Hamburger Ruderer lieben Rethem

Wandertour: Aller statt Alster

Jochen Leitner zeigt Dankesurkunde und Clubwappen, die schon seit Jahrzehnten in der Gaststube auf die enge Verbindung zwischen Alster und Aller hinweisen.

Rethem - Ihr Ruderclub ist der älteste Deutschlands und hat sich für vier Millionen Euro an der Hamburger Außenalster gerade ein neues Bootshaus gebaut. Doch nicht nur die Alster ist ihr Revier: Seit über 25 Jahren gehört die Liebe einiger der rund 750 Mitglieder des Hamburger und Germania Ruderclubs auch dem Rethemer Allertal.

Jetzt trafen sie sich wieder zu ihrer traditionellen Wandertour auf der Aller und hoffen, dass es nicht bald vorbei ist: „Wenn die Aller-Schleusen wirklich schließen, dann können wir nicht mehr fahren.“ Denn dann müssten die Ruderer ihre schweren und rund zwölf Meter langen Boote auf der Strecke mehrfach umtragen. Das dürfte zu schwer werden für die mittlerweile 68 bis 80 Jahre alten Wassersportler aus der Hansestadt.

Hintergrund: Die Aller-Schleusen Bannetze, Oldau, Marklendorf und Hademstorf haben bisher den Wassersport auf der Strecke Celle-Rethem-Verden ermöglicht. Nach jahrelangen Diskussionen um den Fortbestand der Bauwerke hieß es zuletzt, dass die Schleusen außer Betrieb genommen werden sollen, sobald kostenintensive Instandsetzungsmaßnahmen anfallen.

Doch von dem drohenden Ende der Schleusen ließen sich die Hamburger Ruderfreunde nicht die gute Stimmung am Ende ihrer Wandertour vermiesen. Nach dem sportlichen Teil auf der Aller ist seit Jahrzehnten das Hotel Helms in Rethem das Ziel der Ruderer. „Dann gibt es immer Wild und wir lassen die Wochenendtour ganz gemütlich ausklingen“, berichtete Ruderfreund Jochen Leitner. Dass die Hamburger von der Rethemer Gastlichkeit sehr beeindruckt sind, belegen eine Dankesurkunde und ein Wappenteller des Hamburger Traditionsclubs an der Wand in der Gaststube.

In der Runde in Rethem wurde diesmal auch über die Club-Ereignisse in den letzten Wochen in Hamburg diskutiert. Denn der 1836 gegründete Club hatte nicht nur durch sein imposantes neues Bootshaus in der Hansestadt Schlagzeilen gemacht. Fast noch aufregender war ein anderes Ereignis: Erstmals in der 180-jährigen Geschichte des Clubs werden auch Frauen aufgenommen.

Die im Verein zunächst heftig umstrittene Neuerung hatte mit dem Neubau des Bootshauses zu tun. Für das Millionenprojekt war ein Bankkredit notwendig, für den die Stadt Hamburg bürgen sollte. Doch aus der Politik gab es eine Bedingung: „Ihr müsst künftig auch Frauen aufnehmen.“ Inzwischen habe der Club über 40 weibliche Mitglieder, berichteten die Gäste aus der Hansestadt, die nun auf eine Fortsetzung ihrer Touren nach Rethem auch in den nächsten Jahren hoffen. 

fra

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