Leichtathlet Hartmut Kossel erinnert sich

Weggefährten

Senioren-WM in Durban/Südafrika. Rechs neben Hartmut Kossel (Mitte) Janis Lusis, der die Gelegenheit nutzte, den von ihm entwickelten Übungsspeer „Turbo Jav“ vorzustellen. Links Speerwerfer Tom Petranoff.
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Senioren-WM in Durban/Südafrika. Rechs neben Hartmut Kossel (Mitte) Janis Lusis, der die Gelegenheit nutzte, den von ihm entwickelten Übungsspeer „Turbo Jav“ vorzustellen. Links Speerwerfer Tom Petranoff.

Heidekreis – Hartmut Kossel wurde in diesem Jahr 80 Jahre alt. Der Dorfmarker Leichtathlet hat 60 Jahre lang in Folge im Heidekreis, aber auch auf nationaler und internationaler Ebene Wettkämpfe bestritten. Betroffen musste er in diesem Jahr feststellen, dass kurz nach seinem Geburtstag viele seiner über 80 Jahre alten Weggefährten gestorben sind.

Der Speerwerfer Janis Lusis, der Zehnkämpfer Willi Holdorf sowie der Speerwerfer und Fünfkämpfer Hermann Salomon waren zu Kossels bester Zeit sportliche Idole, die er persönlich kannte und jeweils einmal sogar besiegen konnte. Obwohl der Stellenwert der Leichtathletik stark gesunken ist, wurden die Leistungen dieser Legenden an verschiedener Stelle posthum gewürdigt.

Der Speerwerfer Janis Lusis starb am 19. April. Der Lette, der lange für Russland starten musste, nahm an vier Olympischen Spielen teil und holte Gold, Silber und Bronze. Mit 93,80 Metern stellte er einen neuen Weltrekord auf. Seit 2014 ist er in der „IAAF Hall of Fame zu finden.

Bei den Olympischen Spielen 1972 in München galt er als der unschlagbare Favorit, aber der Deutsche Klaus Wolfermann warf zwei Zentimeter weiter als er. In den Nachrufen wurde Lusis als „bester Speerwerfer aller Zeiten“ bezeichnet.

Harmut Kossel trat viermal bei Welt- und Europameisterschaften der Senioren gegen ihn an. 1991 in Turku, 1992 in Kristiansand, 1995 in Buffalo und 1997 bei der WM in Durban. Dreimal hatte Lusis das bessere Ende für sich, lediglich in Durban hieß es zum Schluss Lusis 50,44 Meter, Kossel 50,56 Meter. Kossel bezeichnet diesen Sieg als seinen größten sportlichen Erfolg. Die Siegerehrung fand erst am nächsten Tag mit einstündiger Verspätung statt, Lusis blieb trotzdem mit seiner Frau bis zuletzt, um seinem Bezwinger „vom Dorfe“ Ehre zu erweisen.

Am 5. Juli starb der Zehnkämpfer Willi Holdorf. Er holte bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio als erster deutscher Zehnkämpfer eine Goldmedaille. Hans-Joachim Walde vom TSV Dorfmark gewann Bronze. Zehn Meter vor dem Ziel des entscheidenden 1500-Meter-Laufes taumelte Holdorf und brach hinter der Ziellinie zusammen. Walde stützte ihn anschließend.

Nach seiner Wettkampfzeit betätigte Holdorf sich als Leichtathletik-, aber auch als Fußballtrainer (Fortuna Düsseldorf) und sogar als Bobfahrer. Kossel hatte Holdorf Jahre vor dem Olympiasieg bei einem Sportfest in Hamburg kennengelernt und traf ihn bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Göttingen wieder. Hier wurde Kossel Zweiter mit 3 300 Punkten, Holdorf wurde mit 2 987 Punkten abgeschlagen 15. Sechs Jahre später war es Holdorf, dem die Goldmedaille umgehängt wurde. In den 60er-Jahren trafen sich die beiden noch ein paarmal zusammen mit Achim Waldo und Hasso Kornemann bei Deutschem Mehrkampfmeisterschaften.

Der Speerwerfer und Fünfkämpfer Hermann Salomon starb am 11. Juni. Der aus Rotenburg stammende Professor der Uni Mainz war zusätzlich als Trainer tätig. Während seiner aktiven Zeit als Sportler, 83,48 Meter war seine Bestleitung, wurde er sechsmal Deutscher Meister im Speerwurf und fünfmal im Fünfkampf.

Bei Vergleichswettkämpfen der Gymnasien in der Leichtathletik und im Feldhandball, damals noch auf großem Feld, hatten die Walsroder und Rotenburger Gymnasiasten einander kennengelernt. Der Kontakt blieb, da Dorfmarker Leichtathleten an der Uni Mainz studierten. 1961 startete Salomon sogar bei einem Sportfest in Dorfmark und siegte mit 69,20 Metern. Er zeigte Kossel Übungsformen, die diesen voranbrachten. 1981 wurden Salomon und Kossel als namhafte Sportler zur Stadioneinweihung nach Rotenburg eingeladen. Der nicht mehr voll im Training stehende Salomon warf 53,64 Meter, Kossel legte 60,40 Meter vor.  bä

Bei einem Staffellauf von Hochschule und Universitäten in Berlin gewann das Team der Pädagogischen Hochschule Hannover. Über 30 Läufer wurden eingesetzt. Außer Kossel waren die Schwarmstedter Lehrer Heinz Schneider und Ernst Dettmer, der Hannoveraner offLehrer Rolf Festerling und der Rethemer Fritz Bätje am Start. Repros: Bätje

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