HKK richtet Zentrum in Soltau ein / Gespritzt wird Comirnaty

Ab Montag Kinderimpfungen im Heidekreis

Die Heidschnucke mit Schwert und Schild als Impf-Maskottchen.
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Die Heidschnucke mit Schwert und Schild als Impf-Maskottchen.

Im Kampf gegen das Coronavirus geht man im Heidekreis nun einen Schritt weiter. Ab dem 10. Januar bieten das Heidekreis-Klinikum in Soltau in einem eigens dafür eingerichteten Zentrum das Impfen von Kindern ab fünf Jahren an. Termine dafür können online gebucht werden.

Heidekreis – Ab dem kommenden Montag, 10. Januar, können Eltern ihre Kinder ab fünf Jahre im eigens dafür eingerichteten Corona-Kinderimpfzentrum in Soltau gegen Covid-19 impfen lassen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Heidekreis-Klinikums (HKK) hervor, das für das Kinderimpfzentrum verantwortlich ist.

Ende November wurde Comirnaty, ein Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren, EU-weit zugelassen, zwei Wochen später gab die Ständige Impfkommission (Stiko) bekannt, dass auch in Deutschland Kinder ab fünf Jahren mit Comirnaty geimpft werden können.

Dabei empfahl die Stiko die Impfung vor allem für Kinder mit Vorerkrankungen und für solche, die zum Beispiel mit Hochbetagten oder Menschen mit schwachem Immunsystem zusammenleben. In diesem Zusammenhang betont Dr. Michael Abend, Chefarzt der Kinderklinik Finkelstein am Heidekreis-Klinikum: „Selbstverständlich bieten wir diese Schutzimpfung für alle Kinder zwischen dem 5. und 18. Lebensjahr an.“

Weiter berichtet der impfverantwortliche Arzt im Corona-Kinderimpfzentrum: „Momentan gehen wir davon aus, dass wir so viel Impfstoff erhalten werden, dass wir etwa 50 Kinder pro Woche impfen können. Die Zweitimpfung kann nach drei Wochen erfolgen.“ In der Kinderarztpraxis des MVZ Soltau hätten sich bereits rund 300 Eltern gemeldet, die ihre Kinder impfen lassen möchten. Abend: „Diese werden in den nächsten Tagen von unserem Team angerufen, um einen Termin zu vereinbaren.“ Wer sich nun also entscheidet, seine Kinder impfen zu lassen, muss mit Wartezeit rechnen.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) habe die Wirksamkeit und Risiken von Comirnaty in einer medizinischen Studie mit 2 268 Kinder zwischen fünf und elf Jahren untersucht, heißt es weiter in Pressemitteilung des HKK, das sich auf eine Veröffentlichung der Ergebnisse im „New England Journal of Medicine“ beruft. 1 517 Kinder seien zweifach mit Comirnaty geimpft worden, 751 Kinder erhielten zweifach ein Placebo, also ein Scheinmedikament.

In der Gruppe der tatsächlich Geimpften seien nach der Zweitimpfung drei Kinder an Covid-19 erkrankt, in der Gruppe der Ungeimpften Gruppe seien es 16 Fälle gewesen.

Ernsthafte Nebenwirkungen seien nicht aufgefallen. Auch in den USA, wo laut der US-Gesundheitsbehörde CDC 3,7 Millionen Kinder vollständig geimpft und weitere 2,5 Millionen Kinder bereits eine Impfdosis erhalten hätten (Stand 21. Dezember 2021), seien keine schweren Nebenwirkungen aufgetreten. Ad auch israelische Gesundheitsbehörden hätten gemeldet, dass nach den ersten 60 000 Impfungen von Kindern keine schweren Nebenwirkungen aufgetreten seien.

Allerdings seien Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen als Nebenwirkungen bei mRNA-Impfstoffen aufgetreten, insbesondere bei Jungen und jungen Männern im Alter zwischen 12 und 30 Jahren. Dabei handele es sich aber um eine seltene Nebenwirkung, die in der Regel gut heilbar sei. Studien belegten zudem, dass das Risiko an einer Herzmuskelentzündung zu erkranken, bei einer Covid-19-Infektion deutlich höher sei als bei einer Impfung.

