Walsroder Wolfgang Heer wegen falscher Verdächtigung vor Gericht / Berufung verworfen

„Jagd ohne Ende, aber ohne Erfolg“

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Mediengruppe Kreiszeitung

Walsrode/Verden - Wegen falscher Verdächtigung musste sich gestern ein Geschäftsmann aus Walsrode vor dem Landgericht Verden verantworten. Allerdings konnte man den Eindruck gewinnen, dass der Grund für die Verhandlung in zweiter Instanz mehr in seiner Person lag als in dem Tatvorwurf. Bei dem Angeklagten handelte es sich um Wolfgang Heer.

Ursprünglich ging es um eine Ordnungswidrigkeit, begangen im Januar 2012 auf der A2 mit einem Firmenwagen des Angeklagten. Doch diese spielte in dem Prozess gar keine Rolle mehr. Geblitzt worden war Wolfgang Heer. Der Stadt Bielefeld war jedoch in einem Anhörungsbogen eine andere Person als Fahrer benannt worden.

Dieser Mann sei somit zu unrecht verdächtigt worden, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Doch Heer will den Anhörungsbogen weder ausgefüllt noch unterschrieben habe. Deshalb saß in erster Instanz neben ihm noch eine Büroangestellte mit auf der Anklagebank, die genauso wie er im März 2012 vom Amtsgericht Walsrode freigesprochen worden war.

Die Berufung richtete sich nur gegen Heer, der sich zu dem Ganzen nicht mehr äußern wollte. Sein Verteidiger Raban Funk verwies auf die Angaben in erster Instanz. Als einzige Zeugin wurde eine vom Landgericht beauftragte Schriftsachverständige gehört. Sie hatte ein Gutachten dazu erstellt, ob die Unterschrift auf dem Anhörungsbogen von dem Angeklagten stammt, was sich wegen der Kürze des Namens und Unauffälligkeiten in der Unterschrift als schwierig erwies.

Als Vergleichsmaterial lagen Unterschriften aus Anwaltsvollmachten und Hausdurchsuchungsbeschlüssen vor. Dass er dabei vor Aufregung anders als üblich unterschrieben habe, wies Heer von sich. „Bei 100 Hausdurchsuchungen ist mein Puls genauso ruhig wie vorher“, gab er der Oberstaatsanwältin zu bedenken. Im Ergebnis konnte die Sachverständige nicht sagen, ob die Unterschrift von Heer stammt. „Eher nein“, so ihre Einschätzung.

Oberstaatsanwältin Dr. Dagmar Schubert wollte die Berufung trotzdem weiter durchführen. Sie wertete das Ergebnis des Gutachtens als Pattsituation und beantragte eine Geldstrafe über 2100 Euro. „Es gibt keine Alternative, wer Interesse an den falschen Angaben gehabt haben sollte“, argumentierte die Juristin.

Funk beantragte, die Berufung zu verwerfen. Er wies darauf hin, dass es nicht Ziel eines Prozesses sei, einen Angeklagten zu überführen, sondern die Wahrheit herauszufinden. Heer hatte als Angeklagter das letzte Wort und wandte sich darin an die Oberstaatsanwältin: „Sie machen Jagd auf mich ohne Ende, aber ohne Erfolg.“ Er habe sicher keinen Heiligenschein, aber dies sei eine Lappalie. „Dass sie sich überhaupt als Oberstaatsanwältin damit befassen“, wunderte er sich.

Die Berufung der Staatsanwaltschaft wurde verworfen. „Der Angeklagte war aus tatsächlichen Gründen freizusprechen“, hieß es in der Urteilsbegründung. „Wir konnten nicht feststellen, dass er den Bogen ausgefüllt und unterschrieben hat“, sagte die Vorsitzende Richterin Andrea Ramsauer. Die Kosten des Verfahrens trägt die Landeskasse.

wb

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