Ulrich Dralle vertraut der Knolle

Trotz Corona-Einbußen: „Ich bleibe bei der Kartoffel – definitiv“

Ein Landwirt steht vor einem riesigen Berg Kartoffeln.
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„Die erreichen schon stattliche Größen“: Der Marklendorfer Landwirt Ulrich Dralle bei seinen Pommes-Kartoffeln. Das mittlerweile schnelle Wachstum der Pflanze führt aber auch zu einem neuen Problem, der Hohlherzigkeit. Fotos Müller

„Wir werden eine durchschnittliche Kartoffelernte in diesem Jahr einfahren können, wir dürfen also mit dem Ergebnis durchaus zufrieden sein. Ich würde am liebsten noch mehr Flächen mit der Frucht bebauen, aber zurzeit finde ich keinen neuen Acker mehr dafür.“ Ulrich Dralle ist 44, hat seinen uralten Bauernhof am Haselkampsweg in Marklendorf, und er vertraut der Knolle in großem Stil.

Heidekreis - Der rund 400 Hektar große Betrieb von Ulrich Dralle in Marklendorf ist überwiegend auf die Kartoffel in vielen Variationen eingestellt, 150 Hektar allein sind mit den Knollen bepflanzt, und trotz des feuchten Wetters Ende September sind die Früchte ordentlich gewachsen. Dralle baut Saatkartoffeln an, Kartoffeln für Chips und Pommes Frites, die schon gewaltige Größen erreichen können, und Stärkekartoffeln, die der Landwirt nach Wietzendorf in die dortige Stärkefabrik absetzt. Jedes Jahr ab Mitte Juli läuft die Ernte, die sich bis in den Oktober ausdehnen kann. Und dann fährt der Marklendorfer Landwirt als Lohnunternehmer noch für andere Betriebe.

„Die Kartoffel hat es mir angetan“, verrät er, obwohl das eigentliche Familienleben mit Ehefrau Anna und seinen drei Kindern gerade in den letzten Jahren in den Vordergrund gerückt ist. „Die Kinder reiten in Uetzingen, meine Frau auch – ich bin stiller und hilfsbereiter Zuschauer dabei.“ Und dann gibt es noch drei Hofhunde, die dem Herrchen auf Schritt und Tritt folgen.

Kartoffeln mit Hohlherzigkeit, ein Problem, das bei immer mehr Pommes-Kartoffeln auftaucht.

Heiko Braasch lenkt den gewaltigen Roder über das Feld direkt am Lörkenhof, der aus dem 17. Jahrhundert stammen soll. Ganz oben auf der Sortieranlage schaut er fast jede der gewaltigen Pommes-Kartoffeln an, macht immer wieder Stichproben, erklärt, wie die Knollen in diesem mächtigen Gerät gesäubert werden. Und zeigt ein Problem, das gerade in diesem Jahr bei der Kartoffel aufgetreten ist, die Hohlherzigkeit in der Frucht, die innen große Hohlflächen aufweist und eigentlich nicht mehr zu gebrauchen ist. „Wir haben noch Glück, der Schaden liegt auf unserem Hof nur bei 10 Prozent. Aber es gibt Betriebe, bei denen bis zu 80 Prozent der Kartoffel hohl sind. Das sind dann schon gewaltige finanzielle Einbußen.“ Der Grund für dieses Problem sei der zu schnelle Wuchs der Pflanze. Ein Thema, das die Branche noch eingehender beschäftigen wird. Nur wenige Kartoffeln haben eine leichte Fäule, sind aber, wie Heiko Braasch erklärt, noch verwendbar.

Heiko Braasch auf dem gewaltigen Roder, der die Kartoffel aus Unkraut und anderen Bestandteilen siebt.

Und dann ist man doch rund um Marklendorf ungewollt „steinreich“. „Wir haben direkt an der Autobahn ein großes Feld mit schwarzem Sandboden umarbeiten müssen, weil wir riesige Raseneisensteine gefunden haben, Material, durch das nichts mehr wächst,“ berichtete Braasch. Und Ulrich Dralle erzählt, dass schon seit Großvater mit Baggern dicke Scheiben des Naturmaterials herausgeholt hat, damit man auf dem ohnehin im Marklendorfer Gebiet sehr kargen Boden (Bodenwert 20 bis 25 Punkte) Kartoffeln anbauen konnte. Bis Wedemark soll sich das Feld mit dem Raseneisenstein ziehen, der früher sogar verhüttet wurde. Straßennamen beispielsweise in Buchholz erzählen noch heute davon.

Los geht es mit dem Kartoffelanbau im März, wenn die frühen Saatkartoffeln in den Boden kommen. Kontinuierlich folgen die weiteren Kartoffelsorten. Dralle: „Wir setzen bei der Pflege der Felder organischen Dünger ein, der sämtliche Nährstoffe beinhaltet, die eine Knolle benötigt.“ Das diene auch der Bodenpflege. Man habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Mit zwei Mitarbeitern ist er dann bis in den späten Oktober hinein auf den Feldern unterwegs.

Absatzverluste durch Corona

Ulrich Dralle schätzt die Knolle, auch wenn es durch Corona zu Absatzverlusten geführt hat. „Ich bleibe dabei – definitiv.“ Der Betrieb könne die Verluste noch verkraften. Und er hat vorgesorgt, hat andere Getreidesorten mit in das Boot genommen. Dralle führt dabei einen konventionellen landwirtschaftlichen Hof. „Der Mais steht gut, wir erwarten eine ordentliche Ernte.“ Aber auch Gerste, Roggen und, ganz neu, Zuckerrüben gehören zu Dralles Arbeitsfeld. „Früher hatten wir auch Schweine und Kühe, aber wir wollen einen neuen Weg gehen und haben uns entschieden, dass es die Kartoffel werden soll, die sich am besten für unsere Region eignet.“

Von Klaus Müller

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