Landvolk-Vertreter präsentieren dank Paten realisierte Blühwiese in Wietzendorf

„Erst einmal den leisen Weg gegangen“

Stellen den Niedersächsischen Weg vor: Jochen Oestmann, Kristina Gehrden-Schröder vom Landvolk-Kreisverband und Klaus Grünhagen.
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Stellen den Niedersächsischen Weg vor: Jochen Oestmann, Kristina Gehrden-Schröder vom Landvolk-Kreisverband und Klaus Grünhagen.

Wietzendorf – Zum Volksbegehren „Artenvielfalt jetzt!“ wollte Kreislandvolkvorsitzender Jochen Oestmann öffentlich nicht viel sagen. „Wir sind erst einmal den leisen Weg gegangen und wollen gemeinsam mit der Politik und dem Landwirtschaftsministerium den Niedersächsischen Weg auf den Weg bringen. Wir als Landwirte wollen mit klaren Fakten in eine neue Zukunft starten, zeigen, dass wir für Artenvielfalt sind, für blühende Kulturen, mehr Insekten auf unseren Feldern und mehr Landschaft in unserem Land.“

Oestmann hatte nach Wietzendorf eingeladen. Dort hat der engagierte Landwirt Christoph Becker gemeinsam mit 116 Blühpaten aus dem ganzen Land eine wunderschön blühende Wiese auf einer Fläche von rund 18 000 Quadratmetern Größe angelegt. Hier gedeihen auf trockenem Heideboden, auf dem früher Roggen stand, Rotschwingel und Wiesenrispe, Öllein, Phacelia, Buchweizen, Hafer und andere Pflanzen. Bienen, Hummeln und viele andere Insekten tummeln sich. „Und vielleicht wird bald wieder das Rebhuhn in solchen Blühwiesen heimisch werden“, hofft Oestmann.

Die Blühwiese, unterstützt von Paten, ist als Projekt im Rahmen des Niedersächsischen Weges (siehe Kasten) angelegt worden. Die Fläche in Wietzendorf liegt an einem vielgenutzten Rad- und Fußweg. Das Landvolk hat Schilder aufgestellt und weist auf die neue, bundesweite Aktion hin.

„Wir leben mit unserer Landschaft, auch wenn es zurzeit zu trocken ist in der Lüneburger Heide“, sagt Oestmann.

Damit die Landwirte in der Lage seien, Blühwiesen anzulegen, habe der Staat Ausgleichszahlungen angeboten. Die Details müssten noch festgelegt werden, so Oestmann. Die derzeit über den Niedersächsischen Weg intensiv diskutierenden Arbeitskreise würden schließlich eine Lösung in Hannover anbieten. Anschließend müsse die Politik entscheiden.

Klaus Grünhagen, Geschäftsführer des Landvolkverbandes, machte im Pressegespräch deutlich, dass der Landwirt am Ende der neuen Entwicklungen immer als Nahrungserzeuger stehen müsse. Am vorbereitenden Prozess für den Niedersächsischen Weg seien viele Bereiche, Einrichtungen, Verbände beteiligt.

Jochen Oestmann ging schließlich auf lokale Planungen rund um Walsrode ein. Hier werde durch die Ausweisungen von neuen, großen Gewerbegebieten immer mehr Landschaft versiegelt und damit Flächen der Landwirtschaft. Ausgleichsflächen müssten daher immer wieder neu geschaffen werden. Die Landwirtschaft dürfe aber nicht noch mehr Flächen verlieren.

Der Niedersächsische Weg ist ein Rahmenvertrag, den Landvolk, Umweltministerium, Landwirtschaftsministerium, Landwirtschaftskammer sowie Verbände des Umweltschutzes (BUND und Nabu) gemeinsam geschlossen haben. Im Jahresverlauf soll die Gestaltung im Detail vorgenommen und als Gesetzesvorlage dem Landtag zugeleitet werden.

Der Niedersächsische Weg sieht unter anderem folgende Maßnahmen vor:

- Auf Gewässerrandstreifen wird in bestimmten Breiten die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln untersagt.

- Reduktion chemischer Pflanzenschutz: Im Gesetz wird ein Verbot aufgenommen, das die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln (PSM) auf Grünland in Landschaftsschutzgebieten, die ein Natura-2000-Gebiet sichern, und in Naturschutzgebieten grundsätzlich untersagt. Ausgenommen vom Verbot sind Ausbringungen, für die es keine zumutbare praxistaugliche Alternative gibt. Der Pflanzenschutzmitteleinsatz auf Ackerflächen in Naturschutzgebieten ist zu reduzieren.

- Biotopverbund auf 15 Prozent der Landesfläche beziehungsweise 10 Prozent der Offenfläche.

- Der Vertragsnaturschutz, insbesondere für EU-Vogelschutzgebiete mit Fokus Wiesenbrüter, wird ausgebaut.

- Es entsteht ein Aktionsprogramm Insektenvielfalt.

- Klimaschonende Bewirtschaftung in Moorgebieten wird Teil des Programms.

- Bis 2025 soll der Anteil des Ökolandbaus auf zehn Prozent wachsen.  mü

Diese bunte Blühwiese, die unzählige Insekten anzieht, befindet sich in der Nähe von Wietzendorf.

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