Prozess vor dem Landgericht Verden / Rethemer soll bei Übergabe der verkauften 19-Jährigen dabei gewesen sein

Zwangsprostitution: Angeklagter voll schuldfähig

Rethem/Verden – Als voll schuldfähig hat ein psychiatrischer Sachverständiger den 21 Jahre alten Angeklagten aus Wiesmoor eingestuft, der sich vor dem Landgericht Verden derzeit wegen Zwangsprostitution verantworten muss. Der mehrfach vorbestrafte Mann soll die im April 2020 in der Weser ertränkte Andrea K. vor ihrem Tod ausgebeutet und sie dann an ihren mutmaßlichen Mörder aus Nienburg verkauft haben.

Ein ebenfalls angeklagter 26-Jähriger aus Rethem soll bei der Übergabe der 19-Jährigen dabei gewesen sein und muss sich deshalb wegen Beihilfe verantworten. Ein unbeschriebenes Blatt ist auch er nicht.

Verlesen wurde am Dienstag ein Urteil des Amtsgerichts Walsrode. Im November 2015 war der heute 26-Jährige wegen unerlaubten Erwerbs und Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu einer 14-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Glück für ihn, dass die Bewährungszeit bereits abgelaufen ist, sonst hätte ein Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung und Haft gedroht. Bei einer der drei damals geahndeten Taten hatte er 250 Gramm Marihuana für 1100 Euro gekauft.

Im aktuellen Prozess wird ihm vorgeworfen, den 21-Jährigen, der früher ebenfalls in Rethem gewohnt hat, in der Nacht zum 6. April 2020 nach Nienburg begleitet zu haben. Auf dem Parkplatz eines Pizzalieferdienstes soll die Übergabe der schwer psychisch kranken Frau erfolgt sein. Der Käufer soll geplant haben, Andrea K. als Zwangsprostituierte auszubeuten und dem 21-Jährigen bei dem Treffen 2 000 Euro gezahlt und ihm Drogenschulden in Höhe von 600 Euro erlassen haben. Drei Tage später soll der Nienburger die Frau gemeinsam mit zwei weiteren Beschuldigten ermordet haben.

Beide Angeklagte im aktuellen Prozess sind geständig. Die Frage der Schuldfähigkeit ist relevant für die zu verhängende Strafe. Bei dem 21-Jährigen, der schon mehrfach vorbestraft ist, ging es in dem Gutachten zugleich um die Frage, ob wegen einer etwaigen Drogensucht seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anzuordnen ist. Der psychiatrische Sachverständige Professor Dr. Kröber aus Berlin hat dies befürwortet.

Prostituiert haben soll sich Andrea K. freiwillig, aber abkassiert und ausgebeutet haben soll sie der 21-Jährige, so lautet der Vorwurf. Und dann habe er anscheinend die Rolle des „Mackers“ übernommen, der viel Geld hat und damit protzen kann. Als er eine Lösung suchte, die psychisch immer kränkere Andrea K. loszuwerden, „weil er merkte, dass er der Situation nicht mehr gewachsen ist“, sei er auf die Idee gekommen, sie zu verkaufen.

Drogenkonsum ja, „aber es ist nicht zu erkennen, dass es anders gelaufen wäre, wenn er keine Drogen genommen hätte“, verdeutlichte Körber. An die „fortlaufende Bedröhnung“ mit Drogen sei der 21-Jährige über Monate gewöhnt gewesen. Und eine solche habe schon „so manche Künstlerkarriere begleitet“, merkte der Berliner an.

Nach derzeitiger Planung soll bereits am 28. Januar in diesem Prozess die Staatsanwaltschaft plädieren. Der Mordprozess soll nach neuestem Stand frühestens am 8. Februar beginnen.  wb

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