Häuslingen: Sebastian Nolewajka arbeitet mit einem Wildpferd aus Oregon für das Finale von Mustang Makeover

Die Zähmung der Stute „TAG 3 348“

Inzwischen ist das unsichtbare Band zwischen Pferd und Mensch geknüpft: Sebastian Nolewajka und sein Wildpferd „TAG 3 348“.

HÄUSLINGEN - Von Fred Raczkowski. Manchmal werden Träume wahr. Zum Beispiel für Sebastian Nolewajka: „Mal einen Mustang auszubilden, das war wirklich ein Traum von mir.“ Am 30. April ging der Traum auf dem Frankfurter Flughafen in Erfüllung. Dort nahm der 35-jährige Häuslinger als einer von 15 Toptrainern aus ganz Deutschland für die Aktion Mustang Makeover seine Stute mit der Bezeichnung „TAG 3 348“ aus Oregon in Empfang.

Die in Europa bisher einmalige Aktion will auf die Situation der amerikanischen Wildpferde aufmerksam machen: Rund 58 000 Mustangs leben im Westen der USA in freier Wildbahn, aber nur für 27 000 sind ausreichend Weideflächen vorhanden. Daher leben bereits 47 000 Mustangs in Auffangstationen und warten darauf, über ein Adoptionsverfahren in Privathände vermittelt werden zu können. Auf dem CHIO-Gelände in Aachen findet am Wochenende 5. und 6. August der große Abschlussevent dieser Aktion statt.

Dann zeigen Sebastian Nolewajka und seine 14 Kollegen, was mit pferdegerechter und partnerschaftlicher Ausbildung auch mit einem Wildpferd möglich ist. Dabei sehen die Veranstalter das Mustang Makeover als eine reine Pro-Pferd-Veranstaltung. Der Fokus des Wettbewerbes, so heißt es, liege auf Harmonie, Vertrauen und Fair Play. Damit sehen die Veranstalter ihr Mustang Makeover als echte Alternative zur Turnier- und Wettbewerbsszene.

Arbeitsplatz von Trainer Nolewajka ist das „Gut Allerwiesen“, die große Reitanlage von Kathrin Plewka und Peter Ebernickel an der Bockstraße in Häuslingen. Dort ist er auch für den „Heidehorsetrail“ veranwortlich, der Reiter aus ganz Deutschland zu wöchentlichen Kursen in Horsemanship anlockt.

Dazu kommt seit zweieinhalb Monaten nun noch die Arbeit mit Shy Milla, wie der Trainer seine Stute inzwischen nennt. Die ersten Tage mit „TAG 3 348“ waren besonders aufregend: „Sie hat vier Jahre in der Wildnis gelebt, keine Erfahrung mit Menschen. Sie hatte einfach nur Angst.“ Die Stute wollte beißen oder treten. Aber von Tag zu Tag wurde es besser: „Ich hatte am Anfang keine Chance, sie überhaupt nur anzufassen. Ich war einfach nur da, habe sie umsorgt, ihr Futter und Wasser gegeben.“

So gewöhnte sich Shy Milla langsam an ihren neuen Partner, den Menschen. Nach gut drei Wochen ließ sie sich das erste Mal berühren. Die Angst war weg, das unsichtbare Band zwischen Pferd und Mensch geknüpft. Dann folgte die Arbeit mit flatternden Planen, Luftballons, alles, was Pferden so Angst macht. Halfter anlegen, führen. Shy Milla machte ganz gelassen mit und präsentiert sich inzwischen als nervenstarker Partner des Menschen.

Als sie erstmals gesattelt werden sollte, zeigte Shy Milla aber noch einmal eindrucksvoll, wie sich ein richtiger Mustang gegen eine solche Zwangsmaßnahme wild bockend zur Wehr setzt. „Da war gerade ein TV-Team vom NDR da und hat es gefilmt“, erzählt Sebastian Nolewajka schmunzelnd. Der sehenswerte Beitrag vom 14. Juni („DAS!“ mit Ingo Zamperoni) ist in der NDR-Mediathek abrufbar. Für Interessenten: Die einzelnen Schritte ihrer Arbeit haben die 15 Trainer auch auf der Facebook-Seite von Mustang Makeover eindrucksvoll mit vielen Videos dokumentiert.

Gut vier Wochen später ist das Satteln kein Problem mehr. Der Mustang „TAG 3 348“ kann bereits problemlos im Schritt geritten werden. Noch knapp drei Wochen bleiben Sebastian und Milla, um es auch im Trab und Galopp zu können. Am Ende der Veranstaltung Anfang August in Aachen sollen die Pferde versteigert werden. Da wird der Häuslinger Trainer nachdenklich: „Am liebsten würde ich sie behalten.“

Tatsächlich habe sich das wilde Pferd aus der Weite Oregons in vielen Bereichen deutlich sicherer und nervenstärker als ein Hauspferd präsentiert. Dies merke man zum Beispiel auch beim Überwinden von Hindernissen in der Trail-Arbeit, berichtet der Trainer. „Sie reagieren ganz anders als unsere Hauspferde“, so Nolewajka über Mustangs. „Gefahr oder nicht? Das müssen sie in der Wildnis ganz schnell entscheiden. Hat sich etwas als ungefährlich herausgestellt, bleiben sie ruhig und nervenstark.“

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