Ältere als neue Risikogruppe

Polizei präsentiert Verkehrslagebild 2016 für den Heidekreis

Michael Wranietz, Detlev Maske und Stefan Sengel auf dem Hof der Polizeiinspektion in Soltau (v.l.). - Foto: Elling

Soltau - Einen historischen Höchststand gab es 2016 bei der Zahl der Verkehrsunfälle im Heidekreis. Das gaben Stefan Sengel, Leiter der Polizeiinspektion Heidekreis, Detlev Maske und Michael Wranietz, Mitarbeiter im Sachgebiet Verkehr, am Freitag bei einem Pressegespräch in Soltau bekannt.

Im Jahr 2016 hatten sich 5589 Unfälle ereignet, im Vorjahr waren es 5068 gewesen. Das sei eine Steigerung von immerhin zehn Prozent, sagte Sengel. „Das gefällt mir nicht. Da muss man sich fragen: Wo geht das hin?“

Zahl schwerer Personenschäden leicht rückläufig

Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden sei von 775 auf 806 angestiegen, berichtete Maske. Dafür habe es weniger Unfälle mit schwerem Personenschaden gegeben, diesmal 137 statt 151. Bei einem schweren Personenschaden verbringt der Betroffene mindestens 24 Stunden im Krankenhaus oder lebt nicht mehr.

1007 Menschen seien im vergangenen Jahr leicht, 141 schwer verletzt worden. Die Zahl der Getöteten sei mit 20 gleich geblieben. „Das sind zu viele“, sagte Sengel. Er sprach von Glück, dass die Zahl von 25 im Jahr 2012 nicht erreicht worden sei. Die Getöteten hätten alle allein im Auto gesessen.

Sechs der Unfälle hätten sich auf Kreisstraßen, je fünf auf Bundesstraßen und Bundesautobahnen, drei auf Landesstraßen und einer auf einer Gemeindestraße ereignet, fuhr Maske fort. Hauptursache sei nicht angepasste beziehungsweise überhöhte Geschwindigkeit gewesen.

Risikofaktor Handy

Sengel ergänzte, dass Unaufmerksamkeit sicherlich bei vielen Unfällen eine Rolle gespielt haben dürfte. Sie schauten diesbezüglich genau hin. So habe in einem Fall im Auto das Handy mit einer halb geschriebenen SMS gelegen. Dazu kämen die Faktoren Geschwindigkeit und Abstand.

Auf einer Übersichtskarte seien die Unfälle mit Toten und Schwerverletzten weit gestreut, erläuterte er. Lediglich im Südkreis, im Baustellenbereich bei Schwarmstedt, sei ein Schwerpunkt erkennbar.

Sengel sprach sich dafür aus, das Entdeckungsrisiko und die Bußgelder zu erhöhen. Eine weitere Möglichkeit, das Verhalten der Autofahrer zu ändern, sieht der Polizeidirektor in Unfalldatenschreibern. „Wenn nicht über's Geld, ist das Problem mittel- bis langfristig nicht in den Griff zu kriegen.“ Auch ein Monat Fahrverbot bei Handyverstößen würde sicherlich helfen. In anderen Ländern mit drastischeren Strafen steige nämlich die Akzeptanz von Regeln.

Polizei regt Auflagen für Senioren an

Von den 20 Getöteten im Heidekreis seien zehn im Auto unterwegs gewesen, fünf mit Lkws, zwei als Fußgänger und je einer mit Roller, Motorrad und Pedelec, berichtete Maske.

Zwei von ihnen seien zwischen 18 und 24 Jahre alt, einer zwischen 35 und 44 Jahren, sechs zwischen 45 und 54 Jahren, elf über 65 Jahren alt gewesen. Die erste zahlenmäßige Spitze finde sich bei der demografisch mobilsten Personengruppe, so Maske. Aber die über 65-Jährigen könnten durchaus als neue Risikogruppe bezeichnet werden. „Die Alten sind die neuen Jungen, obwohl die Alten es gerne andersrum hätten.“ Vier der Getöteten seien zwischen 75 und 84 Jahren alt gewesen und zwei über 85.

Die Zahl der an Verkehrsunfällen beteiligten Senioren sei von 979 in 2015 auf 1011 in 2016 gestiegen, berichtete Maske. Das sei ein Zuwachs um 3,3 Prozent. Elf seien getötet worden (2015 6), 33 schwer verletzt (24) und 122 leicht verletzt (103). „In 680 Fällen waren Senioren auch die Verursacher“, sagte Maske. Das entspreche 67,26 Prozent. 119 der Älteren seien mit dem Auto unterwegs gewesen, 28 mit dem Fahrrad, sieben als Fußgänger und je zwei mit Roller, Motorrad oder anderweitig.

Sengel sprach sich dafür aus, die eine oder andere Auflage für Senioren einzuführen. „Man könnte mit Beschränkungen arbeiten.“ Als Beispiel nannt er eine Automatik-Pflicht oder eine Höchstgeschwindigkeit – je nach Einzelfall. Maske ergänzte, dass so etwas eine Frage der Zeit sei. Und Sengel sagte, dass er sich auch ein Auto speziell für Senioren vorstellen könne.

sal

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