Verband fürchtet um Sicherheit / Kulturgruppe und Bürgermeister verständnislos

Keine Kunst auf dem Deich

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„Die Flusslandschaft ist Teil der Ausstellung“, sagt Anne Trebilcock und erinnert an Uwe Oswalds Skulptur 2013.

Wohlendorf - Einmal im Jahr, wenn der Verein WoDoHo im Sommer zur Ausstellung „Kunst auf dem Deich“ einlädt, wird der kleine Ort Wohlendorf zum Anziehungspunkt für Kunstliebhaber aus der näheren und weiteren Umgebung. Die Fortsetzung der erfolgreichen Reihe ist nach inzwischen neun Veranstaltungen jedoch unsicher. Grund: Der Deichverband Rethem-Wohlendorf sieht durch das Aufstellen von Skulpturen die Sicherheit des Deiches gefährdet.

Anne Trebilcock, Leiterin der für die Veranstaltungs-Organisation zuständigen fünfköpfigen Kulturgruppe des Vereins, berichtet, was sich seit 2013 hinter den Kulissen zugetragen hat. Seit 2006 gebe es die Ausstellung. Acht Jahre lang habe es keine Probleme gegeben.

„Objekte werden

bei Bedarf entfernt“

Im März 2013 habe ihr Mann Dieter Moll ein Schreiben vom Deichverband erhalten. Aufgrund der erschwerten Pflege im Bereich Wohlendorf könne die Deichanlage nicht mehr zu Ausstellungszwecken genutzt werden. Die dortige Skulptur solle abgeräumt werden. Da es sich um ein privates Kunstobjekt von ihnen gehandelt habe, hätten sie die Skulptur entfernt, sagt Anne Trebilcock.

Die Ausstellung für 2013 war schon öffentlich angekündigt. Deshalb hätten sie noch einmal eine Genehmigung erhalten, Kunstwerke aufzustellen. Der Verbandsvorsitzende Heinz Uelzen habe geschrieben, dass eine Empfehlung an den Deichausschuss, weitere Ausstellungen zuzulassen, nicht von ihm kommen werde.

Im Januar hätten sie von einer Ausschusssitzung des Deichverbandes im November erfahren, auf der beschlossen worden sei, künftig keine Sondernutzung der Deichanlagen mehr zu gestatten. Hochwasserschutz und Sicherheit hätten absoluten Vorrang. „Wir wussten nicht, dass das Thema behandelt werden würde, sonst hätten wir das Gespräch gesucht“, sagt Anne Trebilcock.

„Wir stellen nicht in Frage, dass der Deich unterhalten werden muss.“ Sie hätten angeboten, die Gegenstände, wenn für Pflegearbeiten oder in Gefahrensituationen notwendig, vom Deich zu entfernen. Sie verstehe nicht, warum im Bereich des Londyparks Bänke und Schilder auf dem Deich stehen dürften – das ganze Jahr über und nicht nur drei Wochen lang.

Mehrmals habe der Verein das Gespräch gesucht und um eine Sondergenehmigung gebeten. Vergebens.

„Wir können das nicht verstehen“, fasst Anne Trebilcock die Stimmung in der Kulturgruppe zusammen. „Die Flusslandschaft ist Teil der Ausstellung.“ Ohne den Deich hätten einige der Arbeiten nicht den gewünschten Effekt gehabt. Zum Teil hätten die Künstler extra für diesen besonderen Standort gearbeitet. „Es wird Kunst mit Anspruch gezeigt. Die Besucher setzen sich mit den abstrakten Arbeiten auseinander.“

Zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Veranstaltung hätten im kommenden Sommer alle zehn bisher beteiligten Künstler ausstellen sollen. „Wir wollten etwas Besonderes machen.“ Es habe den Gedanken gegeben, eine Verbindung zwischen den Kunstwerken auf dem Deich am Londypark und in Wohlendorf herzustellen. Doch die Hoffnung, diese Veranstaltung organisieren zu können, habe sich in einem letzten Gespräch am Mittwoch zerschlagen. „Wir denken, mit etwas gutem Willen hätte es klappen können. Echt schade.“

„Absprachen behindern

Unternehmer“

In der kommenden Woche werde die Kulturgruppe noch einmal tagen und überlegen, was sie in Zukunft machen wolle, so Anne Trebilcock. „Es war immer Spaß für uns und plötzlich ist es nur noch Ärger.“

Dieter Moll, der „Kunst auf dem Deich“ mit ins Leben gerufen hat, äußert sich wie folgt: „Ich verstehe das Ganze nicht. Die Ausstellungsreihe hat auch mit der Attraktivität der Stadt Rethem zu tun.“

Im Juli werde der Deich nicht gemäht. Und selbst wenn, dort, wo die Skulptur hätte stehen sollen, übernähmen das die Eigentümer, erzählt Moll.

Rethems Bürgermeister Frank Leverenz äußert ebenfalls „absolutes Unverständnis“. Es wäre gut, wenn eine vernünftige Lösung gefunden würde. Er bezeichnet den Konflikt als Machtspielchen. Unter dem Strich leide eine Gruppe, nämlich der Verein. Die Einwohner der Orte Wohlendorf, Donnerhorst und Horst identifizierten sich inzwischen mit dem Projekt. Formalistische Grundhaltungen machten eine Arbeit kaputt, von der die Allgemeinheit nur profitieren könne. Er erinnert an die Vereinbarungen, die mit Bürgermeister Rainer Schmuck 2005 getroffen wurden und fragt, ob diese nichts mehr wert sind. Die wenigen Skulpturen könnten in einem Notfall problemlos abgebaut werden. Das Ganze sei sehr entmutigend für die Ehrenamtlichen.

Der Verbandsvorsitzende Heinz Uelzen sagt, dass die Entscheidung im Rahmen der Ausschusssitzung ziemlich eindeutig gefallen sei. „Es ist wichtig, die Deichpflege vernünftig durchführen zu können.“ Es gehe um Dünge- und Mäharbeiten. Sie hätten einen Unternehmer, der sich um die Deichpflege kümmere. „Dem wollen wir keine Steine in den Weg legen.“ Es wäre nicht richtig, wenn er erst Absprachen treffen müsste, wenn er arbeiten wolle.

sal

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