In der Saison kam einiges anders

Kirchwahlingen: Weniger Spargel, andere Erntehelfer

Spargelanbauer Steffen Meyer mit Spargelstangen an einem Spargeldamm.
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Der kühle April setzte dem Edelgemüse zu. Spargelanbauer Steffen Meyer (Bild) geht nicht mehr davon aus, die Vorjahresmengen könnten in diesem Jahr noch erreicht werden. Überhaupt musste er umdenken.

Kirchwahlingen – Die Ernte zu Ostern nennt er eine Katastrophe, die Ernte in den Folgewochen verhalten. Der Kirchwahlinger Spargelbauer Steffen Meyer geht zur Halbzeit der Spargelsaison nicht mehr davon aus, das Edelgemüse könne in der Region noch die Durchschnittserträge erreichen, die in vergangenen Jahren erzielt wurden. „Wenn ab jetzt alles einigermaßen normal läuft, werden wir vielleicht bei 80 Prozent der früheren Mengen landen“, sagt er auf Nachfrage.

Gleichzeitig wandelte sich das Kundenverhalten erneut. Und auch bei den Erntehelfern musste wieder einmal kurzfristig umgedacht werden.

Niedrige Temperaturen, große Regenmengen

Die Temperaturen im April deutlich unter dem Jahresmittel, die gigantischen Regenmengen, die in der zurückliegenden Woche gemessen wurden – leicht hatten es die weißen Stangen zuletzt nicht. Dafür erfreuten sie sich einer wachsenden Nachfrage, zumal eine Klientel zurückgekommen ist, die ursprünglich gar nicht mehr so richtig im Fokus stand. „Die Außengastronomie meldete Bedarf an“, sagt Meyer. Die Lockerungen, die seit vergangenem Montag gelten, schlugen sich beim Absatz nieder. Gleichzeitig stelle er eine deutliche Tendenz der Kunden zum Einkauf auf den Höfen fest. „Die Menschen wollen sehen, woher die Ware kommt, die sie servieren. Der Trend zum regional geernteten Lebensmittel ist ungebrochen.“ Außerdem habe sich der Besuch auf dem Spargelhof zum Ausflugsevent entwickelt.

Norddeutsche Erntehelfer sind ausgeblieben

Ein nächster Trend, noch zum Start der Saison heiß gehandelt, kam indes überhaupt nicht mehr zum Tragen. Auffällig oft erklang in der Vorsaison eine Mundart auf den Feldern, die früher fast als ausgestorben zwischen den Erdwällen galt. Das breite Norddeutsch. Und das hatte Gründe. Plötzlich standen sie nämlich nicht mehr zur Verfügung, die weitgereisten Gäste aus Rumänien oder aus Polen, coronabedingt nicht mehr zur Verfügung. Wer sie dennoch einsetzen wollte, musste ein Sitzplatzkontingent im Flieger ersteigern, und vermochte dennoch nicht alle Jobs zu vergeben. „Zum Glück erklärten sich Leute aus der Region bereit, diese Lücken zu füllen“, sagt Meyer. Der Glücksfall vom April und Mai vergangenen Jahres war auch diesmal erwartet worden. Studierende, Menschen aus der Gastronomie, sie blieben allerdings diesmal aus. „Kein einziger“, so Meyer.

Dabei wäre er darauf eingestellt gewesen. In den Unterkünften war eigens W-Lan verlegt. Einige Studierende, die sich ein bisschen Geld nebenbei verdienten, schrieben noch an ihrer Bachelor-Arbeit. Das werden sie künftig auch bei uns können, so die Idee.

Sogar der Öffentliche Personennahverkehr, sonst eher ein Stiefkind auf den weiten Flächen rund um Kirchwahlingen, erlebte einen Aufschwung. Ein Shuttlebus war zwischen den Bahnhöfen in Hodenhagen und Eystrup sowie den Spargelwällen auf den Weg gebracht.

Fast ausschließlich rumänische und polnische Kräfte

Die Realität sieht anders aus. Wie in Vor-Coronazeiten kommen jetzt nahezu ausschließlich rumänische und polnische Kräfte zum Einsatz. Das Gros hat eine Anreise von bis zu 2 000 Kilometern in den Knochen. Weit zwar, aber deutlich strukturierter als im vergangenen Jahr. Gastarbeiter müssen vor der Anreise einen negativen PCR-Test vorweisen. Angekommen, wandern sie zunächst in Quarantäne, ehe nach fünf Tagen weitere Testungen folgen. Alles eigens mit dem Gesundheitsamt des Heidekreises abgestimmt.

Maximal zwei Personen pro Zimmer

Auch die Unterkünfte auf dem Spargelgut Meyer haben kaum noch etwas mit der Spargel-Wohnromantik vergangener Jahre zu tun. Maximal zwei Personen pro Zimmer, das fand den Segen der Behörden und gilt für das Kirchwahlinger Unternehmen durchgängig während der ganzen Saison. Selbstverständlich trennen Glasscheiben die Arbeitsplätze, jeder Mitarbeiter verfügt über ein ihm zugeteiltes Fieberthermometer, gleichzeitig steht ihm ein Kontingent von 75 Masken und eine Reihe Schnelltests zur Verfügung. Ob das alles sein müsse, oder zuviel des Guten sei, oder vielleicht zu wenig, ließ Landwirt Meyer zu Beginn der Saison noch offen. „Klar, über die Sinnhaftigkeit der deutschen Regelungswut lässt sich streiten, über den Maßnahmenkatalog auch, aber so ist es nun mal.“ Inzwischen begann er sich mit der Treue zur Verordnung anzufreunden. „Es wäre fatal, bräche über uns ein Corona-Ausbruch herein.“ Er setze vor allem auf Tests. „Meinetwegen jeder Mitarbeiter jede Stunde“, sagt er, „Hauptsache, wir bleiben von Infektionen verschont.“

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