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Heidemuseum: „Spinnen und Weben“ in früherer Zeit

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Von: Klaus Müller

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Zwei Frauen mit Wolle, einer Spindel, einem Spinnrad und im Hintergrund Bilder zum Thema Spinnen.
Museumsleiterin Monika Seidel (l.) und Christiane Eifler von der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft stellen das alte Handwerk des Spinnens live vor. © Müller

Die Stadt Walsrode hat im Heidemuseum Rischmannshof die Sonderausstellung „Spinnen und Weben“ eröffnet. Außergewöhnlichstes Exponat ist eine historische Spinnwirtel, die auf einem Kartoffelacker am Graesbecker Weg gefunden wurde.

Walsrode – 94 Jahre ist Alida Lillie aus Walsrode alt und noch fit. Am Mittwochmorgen plauderte sie mit Kulturinteressierten im Obergeschoss des Heidemuseums. Die Zuhörerinnen waren sehr interessiert, als sie über eines ihrer größten Hobbys, die Arbeit mit Spinnrädern, berichtete.

Gemeinsam mit Stadtarchivar Thorsten Neubert-Preine und Museumsleiterin Monika Seidel wurde eine Sonderausstellung rund um das alte Handwerk eröffnet. Hier sind natürlich Spinnräder zu sehen, aber auch eine kleine archäologische Sensation: Der Walsroder Robert Sander hatte auf einem Kartoffelacker am Graesbecker Weg einen kleinen, merkwürdigen Stein entdeckt und Jahre später dem Museum zur Verfügung gestellt. Die Archäologische Arbeitsgemeinschaft und die Experten bekamen heraus, dass es sich um einen sogenannten Spinnwirtel aus uralter Zeit handelt. Ein Gerät zum Verspinnen von Garn oder Flachs, das wertvolle Dienste leistete.

Rund um diesen historischen Spinnwirtel berichtet die Ausstellung, die unter dem Titel „Vom Spinnen und Weben“ steht, in Wort und Bild über das uralte Handwerk.

„Es hat mir immer Spaß gemacht“, sagte Alida Lillie, die schon als Kind am Webstuhl gesessen hatte. Und Christiane Eichler von den Archäologen zeigte live, wie gesponnen wird. „Wasser musst du immer bei dir haben“, erzählte Monika Seidel, die sich spontan an den Webstuhl setzte und – ganz vorsichtig –die ersten Fäden spann.

Stadtarchivar Thorsten Neubert-Preine hatte zuletzt intensiv an diesem Thema gearbeitet. Er berichtete am Mittwoch über das alte Handwerk.

Das Herzstück der Ausstellung ist der Spinnwirtel (Wirtelstein) mit außergewöhnlicher Verzierung. Es handelt sich um ein Schwunggewicht für eine Handspindel, mit der Fasern zu Garn versponnen wurden. Die ältesten bekannten Wirtelsteine stammen aus dem 6. Jahrtausend vor Christus. Handspindeln und damit auch Spinnwirtel waren bis weit ins Mittelalter gebräuchlich und wurden erst ab dem 13. Jahrhundert durch die aufkommenden Spinnräder verdrängt.

Robert Sander aus Berlin kam als Flüchtlingskind nach dem Zweiten Weltkrieg nach Walsrode. Vor etwa 70 Jahren befand er sich für eine Kartoffelnachlese auf einem Feld am Graesbecker Weg. Zunächst glaubte er, eine kleine Kartoffel gefunden zu haben, bis er das Objekt vom Dreck befreite und die interessante Form und Verzierung sah. Er wusste zwar nicht, was es war, nahm aber seine Trophäe mit nach Hause und bewahrte sie als schönes Erinnerstück aus seiner Kindheit auf. Allerdings hat er immer vermutet, dass es sich um eine archäologische Besonderheit handelt. Kurz vor seinem 80. Geburtstag sorgte Robert Sander dafür, dass der Spinnwirtel nach Walsrode kam und fachlich untersucht werden konnte.

Die Kreisarchäologie legte verschiedenen Fachleuten Detailbilder des Wirtelsteins vor, die ihn interessant und schön fanden, aber sich mit der Einschätzung der Entstehungszeit schwer taten. Von der Jungsteinzeit, über die späte Römische Kaiserzeit bis hin zum Frühmittelalter reichten die Vermutungen, da keine Beifunde bekannt waren, die eine genauere Datierung ermöglicht hätten. Allerdings war eine derartige Bearbeitung aus grauer Keramik, die asymmetrisch-doppelkonisch geformt ist, im Frühmittelalter durchaus verbreitet, auch wenn das eine vorgeschichtliche Einordnung nicht ausschließt. Die Verzierung mit vier strahlenden Rauten ist außergewöhnlich und bislang in der Forschung völlig unbekannt.

In der Ausstellung sind einige Gerätschaften zu sehen, die auf diese frühe Phase des Spinnens und Webens folgten. Zu den Exponaten gehören des Weiteren ein altes Hechelbrett zum Auskämmen von Verunreinigungen im Spinngut, eine Drehhaspel für die Aufbereitung des Garns zu Bünden, ein Webschwert, alte Stoffe und zum Abmessen derselben alte Tuchellen, die unter anderem die Hannoversche Elle ausweisen. So wird in der Sonderausstellung ein Bogen vom Spinnen der geschorenen Wolle beziehungsweise der geernteten Flachsfasern bis zum Verweben des Garns zu Stoffen gezogen.  

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