Gespräch mit Milchviehhaltern

Kuhklos braucht es im Heidekreis erst mal nicht

Ein Mann steht vor einer Biogasanlage.
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Der Dung seiner Tiere wird in der Biogasanlage zur Energiegewinnung genutzt: Ingo Bergmann aus Fulde.

Kühe können lernen, aufs Klo zu gehen, vermeldeten kürzlich viele Medien die Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt. Wie stehen die Milchviehhalter im Heidekreis dazu? Ein Besuch bei Bergmanns in Fulde und Evers in Rethem-Moor zeigt: Die modernen Landwirte sind neuen Ideen gegenüber nicht verschlossen und haben sich bereits mit dem Forschungsprojekt auseinandergesetzt, das allerdings für beide, wie wohl für viele andere Milchkuhhalter im Heidekreis, erst einmal nicht relevant ist.

Heidekreis – Sohn Matthias ist schon längst wieder im Mais, die Ernte steht an. Dabei handelt es sich um das Futter für die rund 250 Milchkühe, die in zwei Ställen auf dem landwirtschaftlichen Anwesen in Rethem-Moor stehen. „Der Mais stand gut in diesem Jahr, wir hoffen auf viel Nahrung für die Tiere,“ sagt Andrea Evers in dem riesigen Stallgebäude, das die Familie vor eineinhalb Jahren gebaut hat.

Rund 1,5 Millionen Euro hat das Gebäude, das den Kühen ein noch besseres Zuhause gibt, gekostet. Und ist so eingerichtet, dass rund 150 Milchkühe pro Stall gut leben können. Und um ihre Hinterlassenschaften muss sich niemand kümmern: „Das läuft bei uns reibungslos im Gebäude ab, auf Spaltboden und mit Robotern, die das Geschäft der Tiere entsorgen“, freut sich die Bäuerin über die jüngste Errungenschaft zum Thema „Tierwohl“ in Rethem-Moor.

Nur relevant für Tiere auf der Weide

Ingo Bergmann aus Fulde hat dagegen für seine riesige Kuh-Herde schon eine andere Lösung gefunden. Während die Altenteiler des Bergmann-Hofes, Elke und Werner, mehr als 500 Sandsäcke befüllen, die zum Abdecken für den gerade hereingekommenen, frisch gehäckselten Mais benötigt werden („Uns macht die Arbeit immer noch Spaß. Wir helfen unserem Sohn gern.“), ist Ingo Bergmann auf dem riesigen Maisfeld bei Walsrode unterwegs, um zu ernten. Das Wetter spielt mit, die Herbstsonne strahlt vom Himmel, aber Bergmanns werden wieder bis in die Nacht hinein arbeiten müssen, um die Frucht zu ernten.

Bergmann hat sich schlaugemacht zum Thema „Kühe und Toilettengang“. Er weiß von dem Forschungsprojekt, bei dem Kühen beigebracht wurde, ein Klo zu benutzen – zugunsten von Klima- und Umweltschutz. Das sei aber nur für Kühe, die auf der Weide stehen, interessant, weil Kot und Urin punktuell auf der Weidefläche hinterlassen würden. Das sei grundsätzlich gut, denn die Gräser benötigten darin enthaltene Nährstoffe für ihr Wachstum. Es handele sich hier um einen natürlichen Nährstoffkreislauf. Das Problem dabei sei, dass die Kühe die Nährstoffe nicht gleichmäßig verteilen. Dadurch gebe es Stellen auf der Weide, die überversorgt seien und andere, die schlechter versorgt würden. Außerdem liege der Mist an der Oberfläche, wodurch gasförmige Verluste entstünden. „Die Kühe fressen das Gras im Bereich der Kuhfladen auch nicht gern.“ Das habe zur Folge, dass die Fläche nicht gleichmäßig begrast werde.

Roboter reinigen die Ställe von Kot

Um das zu vermeiden, sollen sich die Kühe an einem zentralen Ort „erleichtern“. Man könnte die so aufgefangene Gülle dann, „so wie wir es auf unserem Hof auch machen“, in einer Biogasanlage zur Energiegewinnung nutzen und das ausgegorene Endprodukt mit moderner Technik gleichmäßig und verlustarm auf der Fläche verteilen. „Für uns ist das Problem aber einfach nicht da.“

Auch nicht auf Hof Evers in Rethem-Moor, auf dem sich die Tierhaltung grundsätzlich änderte, als das Zeitalter der Roboter einzog. „Wir haben es heute viel einfacher mit dem Ausmisten eines Stalls“, so Evers. Das mache ein Roboter, der ständig im riesigen Gebäude unterwegs sei und das Geschäft der Tiere entsorge. Ein zweiter sorge für den ständigen Futternachschub und ein dritter melke jede Kuh dreimal am Tag. Die Tiere haben sich längst an diesen Ablauf gewöhnt und werden durch die Evers-Familie mit angereichertem Futter aufgebaut. „Wir liefern jeden Tag rund 7 500 Liter Milch zur Molkerei frischli nach Rehburg, mit einem insgesamt guten Fettgehalt. Wir sind mit der Leistung der Kühe zufrieden.“

Wenn dann noch der Verkaufspreis für die Milch ein besserer wäre, nicht auch noch die Kosten für Dünger ins Unendliche stiegen und die Spritkosten nicht ungeahnte Höhen erreichten, wäre alles gut. „Wir lassen unsere Ställe dreimal im Jahr durch Kontrolleure überprüfen. Die Klauenpflege kommt alle sechs Monate. Das ist einfach wichtig für die Tiere, weil sie auch im Stall immer unterwegs sein müssen.“

Von Klaus Müller

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