In der siebten Generation unterwegs: Scherenschleifer Charly Loritz im Heidekreis

„Will nichts anderes machen“

Fast wie aus längst vergangenen Tagen: Scherenschleifer Charly Loritz bei der Arbeit. Mit seinem seltener Gewerbe tingelt er durch die Lande. Zur Zeit ist er im Heidekreis zu finden. - Fotos: ah

Walsrode - Hörbar, aber nicht aufdringlich läuft das Aggregat, um die Schleifscheiben im Inneren des Fahrzeuges mit Energie zu versorgen. Umso deutlicher dringt dafür das gellende Kreischen von Schleifscheiben nach außen. Charly Loritz drückt eine Schere behutsam gegen das rotierende Blatt und seine, von einer Brille geschützten Augen verfolgen aufmerksam durch die sprühenden Funken die Veränderungen am Werkstück.

„Die sieht ja aus wie neu!“, freut sich die ältere Dame wenig später, als sie ihre Lieblingsschere wieder in Empfang nehmen kann. Älter als 50 Jahre sei das gute Stück, erzählt sie. „Das Material damals war deutlich hochwertiger als das der gegenwärtigen Billigprodukte“, klärt Scherenschleifer Charly Loritz auf.

Bis Sonnabend hatte der Scherenschleifer aus Euskirchen seinen Standort auf dem Trinkgut-Parkplatz in Walsrode bezogen. „Der Inhaber, Herr Dickhörner ist mir in den Bedingungen sehr entgegen gekommen“, freut er sich. Oft seien die Stellplätze nicht bezahlbar, erklärt Loritz, warum er diesen Standort für sein kleines Gewerbe gewählt hat.

Das eigentliche Einzugsgebiet des Scherenschleifers liege im Westfälischen, berichtet Loritz. Verwandtschaftliche Beziehungen gäben ihm die Möglichkeit, eventuell einen neuen Markt im Heidekreis zu erschließen, so seine Hoffnung. Und deswegen ist er auf die Unterstützung der heimischen Wirtschaft angewiesen. „Ideal sind Parkplätze der Supermärkte“, weiß er aus Erfahrung und gibt gerne seine Telefonnummer und E-Mail-Adresse bekannt: 0178/ 6987410 sowie mobile-schleiferei@web.de.

„Von Tür zu Tür gehe ich nicht“, stellt Loritz klar. Zu viele Menschen hätten negative Erfahrungen mit scherenschleifenden „Kollegen“ gemacht. Seine mobile Werkstatt positioniert er auf festen Stellplätzen, nachdem er vorher dafür geworben hat.

Je nach Material muss der Schleifer die Bearbeitung anpassen.

Dann werde er auch regelmäßig frequentiert. „Ich kann meine Rechnungen bezahlen und zum Essen reicht es auch“, schmunzelt Loritz mit einem Blick auf seinen Bauchansatz. Die Fertigkeit des Schleifens unterschiedlicher Werkzeuge – angefangen von Messern über Scheren bis hin zu Gartengeräten wie Rasenmäher – habe er vom Vater und Großvater gelernt und er betreibe das Handwerk in der siebten Generation. Nicht ohne Stolz erinnert er sich an Opas Pferdewagen.

Kritisch betracht Charly Loritz einige der Werkstücke, die er bearbeitet. Nicht jedes Messer lasse sich gleich gut schleifen, die Oberfläche einer Klinge gibt ihm Auskunft über die Beschaffenheit des Materials, ähnlich, wie die Maserung eines Brettes dem Tischler die Qualität des Holzes verrät.

Loritz kennt den Winkel, in dem er mit freier Hand die Klinge halten muss, und auch der Druck auf den Stein muss stimmen, sonst könnte das Metall ausglühen. „Ich will, dass meine Kunden wiederkommen“, begründet er sein Bemühen um eine gute Arbeit. Und deshalb rät er einem Interessenten auch schon mal von seiner Dienstleistung ab, wenn die Neuanschaffung eines Messers günstiger wäre.

Loritz freut sich, dass die Kochsendungen der zurückliegenden Jahre ihm neue Kunden zuführen. „Viele Leute möchten ein Messer wie Johann Lafer oder Tim Melzer haben“, hat er erfahren. Und somit gehören auch Gastronomiebetriebe zu seinem Kundenkreis. Schließlich wüssten Unternehmer dieser Branche, dass gut schneidende Besteckmesser die Gäste zufriedener machen.

Scherenschleifer Loritz möchte nie etwas anderes machen. „Ich sehe wöchentlich andere Kulissen und habe es mit einer Vielzahl unterschiedlicher Menschen zu tun“, freut er sich im Gespräch mit dieser Zeitung. Eine feste Werkstatt oder Ladengeschäft ist für ihn undenkbar.

Übrigens: vom 21. bis 23. Juli ist der Schleifer auf der Aral-Tankstelle in Hodenhagen zu finden.

ah

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