Erst Bürgerentscheid und dann die Entscheidung über die Entwürfe für Standort F4

Maßgeschneiderte Klinik für den Heidekreis

Eine Frau und ein Mann an einem Tisch berichten.
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Geschäftsführer Achim Rogge und Pflegedirektorin Meike Heins bei der Pressekonferenz.

Der Zeitplan wirkt kurios: Am 18. April entscheiden die Wähler im Bürgerentscheid darüber, ob sie sich den Neubau des Heidekreisklinikums in Fallingbostel oder in Dorfmark wünschen, und am Tag danach setzen sich die Experten zusammen, um über die Entwürfe für den einen von beiden Standorten zu entscheiden – vielleicht gerade den abgewählten.

Soltau – Der Neubau am Standort F4 in Bad Fallingbostel wäre ein modernes Haus, maßgeschneidert für den Heidekreis und ein Arbeitgeber, in dem Mediziner und Pflegekräfte gerne arbeiten. Diese Zukunftsvision und wie sie schon in den Vorbereitungen für die Planung immer mehr an Klarheit gewann, erklärten Vertreter der Klinikleitung, ihres Aufsichtsrats und der Projektleitung gestern in einem Pressegespräch.

Auch wenn die Wähler sich beim Bürgerentscheid gegen den Favoriten des Kreistags und des Heidekreisklinikums (HKK), den Standort F4 in Bad Fallingbostel, entscheiden, soll das Preisgericht den besten Entwurf unter den Beiträgen zum Architektenwettbewerb küren. „Einsparen können wir dann sowieso nichts mehr“, meinte HKK-Geschäftsführer Dr. med. Achim Rogge. Da sei es besser, das Wettbewerbsverfahren zuendezuführen. Im Zweifel könnte man dann wenigstens darauf zurückgreifen, wenn sich der Standort D4 aus irgendeinem Grunde doch zerschlagen würde. „Sonst fangen wir dann wieder von vorne an.“

Für alle in der Runde, der Vorsitzende des HKK-Aufsichtsrats, Hermann Norden, die Projektsteuerer Dietmar Schulz und Hartwig Jaeger, ebenso wie Geschäftsführer Achim Rogge und Pflegedirektorin Meike Heins war klar, dass es soweit nicht kommen soll. „Der Neubau ist alternativlos“, sagte Rogge und wirkte voller Tatendrang. Und wenn er nicht auf der Fläche F4 bei Bad Fallingbostel gebaut wird, werde es auf lange Sicht keine neue Klinik auch an einem anderem Standort im Landkreis geben. Mit einem zweiten Architekturwettbewerb könne das Projekt die Frist für den Förderantrag nicht einhalten, der im September eingereicht werden müsse. „Das haben die Gespräche im Sozialministerium ergeben“, berichtete Dietmar Schulz. Neun Monate Laufzeit benötige ein solcher Wettbewerb. Und einfach die Planung auf den anderen Standort zu übertragen sei nicht möglich.

Plan nur für einen Standort

In den 54 Seiten der Auslobungsunterlagen für die Architekten sei genau festgelegt worden, wie sich der Neubau in die Umgebung und die geografischen Gegebenheiten einfügen soll. Die Frage, wie sich im Rahmen eines funktionellen Konzepts Gebäudeanordnung und sich daran anschließende Infrastruktur wie Parkplätze, Zuwegungen, der Hubschrauberlandeplatz, die Einflugschneise und dergleichen sinnvoll zueinanderfügen, sei nur für den einen Standort zu beantworten.

Eine große Bedeutung misst Hartwig Jaeger der Mitarbeiterbeteiligung bei, die mit in den Vorgabenkatalog eingegangenen ist. In Workshops seien 1910 Anforderungen aus den medizinischen Fachabteilungen und Mitarbeitergruppen gekommen. „Vieles haben wir bereits durch die Corona-Pandemie gelernt“, ergänzte Achim Rogge. Etwas dass die Notaufnahme neben dem Haupteingang untergebracht werde müsse. „Die Hälfte der Patienten kommt über die Notaufnahme ins Haus. Und diese Patienten kommen zur Hälfte mit dem eigenen Auto.“

Die Wegeführung im Hause müsse eindeutig sein, der Platz für den gezielten Transport von Patienten und genügend Raum für ihre Behandlung und Betreuung. „Wir haben allein in einer Station mit 25 Patienten durchschnittlich zehn Verlegungen pro Tag“, stimmte Hartwig Jaeger zu.

