie endeten mit der Beziehung der Mutter und des Angeklagten. Der Tatzeitraum erstreckte sich über eineinhalb Jahre. „Sehr lange für eine Elfjährige“, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe das Mädchen nicht bedroht, aber dazu gebracht, nicht über die Taten zu reden. Still habe es gelitten.

Lob für späteren Freund

Lob gab es vom Vorsitzenden für den späteren Freund, der sich wegen des ungewöhnlichen Verhaltens seiner Freundin an die nichts ahnende Mutter gewandt hatte. Umgehend wurde Anzeige erstattet.

Bei der ersten Tat war die Mutter im Krankenhaus. Später nutzte der Angeklagte die Momente aus, wenn die Mutter und die Geschwister des Opfers nicht anwesend waren. Tatorte waren die Wohnung, eine angemietete Garage, eine Gartenlaube, sogar auf einem Friedhof missbrauchte er das Kind.

Strafmildernd angerechnet wurde dem Mann, dass er die Taten im Prozess gestanden und so dem Opfer eine Aussage vor Gericht erspart hat. „Wir haben gesehen, dass er selbst Opfer war und eine schwierige, eine fürchterliche Kindheit hatte“, betonte Grebe. Um dem Missbrauch zu entfliehen, war der Angeklagte, der keinen Schulabschluss erreicht hat, als Kind in ein Heim geflüchtet. All das habe zu einer „Empathielosigkeit“ geführt. Durch Alkohol und Drogen sei er bei den Taten enthemmt, aber voll schuldfähig gewesen.

Einbezogen in das Urteil wurde eine Geldstrafe. Das verkündete Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 

wb

Rubriklistenbild: © dpa

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