Gelungene Kooperation von Heidekreis und Medizinischer Hochschule / Studenten berichten

Vom Klinik-Kosmos in die Landarzt-Praxis

Die drei Medizinstudenten und ihre Gastgeber (v.l.): Dr. Claudia Hölzenbein und Johannes Teller; Dr. Peter Rebhan, Johannes König und Dr. Fabian Riekenberg sowie Maximilian Brandes und Dr. Wulf Wöhler.
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Die drei Medizinstudenten und ihre Gastgeber (v.l.): Dr. Claudia Hölzenbein und Johannes Teller; Dr. Peter Rebhan, Johannes König und Dr. Fabian Riekenberg sowie Maximilian Brandes und Dr. Wulf Wöhler.

Heidekreis – „Landärztinnen und -ärzte werden knapp“, schreibt die Kreisverwaltung in einer Pressemitteilung. Zwar sei die Versorgung im Heidekreis noch gut, es gelte jedoch, für die Zukunft vorzusorgen und den Medizinernachwuchs zu motivieren, auf dem Lande eine Praxis zu eröffnen.

Der Heidekreis habe dazu ein umfangreiches Förderprogramm aufgelegt. Ein Baustein ist das Projekt „Landpartie Heidekreis“, das jungen Studentinnen und Studenten der Humanmedizin das Landarztleben näher bringen soll.

Studentinnen und Studenten aus Hannover kommen im Rahmen eines 14-tägigen Blockpraktikums in den Heidekreis, lernen die Tätigkeit in einer Hausarztpraxis auf dem Land und den Landkreis selbst kennen. Engagierte Hausärzte begleiten sie dabei. Das Kooperationsprojekt „Landpartie Heidekreis“ mit der Medizinischen Hochschule Hannover und den akademischen Lehrpraxen im Landkreis wird seit einigen Jahren erfolgreich durchgeführt.

Maximilian Brandes, Johannes König und Johannes Teller absolvierten jetzt ihre Praktika in den Praxen von Dr. Wulf Wöhler aus Schneverdingen, Dr. Peter Rebhan und Dr. Fabian Riekenberg und Dr. Claudia Hölzenbein aus Soltau. Anschließend gaben die drei Antworten auf vielgestellte Fragen:

Wie sind darauf gekommen, an der Landpartie teilzunehmen?

Brandes: Die Landpartie erschien als guter Ausblick auf eine ländliche Niederlassung, die ich mir für mein Berufsleben auch vorstellen könnte. König: Mich hat es überzeugt, für ein Praktikum unseren Uniklinik-Kosmos verlassen zu können, zumal es schlussendlich wirklich bereichernd war, die Patientinnen und Patienten mit ihrem großen Spektrum an Konsultationen relativ ungefiltert erleben zu können. Teller: Ich habe mich über Kommilitoninnen und Kommilitonen und gute Berichte informiert und wollte die gute Möglichkeit, Medizin auf dem Land kennenzulernen, nutzen.

Haben Sie sich bewusst für den Heidekreis entschieden?

Teller: Leider gab es keine Auswahl mehr, da wir aufgrund eines Fehlers des Studiendekanats verspätet eingeteilt wurden, rückblickend haben wir aber alles richtig gemacht.

Was hat Sie überrascht?

Brandes: Das sehr persönliche Verhältnis zwischen Ärztin/Arzt und Patientin/Patient, die sich teilweise bereits seit Jahrzehnten kannten und häufig sogar per du miteinander umgegangen sind. König: Ehrlicherweise wurden meine Erwartungen bestätigt. Teller: Ich hatte schon eine besondere Stellung des Arztes/der Ärztin im Ort erwartet und auch, dass die Bedeutung viel größer ist als in der Stadt, aber diese wurde noch mal übertroffen. Auch die Vernetzung im Dorf, allein wie schnell es sich rumgesprochen hatte, dass wir Medizinstudenten da sind, hat mich doch überrascht. Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass wir sehr herzlich aufgenommen wurden und auch die Organisation top war. Überraschend war auch, dass mehr Patientinnen und Patienten in die Praxis gekommen sind als in dem letzten Zeitraum des Lockdowns, da damals ja viele ihren Termin absagten. Die immer noch vorhandenen, nicht ganz klaren Aussagen und Regelungen für den Umgang mit der Corona-Pandemie haben mich verwundert.

