Polizeiinspektion und Landkreis zeichnen Projekt zum Schutz von Kindern und Jugendlichen

Im Kampf gegen sexuellen Missbrauch

Der Landrat, Manfred Ostermann, (l.) unterzeichnete das Kooperationsprojekt, der Leiter der Polizeiinspektion, Stefan Sengel, tat es ihm kurz darauf gleich.  Foto: Hustedt
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Der Landrat, Manfred Ostermann, (l.) unterzeichnete das Kooperationsprojekt, der Leiter der Polizeiinspektion, Stefan Sengel, tat es ihm kurz darauf gleich. Foto: Hustedt

Soltau – „Seid euch auf keinen Fall sicher, dass ihr nicht entdeckt werdet.“ Diese eindringlichen Worte findet der Landrat Manfred Ostermann auf einem Pressetermin bei der Polizeiinspektion Soltau. Es sei ein ganz klares Signal nach außen, so der Landrat, ein Signal an all diejenigen, die sich an Minderjährigen vergehen oder Kinderpornografie verbreiten, geschweige denn produzieren.

Der Landkreis Heidekreis und die Polizeiinspektion Heidekreis haben ihre Zusammenarbeit auf eine noch engere und vertrauensvollere Ebene gebracht, um insbesondere Kinder und Jugendliche vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Dazu unterzeichneten gestern der Landkreis, vertreten durch den Landrat Manfred Ostermann, und der Leiter der Polizeiinspektion, Stefan Sengel, ein Kooperationsprojekt unter dem Titel: „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt im Heidekreis“.

Mit Blick auf die aktuell laufenden Ermittlungen im Missbrauchsfall in Münster und insbesondere den Tatort – eine Gartenlaube, in der sich ein Großteil der Verbrechen abgespielt haben soll – zeigt sich Ostermann entsetzt und formulierte einen eindringlichen Appell an alle Bürger im Landkreis: „Ich kann das immer noch nicht glauben, wie konnte so etwas passieren? Da muss doch jemand etwas mitbekommen haben. Wenn euch etwas in der Nachbarschaft spanisch vorkommt, ihr einen Verdacht schöpft, dann nehmt – und wenn erst anonym – Kontakt zu einer von unseren Behörden auf, damit wir mit unseren Möglichkeiten aktiv werden können“, so der Landrat.

Kommunikation sei nicht nur ein Schlüssel, um derartige Verbrechen aufzudecken, sondern auch ein Grundstein der Zusammenarbeit zwischen Polizeidirektion und Landkreis. „All das, was in dem Kontrakt steht, den wir heute zeichnen, leben wir bereits. Die Idee, die dahinter steht, ist, sich innerhalb der Behörden besser kennenzulernen und Netzwerke zu bilden“, so der Polizeidirektor. Das würde in Zukunft durch Treffen und mehr Austausch sichergestellt werden, ohne, dass eine die Vorrangstellung zur anderen hat.

Was die Prävention und Aufdeckung von sexuellen Missbrauchsfällen angeht, sei der Heidekreis gut aufgestellt. Schaue man beispielsweise auf die Fallzahlen im Bezug auf derartige Taten innerhalb der letzten fünf Jahre zurück, blieben sie ungefähr gleich. Allerdings seien die Zahlen im Bereich der Kinderpornografie stark gestiegen, bis auf 64 Fälle im Jahr 2019. Im Jahr 2015 waren es noch 26 gewesen. Das liege aber nicht daran, dass es immer mehr Täter gibt, so Polizeirat Sebastian Pölking. „Wir haben nicht mehr Täter, sondern ein immer kleineres Dunkelfeld aufgrund erfolgreicher Ermittlungen. Unsere Maßnahmen greifen“, erklärte Pölking.

„Was machen wir hier im Heidekreis, um den Fallzahlen Herr zu werden?“, fragte der Polizeirat und beantwortete seine Frage prompt selbst: Zum einen habe man einen eigenen organisatorischen Bereich geschaffen, der sich mit dem Deliktfeld Kinderpornografie und sexueller Missbrauch befasst. Andererseits kümmere man sich um die Mitarbeiter, die dort aktiv sind ganz besonders, da insbesondere die Auswertung der Materialien eine sehr belastende Aufgabe sei. Um die zusätzlich bei ihrer Arbeit zu unterstützen, hat die Polizeiinspektion eine KI, eine künstliche Intelligenz, eingeführt, die bei der Auswertung zusätzlich hilft. Sie könne zwar nicht die Arbeit komplett übernehmen, aber anhand festgelegter Kriterien eine Vorauswahl treffen. Außerdem habe man bereits vor einiger Zeit ein kindgerechtes Vernehmungszimmer eingerichtet und mit spezieller audio-visueller Technik ausgestattet, sodass ein Kind nur einmal aussagen muss.    lh

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