„Ein Weg für alle“ als großes Ziel

„Jedes Schwein hat irgendwie sein Stroh“: Landwirt erklärt Tierwohl-Bemühungen

Mann an einer Box mit mehreren Schweinen.
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Christoph Becker setzt sich für das Tierwohl bei seinen Schweinen ein, die auf Stroh leben dürfen.

Reddingen – Christoph Becker gehört zur Garde der jungen Landwirte im Heidekreis, die zurzeit mit Aktionen auf sich aufmerksam machen. Sie wollen zeigen, dass konventionelle Landwirtschaft zwar nicht von gestern ist, dass sie aber bereit sind für einen Weg mit den Verbrauchern und hoffen, durch neue Ideen Landwirtschaft in Deutschland wieder attraktiv zu machen.

Becker ist Mitglied im Vorstand des Kreislandvolks. Er führt den landwirtschaftlichen Betrieb im 33 Einwohner zählenden Dorf Reddingen bei Wietzendorf in vierter Generation und hat sich zur Aufgabe gemacht, bei den Verbrauchern mehr Verständnis für die Probleme der Landwirte zu erreichen, aber auch selber dazu beizutragen. „Manchmal sitze ich zwischen zwei Stühlen, verstehe meine Berufskollegen, aber auch den Verbraucher und versuche, einen Weg für alle zu finden.“

Schweinemast und Biogasanlage: Verständnis für Landwirte und Verbraucher

Der 37-jährige Vollerwerbslandwirt hat sich auf seinem 2,5 Hektar großen Hof zwei Schwerpunkte gesetzt: die Schweinemast und das Betreiben einer Biogasanlage. Ende September wird der Mais geerntet, in diesem Jahr etwas später, aber er steht gut und verspricht einen guten Ertrag. Daneben gibt es auf dem kargen Sandboden mit wenigen Bodenpunkten Zuckerrüben und Getreide.

Anerkennung für das Projekt Blühwiesen

Das Projekt Blühwiesen, das zum Niedersächsischen Weg gehört, hat dem jungen Landwirt Anerkennung eingebracht. Die Fläche kurz vor Wietzendorf wurde auf 2,5 Hektar erweitert. Hof Becker ist für das Projekt ausgezeichnet worden. „Wir haben 150 Paten, die sich an dieser Aktion beteiligen“, sagt Becker.

Aktuell beschäftigt ihn das Thema Tierwohl, das nun gesetzlich verankert ist. Christoph Becker hat fast 1000 Schweine, die bei ihm groß werden und irgendwann geschlachtet werden. „Die Tiere müssen keine langen, stressigen Wege zurücklegen, alles soll sehr schnell gehen“, sagt der Reddinger.

Stroh und mehr Raum für das Tierwohl

Stroh ist vor zwei Jahren wieder in die beiden Ställe gekommen, die fast 70 Prozent mehr Raum für die Schweine bieten als die konventionellen. Becker: „Jedes Schwein hat irgendwie sein Stroh, wo es mit der Schnauze wühlen kann, sich einfach ein bisschen wohler fühlen darf. Schweine sind die intelligentesten Tiere, die wir kennen“, erzählt der Landwirt. Er fragt sich inzwischen, warum es überhaupt Ställe mit Betonböden gegeben hat. Schon früher sei immer wieder Stroh gestreut worden. Klar koste es mehr, die Ställe immer wieder auszumisten. „Wir haben extra einen neuen Radlader anschaffen müssen, aber in nur drei Stunden schaffen wir es, alles zu säubern – dank der Technik.“

Der Preis für Schweinefleisch sei immer noch zu niedrig. „Ich hoffe sehr, dass der Verbraucher sieht, dass wir das Tierwohl suchen, aber auch akzeptiert, dass die Preise entsprechend angeglichen werden müssen.“ Becker fordert mehr gegenseitiges Verständnis von Landwirten und Verbrauchern.

Christoph Becker möchte Überzeugungsarbeit leisten

Er möchte Überzeugungsarbeit leisten, ob im Bereich der Schweine oder der Blühwiesen. Erste positive Reaktionen gibt es bereits: „Wir sind mit den Naturschützern ins Gespräch gekommen und haben uns ausgetauscht. Und Hof Becker will in naher Zukunft einen eigenen Hofladen eröffnen, in dem es dann Bio-Schweinefleisch geben wird.  mü

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