Auch eine Lektion in der Pandemie: Die Möglichkeit, dass sich Patienten auch in der Notaufnahme von anderen getrennt aufhalten können. Dass die Dusche nicht unbedingt, aber das WC möglichst nur von einer Person benutzt wird. Wenn es also geplanten 50 Prozent Einzelzimmer geben werde, der Rest seien Zweibettzimmer, dann hätten die ihr Bad auf dem Zimmer.

„Das Konzept muss stimmen, dann sind auch die Mitarbeiter zufrieden“, sagte Rogge, der dabei auch an den Fachkräftemangel dachte. Dann werde es leichter, die Kräfte zu gewinnen und zu halten.

16 Beiträge zum Wettbewerb

25 Architekturbüros hätten sich zunächst beworben und 16 hätten ihre Beiträge eingereicht, erläuterte Schulz das Verfahren. Im ursprünglich vorgesehenen Zeitplan hätte seit gestern das Preisgericht aus zehn Fachleuten über die eingereichten Entwürfe brüten sollen, und heute den Sieger präsentieren. Diese Frist sei dann wegen Corona verlängert worden, sodass jetzt die Preisrichter erst kurz nach dem Bürgerentscheid zusammenkommen werden.

Dass sie damit die Entwürfe für einen Bau prämieren, der nie verwirklicht wird, empfindet Achim Rogge nicht als Widerspruch. Für ihn würde ein Bürgerentscheid für D4 ohnehin das Aus für die Baupläne für den Heidekreis bedeuten. „Jetzt ist alles klar. Wenn wir die Abgabefrist einhalten, haben wir berechtigte Aussichten darauf, die Förderung aus dem Strukturfonds 2 zu erhalten. Wenn es anders werden soll, müssen wir uns wieder hinten anstellen“, verwies er auf die Konkurrenz von Antragstellern im Lande. Immerhin erwarten die F4-Befürworter für den Standort eine beachtliche Förderung. „Für den Architekturwettbewerb haben wird eine Vorgabe von 203 bis 208 Millionen Euro gemacht“, berichtete Dietmar Schulz. Für den Baukörper selbst seien 160 Millionen Euro geschätzt worden. Für die Auswahl des Wettbewerbsiegers spiele allerdings die Kostenschätzung eine untergeordnete Rolle. Die Gestaltung und Funktionalität für den Krankenhausbetrieb hätten mehr Gewicht.

Die alten Häuser im Sinkflug

Aber auch für die bestehenden beiden Häuser sieht Rogge keine große Zukunft. Das neue Haus sei für die zu erwartenden Bedarfe im Heidekreis konzipiert. Medizinische Entwicklungen und die Erkrankungen, von denen man absehen könne, dass sie bei den Bürgern auftreten werden, seien mitbedacht worden. Dem könnten die alten Häuser kaum noch angepasst werden. „Die Investitionen werden bleiben, aber sie werden in den Sinkflug übergehen. “

Das düstere Bild, das der Geschäftsführer zeichnete, beinhaltete Gebäude mit niedrigem Standard und wenig Attraktivität für Patienten ebenso wie für Beschäftigte: „Eine Abwanderung von klugen Köpfen.“

Auch für die dann nötig werdenden Investitionen sah Aufsichtsrats-Chef Hermann Norden schwindende Chancen. „Der Landkreis hat bislang schon hohe Beträge in die Häuser gesteckt. Ob die öffentlichen Mittel dafür kommen, ist fraglich.“

Von Ronald Klee

Projekt Klinikneubau: Hermann Norden, Dietmar Schulz und Hartwig Jaeger (v. l.) stellten den Ablauf vor.
Der Architekturwettbewerb für den Standort F4 bei Bad Fallingbostel endet am 19. und 20. April.

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