Auf der Website des „Corona-Kinderimpfzentrums Heidekreis“, www.corona-kinderimpfzentrum-heidekreis.de, werden viele Fragen rund um das Thema Covid-19-Impfungen von Kindern und Jugendlichen beantwortet. Das Kinderimpfzentrums Heidekreis befindet sich in den Räumlichkeiten des Geburtshauses Bauchgefühl, Oeninger Weg 30 in Soltau. Bitte beachten: Das Impfzentrum kann nicht über das Heidekreis-Klinikum betreten werden. Die Zufahrt auf den Parkplatz erfolgt über den Lönsweg, gegenüber der Hausnummer 32.

Terminbuchungen können über das Online-Terminbuchungsportal auf der Website www.corona-kinderimpfzentrum-heidekreis.de erfolgen oder telefonisch unter 05191/6023070. Telefonische Erreichbarkeit des Corona-Kinderimpfzentrums Heidekreis: montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 11 Uhr und 14 bis 16 Uhr, mittwochs und freitags von 9 bis 11 Uhr.

Interview mit Dr. Michael Abend zu Covid-Impfungen bei Kindern

Es heißt immer wieder: Gerade die jüngeren Kinder erkranken eh nicht schwer… Weshalb also überhaupt eine Impfung gegen Covid-19?

Chefarzt Dr. Michael Abend: Es stimmt, dass Kinder sehr häufig nur mit milden Symptomen auf die Infektion reagieren. Wir sind froh, dass das kindliche Immunsystem derart stark ist, dass es gegen diese Erkrankung – meist besser als die Erwachsenen - in multimodaler Form reagieren kann. Mitunter wird ja häufig argumentiert, dass der kindliche Organismus noch „schwächlich“ und wenig belastbar wäre.

Eine Impfung ist aber dennoch sinnvoll, weil es für das einzelne Kind bei guter Verträglichkeit einen plausiblen und guten Impfschutz aufbauen wird. Ein weiterer Effekt wird mit der Impfung mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten: In zunehmendem Maße sehen wir in unserer Klinik, aber auch in unserer Kinderarztpraxis im MVZ Soltau Kinder, die vor mehr als sechs Monaten an Covid-19 erkrankt waren und dann das noch wenig bekannte long-covid-Syndrom erleiden. Dies ist eine ausgeprägte neurologische Beeinträchtigung des Kindes und ist derzeit nur schwer behandelbar. Darüber hinaus kann aus gesellschaftspolitischer Sicht eine Impfung der Kinder eine Übertragung von Covid-19 auf andere Bevölkerungsschichten, die nicht geimpft werden können, vermeiden helfen.

Haben Sie schon Kinder, die an Covid-19 erkrankt sind, erlebt? Müssen diese Kinder auch stationär bei Ihnen in der Kinderklinik aufgenommen werden?

Abend: Zum Glück haben wir im bundesweiten Vergleich im Heidekreis seit Beginn der Pandemie immer eine moderate Inzidenz, sodass wir relativ wenig kranke Patienten zu behandeln hatten. Von allen Altersgruppen haben wir aber dennoch meines Erachtens schon erschreckend viele Kinder, die an Covid-19 erkrankt sind, erlebt und behandelt. Möglicherweise liegt dies auch an der Schwerpunktpraxis für Kinder-Lungenheilkunde, die in der Kinderarzt-Praxis am MVZ in Soltau vorgehalten wird.

Tatsächlich gab es auch dort schon Kinder und Jugendliche, die noch lange nach der infektiösen Phase mit den Folgen zu kämpfen hatten und sich die Rehabilitation ziemlich lange hinzog und zieht. Den ein oder anderen Patienten unter 18 Jahren mussten wir auch stationär behandeln. Erfreulicherweise konnten wir unsere „kleinen“ Patienten aber rasch wieder in das häusliche Umfeld entlassen, ohne dass sie intensivmedizinisch behandelt werden mussten.

Wenn ich als Elternteil unsicher bin, Angst habe, dass ich mich falsch entscheide, wenn ich mein Kind gegen Covid impfen lasse, an wen kann ich meine Fragen/Sorgen äußern/stellen? Wo werde ich seriös und vertrauenswürdig aufgeklärt?

Abend: Eine sehr umfassende und seriöse Information bietet das Robert-Koch-Institut im Internet unter RKI - Impfungen von A-Z an. Hier werden fast wöchentlich aktuelle neue wissenschaftliche Erkenntnisse über das Vorgehen mit der Impfung gegen Covid-19 formuliert. Selbstverständlich haben die Eltern aber auch vor Ort ihren Kinder- und Jugendarzt ihres Vertrauens, mit dem sie diese Fragen gut erörtern können.

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