Landvolk im Heidekreis hält Schwänzekupieren weiter für sinnvoll

Notwendig für das Tierwohl

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Jürgen Winkelmann demonstrierte das Kupieren.

Leitzingen - Das Schwänzekupieren bei Ferkeln ist bundesweit in der politischen Diskussion. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer, Grüne, will das Kupieren zum Ende 2016 generell untersagen.

Dabei nimmt er nach Meinung des Landvolkes Heidekreis ein von ihm selbst in Auftrag gegebenes Gutachten nicht zur Kenntnis, das besagt, dass das Kupieren bei den heutigen Haltungsbedingungen notwendig ist und dem Tierwohl zugute kommt. Minister Meyer, so Ferkelzüchter Jürgen Winkelmann, gefährde seine wirtschaftliche Existenz als Tierveredler und Sauenhalter.

Das Landvolk im Heidekreis hat einen landesweiten Informationstag der Landwirtschaft zum Anlass genommen, um auf dem Söhrenhof der Familie Winkelmann in Leitzingen bei Soltau über das Kupieren aufzuklären.

Winkelmann und der Landvolk-Kreisvorsitzende Jochen Oestmann wollen Verbraucher und Kupier-Gegner aufklären. Tatsache bleibe, dass es in den Schweinebeständen während der Mast immer wieder „Tätertiere“, sprich Beißer gebe, die Artgenossen in der Rotte den Schwanz abbissen. Die Tiere könnten leicht durch eine Infektion der Wunde so krank werden, dass sie geschlachtet werden müssten, sagte Winkelmann aus Erfahrung. Dies bedeute Quälerei für das gebissene Tier und für den Landwirt einen nicht unerheblichen wirtschaftlichen Verlust. Und es werde nicht nur ein Tier gebissen, sondern meist gleich mehrere, erklärte Winkelmann.

Verluste stellten sich auch ein, wenn unkupierte Ferkel nicht abgesetzt werden könnten, sagte Winkelmann. In solch einem Fall könne er seine große Investition in den 2006 neu errichteten vorbildlichen Ferkelaufzuchtstall nicht mehr bezahlen. Seine Existenz stehe dann auf dem Spiel.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer, Grüne, werde nicht müde, von seiner gewünschten „sanften Agrarwende“ zu sprechen und diese einzufordern, so Oestmann. Er hat wie der Ferkelzüchter eine andere, klare Meinung. Meyers Absicht, das Kupieren Ende 2016 zu verbieten, sei unseriös. Der Minister ignoriere auch eine von ihm in Auftrag gegebene Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die zu dem Ergebnis gekommen sei, dass der Verzicht auf das Schwänzekürzen den Tieren mehr schade als nutze. Auch andere Untersuchungen kämen zu dem gleichen Ergebnis und schlügen zunächst einmal genauere und längere Versuchsreihen für alternative Schweinehaltung vor. Minister Meyer wolle hingegen schon jetzt die Schweinehalter per Prämie zum Unterlassen der Schwanzkürzungen bewegen, erklärte Oestmann. Bringe der Halter 70 Prozent seines Bestandes unkupiert zum Schlachthof, so solle er 16,50 Euro Prämie pro Tier erhalten. Auch dieses Angebot, so der Vorsitzende, sei in gewisser Weise unlogisch. Wo bleibe der Ferkelzüchter, der die eigentliche Arbeit habe. Der Minister ignoriere zudem, dass bei so genannten ökologischen Schweinehaltern Beißer vorkämen. Es sei nicht alles so einfach, wie sich der Minister das vorstelle, so Oestmann und Winkelmann.

Jürgen Winkelmann und sein Sohn Niklas wollen den „Feldversuch Meyers“ jedenfalls nicht mitmachen. Das Risiko sei ihnen einfach zu groß, sagen sie.

Ein kleiner, schmerzloser Schnitt mit einem glühenden Draht führe zu mehr Tierwohl, zeigt sich der Experte überzeugt. Winkelmann führte das Kupieren beim Pressetermin in seinem Stall vor. Ein messerscharfer V-Draht glüht rot. Der Züchter nimmt ein drei Tage altes Ferkel in die Hand und schneidet mit dem glühenden Draht in Sekunden das letzte Drittel des kleinen Schwanzes ab. Keine Schmerzreaktion, kein Blut beim Ferkel. Im letzten Drittel des Schwanzes gibt es keine Nervenenden, die Schmerz übertragen könnten, erläuterte der Fachmann.

hf

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