Polizeiinspektion Heidekreis präsentiert das Verkehrslagebild für das Jahr 2015

Sengel: „20 Tote sind zuviel“

Stefan Sengel, Michael Wranietz, zuständig für die Aufbereitung der Zahlen, und Detlev Maske (v.l.). - Foto: Elling

Soltau - 2015 sind 20 Menschen bei Verkehrsunfällen im Heidekreis ums Leben gekommen. Das habe vielleicht auch mit Glück, Pech und Schicksal zu tun, sagte Polizeidirektor Stefan Sengel, Leiter der Polizeiinspektion Heidekreis, beim Pressegespräch zum Verkehrslagebild. „Aber es sind zu viele.“

Polizeihauptkommissar Detlev Maske präsentierte die Daten und Fakten. Insgesamt habe es 2015 5 068 Verkehrsunfälle im Heidekreis gegeben. Das seien allerdings nur die polizeilich registrierten. 2014 seien es 5 167 und 2013 4 870 Unfälle gewesen. Die Gesamtzahl sei zwar um 100 gesunken, so Maske. Allerdings habe es im Drei-Jahres-Vergleich mehr Unfälle mit Personenschaden gegeben. Während 2013 833 Personen leicht verletzt wurden, waren es 2014 941 und 2015 953. Schwerverletzte gab es 2013 125, 2014 waren es 159 und 2015 146. Getötet wurden 2013 elf, 2014 14 und 2015 20 Menschen. „Wir liegen im Landestrend“, so Maske.

Parallelen ließen sich bei den Unfällen im Kreis nur schwer finden. Baustellen auf den Autobahnen spiegelten sich im Geschehen wider. So habe es 2014 1 337 Unfälle dort gegeben, 2015 seien es 1 163 gewesen. Ab Sommer seien auf der A 7 wieder Baumaßnahmen geplant. „Ich hoffe, dass sich diese nicht in der Statistik 2016 wiederfinden.“ 2015 seien drei Menschen auf den Autobahnen getötet worden, im Vorjahr vier.

Die vermeintliche Risikogruppe der 18- bis 24-jährigen Verkehrsteilnehmer sei relativ glimpflich davongekommen, sagte Maske. Sie seien 2015 an 1 043 Unfällen beteiligt gewesen, im Jahr davor waren es 1 111 gewesen. Getötet wurden zwei Personen, schwer verletzt 20 und leicht verletzt 183. 159 der Unfallbeteiligten waren mit dem Auto unterwegs, 16 mit dem Fahrrad und zehn mit Motorrädern über 125 Kubikzentimetern.

Sie hätten jedoch eine erhöhte Anzahl Älterer, nämlich 978, erfasst, die in Unfälle verwickelt waren, erklärte Maske. Sechs der über 65-Jährigen starben, 24 wurden schwer und 103 leicht verletzt. 2014 hatte es in dieser Altersgruppe vier Tote, 29 schwer und 73 leicht Verletzte gegeben. Von den 978 seien 634 Verursacher. Hier seien allerdings auch Parkplatzrempler berücksichtigt. Die meisten Senioren seien mit dem Auto unterwegs gewesen, viele mit dem Fahrrad, einige zu Fuß oder mit dem Motorroller.

Sengel: „Da entwickelt sich etwas.“ Als Grund für die größeren Zahlen nimmt er die wachsende Mobilität im höheren Alter an. Er wisse, dass es schwer für die Betroffenen sei, sich einzugestehen, dass etwas nicht mehr so klappt. Dazu komme eine geringe Akzeptanz für elektronische Helfer in Autos, zum Beispiel Rückfahr-Kameras oder Automatik-Getriebe. „Es ist schade, dass die Optionen nicht genutzt werden“, sagte Sengel. Sei die Einsicht da, ließen sich Defizite häufig durch Training beseitigen, sagte Maske. Sengel ergänzte, dass es Sinn machen könne, Höchstgeschwindigkeiten festzulegen und Bereiche vorzuschreiben, in denen sich der Senior mit dem Auto bewegen dürfe.

82 Kinder (2014 90), davon 53 als Autoinsassen und 19 als Radfahrer, seien 2015 an Verkehrsunfällen beteiligt gewesen, sagte Maske. Getötet wurde kein Kind. Schwer verletzt wurden sieben und leicht verletzt 75.

Die Aufklärungsquote von 43,18 Prozent bei Verkehrsunfallfluchten bleibe in etwa gleich, so Maske. Von 1019 Fällen seien 440 aufgeklärt worden. Bei Personenschäden liege die Quote bei über 67 Prozent.

Hauptursachen für die Unfälle seien meist zu höhe Geschwindigkeit (323 Fälle) und zu geringer Abstand (316) , erklärte Maske. „Der Hauptgrund ist jedoch mangelnde Aufmerksamkeit“, sagte Maske. Statistisch sei das schlecht zu erfassen. 747 Unfälle sei wegen „anderer Fehler“ der Autofahrer passiert. Wenn nur bei der Hälfte Unaufmerksamkeit die Ursache gewesen sei, dann liege dieser Grund noch über der erhöhten Geschwindigkeit. Es werde im Auto zuviel mit Handys und Navis hantiert. Tauche eine Nachricht im Sperrbildschirm auf, machten sich viele keine großen Gedanken und schauten drauf. In einer Sekunde lege ein Auto bei Tempo 100 aber 33 Meter zurück. Sengel bezeichnete die Dinge, die Fahrer wie selbstverständlich nebenbei machen, als „großes Dunkelfeld“. Er wünsche sich Unfalldatenschreiber. „Das hätte einen großen Lerneffekt.“ Und Verstöße müssten teurer werden.

1343 Wildunfälle ereigneten sich 2015 im Heidekreis, ein Rückgang um 45 im Vergleich zu 2014. 16 Mal wurden Personen verletzt. Maske appellierte, niemals ein Ausweichmanöver zu starten, um nicht von der Fahrbahn abzukommen. Sengel sagte, dass Jägerschaft und Polizei sehr eng zusammenarbeiteten und sich einig seien.

Baumunfälle wurden 2015 149, 2014 136 und 2013 148 registriert. Sechs Personen wurden getötet, 27 schwer und 72 leicht verletzt. - sal

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