Was hat Ihnen Freude gemacht?

Brandes: Das große Vertrauensverhältnis, das spürbar zwischen Patientin und Patient und Ärztin und Arzt herrschte. König: Ich war erfreut zu sehen, dass es auch eine Medizin gibt, die weit persönlicher sein kann als zumeist erlebt. Teller: Die gesamte Zeit war wirklich spannend, da es eine andere Welt war und man ganz andere und auch neue Einblicke in die Medizin bekam. Auch die Motivation, uns sehr unterschiedliche Orte, Pflegeheim, Hausbesuche, Hospiz und so weiter, zu zeigen, war sehr gut. Die Arbeit in der Allgemeinmedizin in allen Facetten kennengelernt zu haben, habe ich als sehr gewinnbringend erlebt.

Was haben Sie gelernt oder erfahren?

Brandes: Hauptsächlich die Kommunikation und Vermittlung, die bei der hausärztlichen Versorgung so wichtig ist. König: Die beiden Ärzte – Dr. Rebhan und Dr. Riekenberg– konnten tatsächlich einiges an Verfahrensweisen und Erfahrungswerten zum Besten geben. Da sind Lehrbücher klar im Nachteil. Teller: Ich habe eine sehr empathische und weitreichende Arzt-Patient-Beziehung erlebt und eine gut strukturierte Praxisarbeit mit allen Vor- und Nachteilen der Selbstständigkeit kennengelernt. Die Arbeit während einer Pandemie in einer Praxis und die Erkenntnis, welche Bedeutung ein Arzt/eine Ärztin auf dem Land hat und wie eng alles vernetzt ist, waren schon etwas Besonderes.

Wie haben die Patientinnen und Patienten auf Sie reagiert?

Brandes: Insgesamt sehr freundlich und offen, meist sogar erfreut darüber, dass junge Studierende sich in ihrem Landkreis weiterbilden. König: Ausnahmslos positiv bis neutral. Ablehnung habe ich nicht zu spüren bekommen. Teller: Es haben zum überwältigenden Teil alle sehr positiv reagiert und sich gefreut, dass junge Medizinstudierende in ihren Landkreis kommen und die Hoffnung geäußert, dass man doch später dort auch arbeiten solle.

Würden Sie die „Landpartie Heidekreis“ weiter empfehlen?

Brandes: Auf jeden Fall. Studium und Lehre außerhalb der heimischen Wohlfühlzone zu genießen, lohnt sich immer. Zudem ist das Verhältnis auch zu anderen beteiligten Lehrpraxen sehr gut gewesen, sodass wir richtig eingegliedert waren. So war die Landpartie eine gute Mischung aus Praxis und zweiwöchigem Ausflug. König: Definitiv. Teller: Ich würde die „Landpartie Heidekreis“ auf jeden Fall weiterempfehlen, da es ein sehr spannender und abwechslungsreicher Einblick ist. Man lernt noch mal eine ganz andere Art der Medizin kennen. Auch das Engagement und die Motivation der Lehrärztinnen und Lehrärzte sind wirklich herausragend. Wir haben uns sehr wohl gefühlt.

Die drei Medizinstudenten und ihre Gastgeber (v.l.): Dr. Claudia Hölzenbein und Johannes Teller; Dr. Peter Rebhan, Johannes König und Dr. Fabian Riekenberg sowie Maximilian Brandes und Dr. Wulf Wöhler.
Die drei Medizinstudenten und ihre Gastgeber (v.l.): Dr. Claudia Hölzenbein und Johannes Teller; Dr. Peter Rebhan, Johannes König und Dr. Fabian Riekenberg sowie Maximilian Brandes und Dr. Wulf Wöhler.

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