CDU und SPD zur Bürgermeister-Stellenanzeige / „Neue Impulse gewünscht“

„Wir ziehen hier an einem Strang“

Der Arbeitsplatz des Samtgemeindebürgermeisters wird in der neuen Amtszeit das sanierte Rathaus sein.
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Der Arbeitsplatz des Samtgemeindebürgermeisters wird in der neuen Amtszeit das sanierte Rathaus sein.

Rethem – Ein gemeinsamer Kandidat von CDU und SPD soll im Herbst 2021 gegen den Amtsinhaber Cort-Brün Voige (CDU) antreten. Wie berichtet, haben die beiden Rethemer Parteien eine Stellenanzeige geschaltet, mit der sie nach einem geeigneten Kandidaten suchen. In einer kurzen gemeinsamen Presseerklärung informierten die Parteivorstände gestern über ihre Beweggründe, diesen ungewöhnlichen Schritt zu gehen.

„Im Sinne unserer Wähler und Mitglieder können wir uns der Kritik der Bürger nicht verschließen und nehmen seit mehreren Jahren wahr, dass neue Impulse für die Samtgemeinde Rethem gewünscht sind“, heißt es in dem Schreiben. „In den verschiedensten Bereichen haben viele Bürger festgestellt, dass ein neuer Kandidat, eine neue Kandidatin mit neuen Ideen frischen Wind in die Samtgemeinde bringen wird und sich die Menschen dann dabei auch mitgenommen fühlen.“

Unterschrieben ist die Stellenanzeige, die bereits vor mehreren Wochen online gestellt wurde, von Renate Rodewald, der Vorsitzenden des CDU-Samtgemeindeverbandes, und Jonas Wussow, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Rethem. Gestern stand für eine persönliche Stellungnahme nur Wussow zur Verfügung.

Für ihn sei der Schritt zu einem gemeinsamen Kandidaten eine ganz natürliche Entwicklung: „Zum einen ist die SPD bei den vergangenen Wahlen in Rethem mit einem eigenen Kandidaten immer gescheitert“, erklärt Wussow. Dennoch habe die SPD auch diesmal Gespräche mit potenziellen Bewerbern geführt, mit Bürgern, bei denen man sich eine Kandidatur habe vorstellen können. „Aber wir haben einen Korb nach dem anderen bekommen.“ Zum anderen habe die vergangene Wahlperiode gezeigt, dass CDU und SPD in Rethem ausgesprochen konstruktiv zusammenarbeiten können. Wussow erwähnt dabei das besondere Engagement der beiden Fraktionsvorsitzenden Ernst-Walter Vollmer (CDU) und Wolfgang Leseberg (SPD). Die Entscheidung, einen gemeinsamen Kandidaten ins Rennen zu schicken, sei deshalb nur folgerichtig. „Wir mussten da intern gar nicht lange diskutieren.“ Die SPD erhoffe sich, mit der Stellenanzeige „einen Bürgermeister zu finden, der unsere konstruktive Zusammenarbeit auch nach außen vertritt, der die Entwicklung der ganzen Samtgemeinde im Blick hat, der Rethem gemeinsam mit uns nach vorne bringen will, der da Lust zu hat und der die nötige Fachkenntnis mitbringt. Das Parteibuch spielt keine Rolle.“ Er persönlich ist davon überzeugt, dass die Samtgemeinde einen „Gestalter“ brauche. Das sehe er beim Amtsinhaber nicht.

Ob die gemeinsame Aktion der beiden Parteien bei der Bevölkerung gut ankommen wird, vermag Wussow nicht einzuschätzen. „Vielleicht denken viele, dass es toll ist, dass wir für Rethem alle an einem Strang ziehen. Vielleicht sind einige auch enttäuscht, dass wir als SPD keinen eigenen Kandidaten aufstellen.“

Wussow berichtet, dass es bereits Resonanz auf die Stellenanzeige gegeben habe. „Es liegen Bewerbungen vor.“ Ob ein geeigneter Kandidat dabei sei, wisse er noch nicht. „Wir werden uns das in aller Ruhe und ganz vernünftig anschauen.“ Und zwar erst nach Ende der Bewerbungsfrist, die bis zum 15. November laufe. Und dann sei immer noch nichts entschieden. „Letztlich haben immer die Mitglieder das letzte Wort und stimmen in der Nominierungsversammlung über ihren Kandidaten, ihre Kandidatin ab“, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung abschließend.

Auch Amtsinhaber Cort-Brün Voige hat sich gestern in einer Stellungnahme geäußert. Der Samtgemeindebürgermeister trägt die Entwicklung mit Fassung. „Ein großer Teil des Vorstandes der CDU sucht seit längerem einen alternativen Kandidaten“, schreibt er. „Im ersten Schritt wurde vor Ort gesucht, dann wurde im CDU-Karrierenetzwerk inseriert und nun gibt es seit Mitte Oktober eine überregional geschaltete Onlineanzeige gemeinsam mit der SPD.“ Er selbst habe dem Rethemer CDU-Vorstand im Oktober – vereinbarungsgemäß ein Jahr vor der Wahl – mitgeteilt, dass er sich eine erneute Kandidatur vorstellen könne und um Unterstützung gebeten. „Dazu wurde mir von der Vorsitzenden mitgeteilt, dass mehrere Mitglieder des engeren Vorstandes eine erneute Kandidatur meinerseits nicht unterstützen werden.“

Doch ganz ohne Rückhalt sieht sich der Verwaltungschef nicht: Viele Ratsmitglieder hätten ihm bestätigt, seine erneute Kandidatur zu unterstützten. „Aufgrund vieler positiver Rückmeldungen, gerade auch in den vergangenen Monaten, sehe ich meinen Rückhalt bei den Bürgerinnen und Bürgern in unseren 13 Orten nach wie vor als gut an. Dass es bei Ratsmitgliedern und Bürgern auch kritische Stimmen gibt, ist in der Position, die ich ausübe, völlig normal.“

Aufgrund der aktuellen Situation habe Voige sich noch nicht abschließend entschieden, ob er erneut für das Amt des Bürgermeisters kandidiere. „Dieses spannende und herausfordernde Amt habe ich im kommenden Jahr 15 Jahre inne. Derzeit kann ich mir weitere fünf Jahre gut vorstellen. Es ist vorab abzuwägen, ob es richtig ist zu kandidieren, oder ob ein Wechsel in dieser Position Vorteile für die Samtgemeinde bringen könnte. Auch meine persönliche Situation und die vorhandenen interessanten Optionen nach Ablauf der laufenden Amtszeit sind dabei zu bewerten.“

Viele Maßnahmen und Projekte, wie zum Beispiel die Innenstadtsanierung und die Dorfregion-Projekte, liefen derzeit „gut und in die richtige Richtung“. Diese könnten nahtlos und ohne weitere Einarbeitungszeit eines Nachfolgers fortgeführt werden. „Der laufende Prozess einer behutsamen aber klaren Neuausrichtung unserer kleinen Verwaltung hin zu einem zeitgemäßen und bürgerorientierten Dienstleister, der sich digital auf der Höhe der Zeit befindet, ist wichtig und komplex. Dieses sind nur einige der vielen Punkte die aktuell von mir und meinem Team in der Verwaltung geleistet und durch die gute Zusammenarbeit mit den Ratsmitgliedern recht geräuschlos umgesetzt werden.“

Von Reike Raczkowski

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