Versammlung in Altenwahlingen

Land- und Forstwirtschaftlicher Verein Rethem: „Vergiftete Atmosphäre“

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Jochen Oestmann.

Altenwahlingen - Zu seiner Jahreshauptversammlung hatte der Land- und Forstwirtschaftliche Verein Rethem ins Gasthaus zur Linde in Altenwahlingen eingeladen. Der erste Vorsitzende Carsten Poppe begrüßte zahlreiche Mitglieder sowie eine große Anzahl von Gästen aus Politik und Wirtschaft.

Ihm, als Produzent von Hühnereiern, sei 2017 ein Ereignis ein besonderer Dorn im Auge gewesen: Der Skandal um die vergifteten Hühnereier. Überzogen und fast hysterisch hätten sowohl Medien als auch Verbraucher reagiert. Vor allem die „Sippenhaft“ habe mehr als einen Hühnerhalter zu Unrecht an den Rand des Abgrunds getrieben, kritisierte Poppe. Fibronil – schon das Wort habe Anlass zu Panik und zum Teil wüsten Beschimpfungen gegeben. Für ihn sei in diesem Zusammenhang deutlich geworden, dass man als Landwirt alles richtig machen könne und doch in eine Situation gerate, gegen die man sich nicht wehren könne.

Nach ihm ergriff Till-Erik Meyer aus Frankenfeld das Wort. Das vergangene Jahr teilte er in drei Abschnitte ein: Im ersten sei es recht turbulent zugegangen, der zweite sei eher normal, fast langweilig verlaufen, bevor es wieder etwas turbulenter geworden sei. Für die ersten Turbulenzen sei das Wetter verantwortlich gewesen. Die Ernte habe in etwa den Erwartungen entsprochen. Dann sei allerdings eine sehr emotional geführte, nicht immer sachliche gesellschaftliche und politische Debatte zum Thema Glyphosat in Gang gekommen. Diese habe die Gemüter bis hin nach Brüssel zum Kochen gebracht.

Zahlreiche Gäste und Mitglieder nahmen an der Versammlung in Altenwahlingen teil.

Jochen Oestmann, Vorsitzender des Landvolks, sprach von einer vergifteten Atmosphäre. „Diese Schlacht ist verloren“, lautete sein Kommentar. Als weitere Probleme, mit denen sich die Landwirte in Zukunft auseinandersetzen müssten, nannte er für die Region die neue Gülleverordnung und den „Südlink“. Aus politischer Sicht passiere zurzeit nur wenig, so Oestmann. In Berlin seien die Politiker dabei, zu sondieren. Sie seien offensichtlich nicht in der Lage, sich fachlichen Themen zu widmen.

Entspannter sah Oestmann die Zusammenarbeit mit der Landesregierung. Da wisse man, was zu erwarten sei. „Wir haben es dort mit Politikern zu tun, mit denen man reden kann.“ Sie rechneten mit neuen Erlassen zum Tierschutz, erwarteten aber, dass es eine Tierhalterqualifikation geben werde, die es ermögliche, profitabel zu sein.

2018 wolle man beim Tag des offenen Hofes wieder Präsenz zeigen, erzählte Oestmann. Noch suchten sie allerdings nach Betrieben, die mitmachen würden. Und noch etwas gab Oestmann den Anwesenden mit auf den Weg: „Die alten Zeiten sind vorbei, so wie bisher wird es nicht weitergehen.“ Nur wer bereit sei, neue Wege mitzugehen, werde überstehen.

Die Mitgliederzahl des land- und forstwirtschaftlichen Vereins Rethem sei 2017 von 187 auf 175 zurückgegangen, der Kassenbericht weise eine positive Bilanz auf.

Als Vertreter des Forstverbandes hatte Kai Hildebrandt nichts umwerfend Neues zu berichten. Trotz der Probleme mit dem Wetter, sei bei Holz kein Preisverfall zu verzeichnen gewesen. Er sprach von einem stabilen Niveau.

Samtgemeindebürgermeister Cort-Brün Voige lobte den interessanten Meinungsaustausch mit dem Verband, es gebe kaum Reibereien. Das Überpflügen von Seitenrändern sei kein gravierendes Problem, es sei denn, jemand nutze solch einen Verstoß, um gleich vor Gericht zu gehen. „Das kann man auch anders regeln“, sagte Voige. Ansonsten bezeichnete er die Landwirtschaft vor Ort als einen starken Faktor. „Wir wissen, dass wir mit Ihnen einen starken Partner haben“, schloss er. - bä

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