Kriminalstatistik im Heidekreis: Weniger Straftaten, gute Aufklärungsquote

Etwas Licht fällt ins Dunkelfeld

Präsentierten die Kriminalstatistik 2019: Polizeirat Sebastian Pölking, Kriminalhauptkommissar Rüdiger Strahl und Polizeidirektor Stefan Sengel (v.l.). Foto: Raczkowski

Heidekreis – Etwas weniger Straftaten als im Vorjahr und eine nach wie vor überdurchschnittliche Aufklärungsquote – kein Wunder, dass die Verantwortlichen gestern die Kriminalstatistik 2019 des Heidekreises mit etwas Stolz vorstellten. Dort, wo die Taten entgegen dem Trend angestiegen sind, handelte es sich zumeist um Bereiche mit einer hohen Dunkelziffer. Die gestiegenen Zahlen seien hier ein Indiz für besonders gute Polizeiarbeit, berichtete Polizeirat Sebastian Pölking beim Pressegespräch.

10 189 Straftaten wurden 2019 im Heidekreis registriert, 317 weniger als im Vorjahr. Aufgeklärt wurden 66,5 Prozent, etwas weniger als 2018 (67,75), aber immer noch mehr als im Landesdurchschnitt (63,44). „Für mich ist das ein Indiz für die Qualität der Arbeit“, sagte Polizeidirektor Stefan Sengel.

Nach einem besonders niedrigen Wert im Jahr 2018 habe es nun wieder einen leichten Anstieg bei den Wohnungseinbrüchen um 44 auf 248 Taten gegeben. Dazu hat Pölking eine Theorie: „Die Bauarbeiten auf der Autobahn sind mittlerweile abgeschlossen, sodass nun auch die Einbrüche wieder zunehmen.“ Auf die gestiegene Aufklärungsquote in diesem Bereich ist die Polizei besonders stolz: Mit 33 Prozent liegt sie deutlich über dem Landesdurchschnitt (24 Prozent). 41 Prozent der Einbrüche im Heidekreis sind Versuchstaten. „Für uns ein Ausdruck dafür, dass Prävention Wirkung zeigt“, so Pölking. Die Bürger hätten besser gesicherte Fenster, Alarmanlagen und aufmerksamere Nachbarn. „Gerade Bürgerhinweise sind hier sehr wichtig. Nachbarschaftsangaben sind elementarer Bestandteil der Ermittlungsarbeit.“

850 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz hat die Polizei aufgenommen, 86 mehr als im Vorjahr. Hier lasse sich aber keinerlei Rückschluss auf einen erhöhten Drogenkonsum der Heidjer ziehen. „Drogen sind ein typisches Dunkelfeld, es handelt sich dabei um sogenannte Kontrolldelikte: Je aktiver wir sind, desto mehr Fallzahlen haben wir“, so Pölking.

Bei den Betrugsfällen und auch beim sogenannten Cybercrime seien die Zahlen nicht wirklich aussagekräftig: „Viele krumme Sachen laufen im Internet“, so Pölking. Und würden oft nicht angezeigt. In manchen Fällen auch deshalb, weil der Geschädigte nicht merkt, dass er Opfer geworden ist. „Im Netz entwickeln sich immer neue kriminelle Phänomene“, erklärte Kriminalhauptkommissar Rüdiger Strahl, Leiter der Analysestelle.

Die Rohheitsdelikte – insgesamt 1110 Fälle – sind zurückgegangen. „Nur circa ein Viertel der Körperverletzungen geschieht übrigens unter Alkoholeinfluss“, so Pölking. Erfreulich sei, so Polizeidirektor Sengel, dass die Gewalt gegen Mitarbeiter von Rettungsdienst und Feuerwehr (zwei Fälle) auf einem Tiefstand ist. Dennoch müsse man dieses Thema sehr ernst nehmen. „Wenn Ehrenamtliche Dienst für die Allgemeinheit leisten, und dann zur Zielscheibe werden, dann ist in meinen Augen das Maß voll“, so Sengel.

Leicht angestiegen sei mit 71 Taten die Gewalt gegen Polizeibeamte. „Die Zahlen mögen gering erscheinen, aber wir müssen solche Fälle konsequent verfolgen“, so Sengel. Er als Dienststellenleiter stelle persönlich die Strafanträge für betroffene Kollegen.

Über eine gestiegene Aufklärungsquote von 93,12 Prozent bei Sexualdelikten ist die Polizei froh. Die Anzahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen hat sich auf 19 (-9) reduziert. Einen deutlichen Anstieg hat es im Bereich der Verbreitung von pornografischen Erzeugnissen gegeben. „Die Datenmengen, die wir zu bearbeiten haben, werden immer größer und erfordern immer mehr polizeiliche Ressourcen“, so Pölking. So berichtete er von einem sichergestellten Handy, auf dem sich 7 500 Videos befunden hätten.

Bei den Sexualdelikten zum Nachteil von Kindern gab es einen Anstieg (+12) auf 34 Taten. Pölking geht nicht davon aus, dass es mehr Kindesmissbrauch gibt als früher. „Vielleicht hellen wir dieses Dunkelfeld einfach etwas auf.“ Ein Ausdruck von guter polizeilicher Arbeit wäre dann auch der deutliche Anstieg der Zahlen (2018: 31 2019: 50 Fälle) im Bereich Besitz und Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie. Dieser beinhalte auch das sogenannte Sexting – Fälle, bei denen sich Kinder und Jugendliche untereinander pornografisches Material schickten. „Hier appellieren wir an Eltern, intensiv hinzuschauen, was die Kinder in sozialen Netzwerken treiben.“

Die Fälle von häuslicher Gewalt sind leicht gesunken. Die meisten Opfer sind Lebenspartner. „Aber in diesem Bereich ist alles möglich“, so Strahl. „Auch Jugendliche, die ihre Eltern malträtieren, kommen vor.“ Sengel: „Es gibt Täter beiderlei Geschlechts, Religion spielt keine Rolle. Und diese Taten passieren auch in Wohngegenden, wo man es vielleicht eher nicht erwartet.“  rei

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