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„Und wir backen auch das Osterbrot Paska“

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Leute auf Gartenstühlen im Halbrund.
Und mittendrin Großmutter Anastacia. Sie wird das Osterbrot backen, das Paska, das auch in Altenboitzen zubereitet wird. © Müller

Die ukrainischen Flüchtlinge wollen im Heidekreis traditionell feiern, aber sie haben noch etwas Zeit.

Altenboitzen – Plötzlich zucken sie alle zusammen, schauen zum Himmel, sehen ein Flugzeug den kleinen Ort Altenboitzen überqueren. Die Runde aus Frauen und kleinen Kindern mit Hund „Puschl“ und dem liebevollen Kater aus der Ukraine ist schlagartig ruhig geworden. Olena, die schon seit acht Jahren im Dorf lebt und auf Röttgers Hof eingeheiratet hat, klärt auf: „Der Krieg in ihrer Heimat lässt die Menschen auch hier noch jedes Mal aufhorchen, wenn sie Flugzeuge am Himmel sehen. Auch wenn es friedlich bleibt in diesem Land.“

Wir sind bei einem großen familiären Treffen mit vielen ukrainischen Flüchtlingen, die Altenboitzen in diesen Tagen und Wochen aufgenommen hat. In Bauernhäusern und Ferienwohnungen, die jetzt wieder ein neues Leben erhalten und in denen neue Geschichten geschrieben werden. Man hat sich getroffen, um Ostern vorzubereiten, das Fest, das Tania Panova als das wichtigste Fest im Jahr für ihre Heimat empfindet.

Osterkorb mit bunten Eiern.
Den traditionellen Osterkorb gibt es schon. © Müller

„Meine 87-jährige Mutter plant, das leckere Osterbrot unserer Heimat zu backen. Wir werden am 23. April alles vorbereiten, es hübsch zu Hause machen, Eier bemalen, und dann ganz still auf den „Großen Tag“ warten,“ sagt sie. Und am Sonntag wollen sie in großer gemeinsamer Runde im fernen Land ihre Köstlichkeiten vernaschen, werden versuchen, kurz einmal in den normalen Alltag zurückzukehren. „Aber unsere Heimat ist in unseren Herzen. Wir hoffen, dass es bald Frieden gibt und dass wir bald nach Hause zurückkehren können. Auch wenn die Gastfreundlichkeit in Deutschland so riesig ist.“

Die kleinen Kinder haben es gut in Altenboitzen. Sie können auf weiten Rasenflächen toben, spielen mit Hund und Katz‘, sind so weit weg vom schrecklichen Geschehen.

Kovel – und daher kommen die meisten in Altenboitzen – ist unruhig. „Ich hoffe, dass es bei uns nicht auch noch losgeht.“ Ganz anders der Ort Sumy hart an der russischen Grenze, durch den sich der russische Konvoi von Panzern und Soldaten quälte, aber alles stehen ließ. „Meine Eltern haben sich versteckt, bis auf zwei Explosionen vor dem Dorf ist bisher nichts passiert.“ Aber nun ist die Telefonverbindung abgerissen. Keiner kann sagen, was noch passieren wird.

Michael Haacke stößt mit seinem Polar-Husky zur Gruppe hinzu, freut sich über die große Schar an ukrainischen Freunden. Erzählt, dass das Feuerwehrfahrzeug, das ein Mann aus Sprengel bei Schneverdingen gespendet hat, gut in der 70 000-Einwohner-Stadt angekommen ist.

Und man freut sich sichtlich auf das Fest, auch wenn die Kirche den Ukrainern fehlen wird. „Aber sie gibt uns viel Kraft. Wir brauchen sie so sehr.“ Es ist ein guter Abend deutsch-ukrainischer Freundschaft geworden, nettes Geplauder, auch wenn man sich nicht immer verständigen kann. Was aber Zeichensprache ausmacht, ist schon unglaublich. Man ist eine große Gemeinschaft. Ostern kann kommen, auch für die Menschen, die aus ihrer Heimat über Nacht flüchten mussten.

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