Vierte Flüchtlingskonferenz

Mehr Unterstützung und weniger Bürokratie gefordert

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Gabriele Heinen-Kljajic, Christian Wüstenberg, Bernd Oetzmann, Ulrich Watermann, Lars Klingbeil und Dr. Hans-Peter Ludewig (von links, bitte vergrößern).

Soltau - „Die Lebenssituation unbegleiteter minderjähriger oder volljähriger Flüchtlinge ist gekennzeichnet durch den Verlust von (Ein)Bindung und Status, eine instabile psychosoziale Situation und Verwirrungen durch unbekannte Strukturen und Angebote in Deutschland.“ So stand es in der Einladung von SPD und Bündnis 90/Die Grünen zur vierten Flüchtlingskonferenz im Heidekreis, die im Hotel Meyn in Soltau veranstaltet wurde.

Der Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil begrüßte viele ehrenamtliche Helfer und Kreistagsabgeordnete.

Hans-Peter Ludewig von den Grünen stellte die Experten vor: die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajic, Bündnis 90/Die Grünen, Ulrich Watermann, innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Mitglied im Innenausschuss, Christian Wüstenberg, Integrations- und Flüchtlingsberater im DRK-Kreisverband Soltau, sowie Bernd Oetzmann, Sozialpädagogische Hilfe Vier Linden, Inobhutnahme und Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Ausländer im Heidekreis.

Die Fachexperten erläuterten ihre Sicht und präsentierten Projekte und Vorhaben ihrer Fachbereiche, bevor das Publikum zu Wort kam. Schnell wurde klar, dass das soziale Engagement der ehrenamtlichen Helfer ungebrochen ist. Energisch vertraten die Zuhörer Interessen und Rechte der Flüchtlinge.

Von der „Brutalität“ des Systems

Christian Wüstenberg, DRK, sprach im Zusammenhang mit der Handhabung der Asylverfahren und der Integrationsbemühungen staatlicher Stellen von einer „Brutalität“ des Systems.

Hart in der Kritik stand beim Publikum die Arbeit des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) wegen der schleppenden Verfahren bei Asylanträgen. Der Anspruch der Ehrenamtlichen an Politik und Verwaltung lautete, das individuelle Schicksal in den Mittelpunkt zu stellen. Kritisiert wurden auch die langsame Erstellung eines Integrationskonzepts durch den Heidekreis und die mangelhafte Kooperation der Institutionen.

Karsten Mahler vom Landkreis stellte ein Konzept vor, das in Zusammenarbeit mit den BBS eine bessere Arbeitsmarkt-Integration bringen soll.

Bernd Oezmann, Vier Linden, betreut seit einigen Jahren unbegleitete minderjährige Ausländer (Uma) aus Krisengebieten. 2015 sei für diese eine Inobhutnahmestelle für den Heidekreis eingerichtet worden. Mittlerweile würden viele Umas längerfristig in Wohn-, Verselbstständigungsgruppen und in eigenen Wohnungen betreut. Die Jugendlichen erhielten die notwendige professionelle Unterstützung durch pädagogische Mitarbeiter, Lehrer sowie Sprach- und Kulturvermittler.

36 Millionen Euro im Land für Sprachkenntnisse

Heinen-Klijajic: „Die so genannten Paten sollen die Flüchtlinge mit der Lebensrealität vertraut machen, am besten in einer Familie. Gute Integration kann nicht ohne Sprachkenntnisse gelingen.“ 36 Millionen Euro gebe das Land Niedersachsen für Sprachkurse aus.

Watermann betonte, dass es darum gehe, nicht übereinander, sondern miteinander zu sprechen. Irritationen gab es bei den Zuhörern als Watermann erklärte, dass es ganz natürlich sei, dass in Deutschland die Ämter nicht zusammenarbeiteten.

Klingbeil ermutigte die Zuhörer, auf Politik und Verwaltung zuzugehen. „Sagen Sie uns, wo konkrete Probleme sind. Fordern Sie ein, dass es zu konkreten Lösungen kommt.“

hk

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