Schätzungsausschuss prüft die Qualität von Äckern und Wiesen im Heidekreis: Die besten gibts im Leinetal

Mit Zunge und Fingerspitzen auf den Acker

Eine Frau steht mit einigen Männern auf deinem Acker und begutachtet eine Stange.
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Alwine Floren-Kosloswki wertet mit dem Schätzungsausschuss auf einem Maisacker bei Schülern aus, was der Bohrstock zutage gefördert hat.

Heidekreis/Schülern – „Bodenschätzung – was ist das?“ Diese Frage stellten sich nicht nur die Pressevertreter, die sich auf dem Acker in der Gemarkung Schülern getroffen hatten. Mit diesen Worten leitete auch der scheidende Vorsteher des Finanzamts Soltau, Jörg Zimmermann, das Treffen ein, zu dem er sie eingeladen hatte. Auf der landwirtschaftlichen Fläche, die vor über 40 Jahren schon einmal auf ihren Bodenwert geprüft worden war, erfuhren die Zeitungsleute von dem dort ungewohnten Gastgeber unerwartet viel über die Böden des Heidekreises.

Man habe schon länger die Absicht gehabt, auch diesen Aufgabenbereich des Finanzamts, eben die Bodenschätzung und ihre Bedeutung für die Besteuerung in der Landwirtschaft den Heidjern nahe zu bringen, sagt Zimmermann. Dazu erläutert die amtliche landwirtschaftliche Sachverständige, Agraringenieurin Alwine Floren–Kosloswki aus Fallingbostel, die Grundzüge des Verfahrens.

Bodenqualität und Steuern

Seit mehr als 85 Jahren gehört die Bodenschätzung zum Steuergesetz in der Bundesrepublik Deutschland. In all diesen Jahren seit 1935 werde sie auf allen landwirtschaftlichen Feldern und Wiesen von den Schätzungsausschüssen der Finanzämter durchgeführt. Dabei werde die Ertragsfähigkeit aller landwirtschaftlichen Flächen anhand der Bodenarten, ihres Aufbaus, Entstehung mit Klimaverhältnissen und natürlichen Gegebenheiten wie Wasservorkommen und Gelände ermittelt.

Der Schätzungsausschuss des Finanzamtes Soltau besteht aus der amtlichen Sachverständigen, zwei ehrenamtlichen Landwirten (Ludwig Stegen aus Meinholz und Henning Brandt aus Fulde), zwei Probenehmern und dem Vermessungstechniker des Katasteramtes, Friedhelm Renken. Dieser Schätzungs-Trupp stapft über die Felder und nimmt alle 50 Meter eine Probe, mindestens vier je Hektar, und wenn die Qualität stark wechselt auch mehr. Für eine solche Probe wird eine Lanze aus Metall mit einer Hohlrille, der „Bohrstock“, einen Meter tief ins Erdreich eingeschlagen und anschließend herausgedreht. Das dabei in der Rille zu Tage beförderte Bohrprofil zu beurteilen, ist dann Aufgabe der Landwirte und Sachverständigen. „Sie machen das mit der Fingerprobe und der Inaugenscheinnahme des Profils“, erfuhren die Teilnehmer.

Der Boden wird abgeschmeckt

Die Fachleute prüfen, ob der Boden als Sand durch die Finger rieselt, ob eine Wurst aus Ton gerollt oder der Lösslehm wie Mehl zwischen den Fingern zerrieben werden kann. Der Boden wird abgeschmeckt – manchmal auch mit der Zunge. Bei jeder Probe vergleichen die Schätzer die aktuelle Probe mit den 15 analysierten und festgelegten Musterstücken des Heidekreises. Mit der Erfahrung der Schätzer und einem ständigen Eichvorgang anhand der Musterstücke ermittelt der Schätzungsausschuss schließlich die Abstufungen.

