Diskussionsrunde zum Thema Fracking

Trinkwasserschutz kommt vor Profit

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Godehard Hennies vom Wasserverbandstag schilderte die Bedenken der Trinkwasserunternehmen. Im Hintergrund Gudrun Pieper, Martin Hack und Axel Miesner. ·

Walsrode - BOMLITZ · Beim Fracking werden bei der Erdöl-/Erdgas-Exploration große Mengen Wasser und Bohrzusätze mit Druck in Gesteinsformationen zwischen 1000 und 5000 Metern Tiefe gepresst. Damit soll das Gestein aufgebrochen werden, damit eingelagertes Gas entweichen kann. Experten warnen, dass bei dieser Methode Gefahren für das Grund- beziehungsweise Trinkwaser entstehen.

Auf einer Informationsveranstaltung der Bomlitzer CDU waren sich Fachleute, Umweltschützer und Politiker einig, dass Trinkwasserschutz vor wirtschaftlichem Profit kommen muss. Zahlreiche Vertreter der Trinkwasserwirtschaft und ihres Dachverbandes, Vertreter von Bürgerinitiativen aus dem Nachbarkreis Rotenburg sowie die CDU-Landtagsabgeordneten Gudrun Pieper und Axel Miesner, energiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, diskutierten sachlich und kompetent.

Nach Aussagen von Diplom-Ingenieur Carsten Hauschild von der Bürgerinitiative „No-Fracking Völkersen“ geht die Gefahr für die Trinkwassergewinnung von zwei Punkten aus. Schon bei normalen Erdgasbohrungen entstehe kontaminiertes Lagerstättenwasser. Dies geschehe durch natürlich im Erdinnern vorkommende Benzole. Beim Fracking würden schon der Bohrflüssigkeit und dem Presswasser chemische Substanzen und toxische Stoffe zugesetzt. Das kontaminierte Lagerstättenwasser werde aufgefangen und an anderer Stelle wieder in gut 1000 Metern Tiefe im Erdboden verpresst.

Diese Verpressungen unterliegen nach bisherigem Bergbaurecht keiner genauen Kontrolle. Niemand, so die Befürchtung der Bürgerinitiativen, wisse, was in der Tiefe passiere. Die Erdschichten könnten sich verschieben und zum Bespiel den Weg für die Giftstoffe in unterirdische Trinkwasserreservoirs freimachen.

Im südlichen Heidekreis und insbesondere im angrenzenden Kreis Rotenburg befinden sich zahlreiche Wassergewinnungsgebiete, ringsum Erdgasbohr- und Verpressstellen. Eine gibt es bei Fulde, in der Nähe von Walsrode. Die Vertreter der Trinkwasserwirtschaft, darunter der Chef des Trinkwasserverbandes im südlichen Heidekreis, Martin Hack, Walsrode, sehen zurzeit keine Gefahren für das heimische Trinkwasser, haben aber auch keine Vorstellung, was im Erdreich in ferner Zukunft mit den eingeleiteten Giftstoffen geschehen kann.

Da Niedersachsen eines der wichtigsten Förderländer in der Bundesrepublik sei, so Miesner, müssten die bergbaurechtlichen Bestimmungen verschärft und präzisiert werden. Die CDU-Fraktion habe ein Positionspapier erarbeitet, dessen Forderungen in den Gesetzgebungsgang einfließen sollen. Wichtigste Forderungen seien eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung, ein Planfeststellungsverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit und keine Bohrungen oder Fracking in und in unmittelbarer Nähe von Wasserschutzgebieten. Ferner sei die Industrie in der Pflicht, umweltverträgliche Verfahren zu entwickeln. · hf

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