Mutter von Mordopfer fordert Schmerzensgeld

Zugefügtes Leid mit einem Urteil deutlich machen

Rethem/Verden - Über eine außergewöhnliche Zivilklage hat die Zweite Zivilkammer des Landgerichts Verden zu entscheiden. In dem Prozess fordert eine Mutter Schmerzensgeld von dem Mörder ihrer Tochter. Die 23-Jährige war im September 2013 in einem Rethemer Getränkemarkt von einem Kollegen, der dort als Schüleraushilfskraft tätig war, getötet worden.

Strafrechtlich ist der Fall längst abgeschlossen. Im Oktober 2014 wurde der zum Tatzeitpunkt 18-Jährige wegen Mordes zu 13 Jahren Jugendstrafe verurteilt. Das Gericht hatte sich die anschließende Anordnung der Sicherungsverwahrung vorbehalten, was bis dato im Jugendstrafrecht einmalig gewesen sein soll.

Der Angeklagte war als besonders gefährlich eingestuft worden. Er hatte dem Opfer zig Stich- und Schnittverletzungen zugefügt. Viele dieser Wunden waren über das zum Töten erforderliche Maß hinausgegangen. „Er wollte ihr bewusst weitere Schmerzen und Leiden zufügen“, hieß es damals in der Urteilsbegründung. Die Kammer war der Einschätzung eines Sachverständigen gefolgt, der dem Angeklagten „sadistische Neigungen“ und „psychopathische Züge“ bescheinigt hatte.

25.000 Euro gefordert

Nun fordert die Mutter 25.000 Euro von dem Mann. Der sitzt in Haft, zum Tatzeitpunkt hatte er nicht mal eine Berufsausbildung. Selbst wenn die Mutter des Opfers den Prozess gewinnen sollte, erscheint es unwahrscheinlich, dass sie das Geld erhält. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. „Das ist ihr bewusst“, erklärte Rechtsanwalt Thomas Lasthaus, der die Mutter gemeinsam mit seinem Kollegen Dietmar Rossmann vertritt. „Es geht darum, dass man auch unter zivilrechtlichen Aspekten deutlich macht, welches Leid ihr zugefügt worden ist.“ Und auch ohne diese rechtliche Auseinandersetzung erinnere sie sich immer wieder an die Tat. „Das ist ein Brandmal auf ihrer Seele“, so Lasthaus.

Ein persönliches Erscheinen des inhaftierten Beklagten hat das Gericht bislang nicht angeordnet. Ein erneutes Zusammentreffen mit dem Mörder ihrer Tochter bleibt der Frau somit erspart. Sie selbst muss aber auch nicht persönlich anwesend sein. 

wb

Rubriklistenbild: © dpa

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