Das Bundesmusterstück aus der Magdburger Börde

Neun Bodenarten werden ertastet und dann vergeben die Prüfer die Bodenpunkte zwischen sieben und 100 für Ackerland. Die sieben Bodenpunkte für einen reinen Sandboden ohne Humus oder Krumenschicht haben die Schätzer im Heidekreis noch nie vergeben. Auch die 100 Bodenpunkte für den perfekten Lösslehm wie in der Magdeburger oder Hildesheimer Börde haben sie im Kreisgebiet noch nie gefunden. In der Magdeburger Börde, Gemarkung Eickendorf, liegt ein solches Bundesmusterstück mit 100 Bodenpunkten.

Die Ergebnisse des Ausschusses werden dann Grundlage für verschiedene Steuerarten, wie etwa die Grundsteuer oder Einkommensteuer. Aber auch außerhalb der Finanzverwaltung wird in Niedersachsen die Bodenschätzung intensiv von der Flurbereinigungsbehörde für die Tausch- und Kaufwerte, dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Ingenieurbüros, für Kauf- oder Pachtpreise und von den Landwirten für die Präzisionslandwirtschaft genutzt.

Erste Schätzung vor 85 Jahren

In Schülern wurde die erste Bodenschätzung 1935 durchgeführt. In bestimmten Abständen wird überprüft, ob sich der Wert durch natürliche Ereignisse oder menschliches Eingreifen verbessert oder verschlechtert hat. In den gut 85 Jahren seit der ersten Analyse habe sich der Wert des Bodens in der Lüneburger Heide durch Auffahren von Erde, Tiefpflügen oder durch die gute organische Düngung der landwirtschaftlichen Flächen verbessert, berichteten die Ausschussmitglieder. Es könne sich aber auch eine Verringerung der Bodenpunkte durch Vernässung der Flächen, meist bei Grünland, ergeben. Im Turnus von ungefähr 40 Jahren prüft der Soltauer Schätzungsausschuss das auf den landwirtschaftlichen Flächen nach.

Zurzeit nehmen sich die Fachleute die Felder mit niedrigen Getreidebestand oder noch nicht bestellte Flurstücke vor. Im Herbst werden die Schätzer die restlichen freien Flächen prüfen. Nach Abschluss ihrer Prüfungen erhalten die Eigentümer und Nutzungsberechtigten der Grundstücke die Gelegenheit bei der Offenlegung, die Schätzungsunterlagen einzusehen und Zweifelsfragen zu klären. Gegen die Ergebnisse der Nachschätzung steht den Eigentümern der Einspruch nach den Vorschriften der Abgabenordnung zu. Den Zeitraum dieser Offenlegung gibt der Ausschuss rechtzeitig in der örtlichen Zeitung bekannt.

Zwei Drittel aller Flächen müssen neu eingestuft werden

Im Heidekreis wird zurzeit eine Fläche von 69 000 Hektar landwirtschaftlich genutzt. In der Gemarkung Schülern sind 825 von 1032 Hektar in landwirtschaftlicher Nutzung. Der Schätzungsausschuss wird nach heutigem Stand zwei Drittel der landwirtschaftlichen. Flächen prüfen und neu einstufen. Im Heidekreis hat er bisher Qualitäten zwischen zehn und 95 Bodenpunkte ermittelt: Nur zehn Bodenpunkte hat er auf gerade kultivieren ehemaligen Waldflächen gefunden. In der Leinemarsch bei Schwarmstedt fand er 2006 aber auch schon Flächen mit 95 Bodenpunkten. Diese Bandbreite spiegelt die Vielfältigkeit der Bodenarten im Kreisgebiet wider und hat mit der unterschiedlichen Entstehung der Böden zu tun. Im südlichen Bereich von Schwarmstedt und Rethem prägen Aller und Leine die Struktur und im nördlichen Bereich haben die Eisschollen der Eiszeit die Böden ausgebildet.

„Wir arbeiten zwar an der frischen Luft, aber die Vorgaben durch diese Pandemie wurden und werden natürlich befolgt“, merkte Alwine Floren-Koslowski an.  mü

Auch Gegebenheiten des Geländes spielen eine Rolle.
Die Erdschichten im Blick.

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