Premiere im ausverkauften Burghof:

Revue zur Buchvorstellung von Heinrich Thies

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Johnny Groffmann (l.) und Autor Heinrich Thies führten mit Erzählungen, Rezitationen und Liedern aus dunkler deutscher Zeit durch das Programm im Rethemer Burghof.

Retherm - Von Fred Raczkowski. Die Geschichte der ungleichen Schwestern, der Kinolegende Marlene Dietrich und ihrer älteren Schwester Elisabeth, stand im Mittelpunkt einer Premiere im Burghof:

Heinrich Thies hatte Rethem als ersten Ort für die Vorstellungstour seines soeben erschienenen Buches ,,Fesche Lola, brave Liesel – Marlene Dietrich und ihre verleugnete Schwester“ gewählt. Vor ausverkauftem Haus präsentierten Thies und Musiker Johnny Groffmann eine mitreißende Revue, einen Hörgenuss der besonderen Art.

Denn es wurde nicht nur gelesen und erzählt. Die bekanntesten Lieder der Filmdiva, von „Lilli Marleen“ und „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ bis zu „Sag mir, wo die Blumen sind“ aus den Nachkriegsjahren wurden schwungvoll von Thies und Groffmann vorgetragen und teilweise auch vom Publikum mitgesungen.

Die femme fatale, die alle haben konnte

Der Vamp Marlene, die femme fatale, die alle haben konnte, Männer und Frauen. Sie hatte Affären mit Gary Cooper, Yul Brunner und mit Edith Piaf. Der Weltstar, schon zu Lebzeiten zur Legende geworden, die Nazi-Gegnerin, die nach Hollywood gegangen war und in US-Uniform vor amerikanischen Soldaten sang: Ja, sie hatte eine Schwester. Und die Elisabeth, die Liesel, war so ganz anders. Brav und – im Gegensatz zu Marlene – fleißig in der Schule, wurde Lehrerin und heiratete schließlich einen Mann namens Georg Hugo Will. Ein umtriebiger Mensch, der sich schnell mit den Nazis arrangierte und damit beauftragt wurde, seine Schwägerin, den Weltstar Marlene Dietrich, aus Hollywood zurück ins Reich zu holen.

Daraus wurde nichts, aber die Nazis zeigten sich dennoch dankbar. Will durfte drei sogenannte Truppenkinos betreiben. Eines davon stand in Bergen-Belsen. Thies: „Ein Riesending mit 2 000 Plätzen, ein richtiger Palast.“ Dort in der Kaserne ließen sich nicht nur Wehrmachtssoldaten unterhalten, sondern auch die Wachmannschaften des KZ Bergen-Belsen, das sich in der Nähe befand.

Restlos ausverkauft war am Freitagabend die Premiere der Revue für die Buchvorstellung im Rethemer Burghof. 

Kurz vor der Kapitulation im Mai 1945 bekam Marlene die Nachricht, dass sich ihre Schwester im KZ Bergen-Belsen befinde. Sie war entsetzt und reiste schnell vor Ort. Ihr Entsetzen wurde aber noch größer, als deutlich wurde, dass Elisabeth kein KZ-Häftling in Belsen war, sondern im Gegenteil vom Schreckensregime der Nazis profitiert hatte. Eine solche Schwester passte nicht zum Mythos der großen Nazi-Gegnerin: Bis zu ihrem Tod 1992 hat Marlene Dietrich die Existenz ihrer Schwester konsequent verleugnet. Thies: „Sie hat aber immer Kontakt zu ihr gehabt, viele Briefe geschrieben.“ Und sie hat ihre Schwester auch finanziell großzügig unterstützt.

Es sei wohl eher Schweigegeld gewesen, meint Heinrich Thies, der in seine Recherchen auch bisher unveröffentlichte Briefe des ungleichen Geschwisterpaares einbezogen hat. Denn für die Leistungen habe es eine klare Bedingung gegeben: Niemals, in keinem Fall habe Elisabeth mit Journalisten sprechen dürfen.

Über 400 Seiten

So unterschiedlich ihr Leben war, das Ende der beiden Schwestern war gleichermaßen tragisch. Seit Jahren völlig zurückgezogen lebend, starb Marlene Dietrich mit 90 Jahren in ihrer Pariser Wohnung, einsam, alkohol- und medikamentenabhängig. Ihre Schwester Elisabeth war schon 1973 bei einem Unfall in ihrer Wohnung am Kreuzweg in Bergen ums Leben gekommen: Sie hatte vergessen, einen Tauchsieder aus der Steckdose zu ziehen. Durch die Hitze wurde eine Plastikablage in Brand gesetzt und schließlich fing auch Liesels Nachthemd aus Polyester Feuer. Heinrich Thies: „Ein grausamer Tod.“

Das gerade erschienene Buch dokumentiert auf über 400 Seiten eindrucksvoll die außergewöhnliche Beziehung der beiden ungleichen Schwestern, die sich in ihren Briefen „Pussycat“ und ,,Liesel“ nannten. Marlenes letzter Film (1979) hieß übrigens „Schöner Gigolo, armer Gigolo“. Dort musste sie auch den Titelsong singen, den sie eigentlich hasste. Für Heinrich Thies sind die letzten Zeilen so etwas wie eine treffende Zusammenfassung ihres Lebens: „Wenn das Herz dir auch bricht, zeig ein lachendes Gesicht – man zahlt, und du musst tanzen.“

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