Acht Monate zur Bewährung ausgesetzt

28-Jähriger bleibt auf freiem Fuß

Während er Respekt fordert, zeigt er keinen Respekt vor dem Gericht und den Opfern.Die Strafrichterin

Walsrode/Verden - Obwohl er noch keine Vorstrafe hatte, kassierte ein berufstätiger 28 Jahre alter Angeklagter aus Walsrode am dortigen Amtsgericht am 8. Mai 2018 wegen zweifacher vorsätzlicher Körperverletzung eine achtmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Sein respektloses Verhalten in dem Prozess war dabei entscheidend.

Im Berufungsverfahren am Landgericht Verden zeigte sich der Mann von einer anderen Seite, gestand seine Schuld ein und erklärte sich zur Zahlung von Schmerzensgeld bereit. Der Lohn für die Einsicht: Die acht Monate wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Die Tat hatte sich in den frühen Morgenstunden des 1. Mai 2017 in Walsrode ereignet. Beim Verlassen einer Diskothek wurden die beiden späteren Opfer, heute 20 und 21 Jahre alt, von einer Gruppe provoziert. Nach den Feststellungen des Amtsgerichts griffen die Türsteher ein und empfahlen dem Paar, zunächst drinnen zu warten, bis die Gruppe weg sei. Der spätere Geschädigte erhielt darüber hinaus den Rat, gar nicht auf die Ansprache zu reagieren.

Als das Paar kurz darauf zu Fuß den Heimweg antrat, wurde es in Höhe eines Küchenstudios von der Gruppe erneut gereizt.

Der Angeklagte hielt dem heute 20-Jährigen vor, dass er frech und seine Freundin ehrlos sei. Dann soll der 28-Jährige den 20-Jährigen angespuckt und der 21-Jährigen einen Faustschlag gegen das Schlüsselbein verpasst haben. Der Freund stellte sich daraufhin schützend vor die junge Frau. Der 20-Jährige soll im weiteren Verlauf auch zurückgeschlagen haben. Am Ende wurde er jedoch zu Boden gebracht und mehrere Personen traten auf ihn ein. Nach der Tat zog das Paar aus Walsrode weg.

„Wer nicht mit ihm rede, sei respektlos“, heißt es in dem Walsroder Urteil über den Angeklagten. Ein entsprechendes Verhalten habe dieser in der Hauptverhandlung gezeigt. Mit den Zeugen aus seinem Umfeld habe er während der Verhandlung herum gescherzt. „Während er Respekt fordert, zeigt er keinen Respekt vor dem Gericht und den Opfern“, stellte die Strafrichterin im Urteil fest.

Danach war dem Angeklagten das Lachen scheinbar vergangen. Noch auf dem Gerichtsflur soll er die Anwälte der Nebenkläger angesprochen haben, was man jetzt machen könne, berichtete Nebenklagevertreter Thomas Lasthaus in der Berufungsverhandlung. Er habe dem 28-Jährigen eine Entschuldigung empfohlen, ein angemessenes Schmerzensgeld und einen Verteidiger.

Der Mann befolgte alle Ratschläge. Mit Verteidiger Jakob Struif an seiner Seite hatte der Angeklagte leichtes Spiel beim Landgericht. Zumal auch die Opfer einer Strafaussetzung zur Bewährung keine Steine in den Weg legten. Ihnen ging es um eine ernstgemeinte Entschuldigung und Schmerzensgeld. Tragen muss der Angeklagte zudem die Kosten der Nebenklage, insgesamt rund 5 700 Euro, aber er bleibt auf freiem Fuß. Die Zahlung des Betrages ist Teil der Bewährungsauflage.  wb

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