49 Jahre alte Rethemerin drei Jahre unter Bewährung / 150 Stunden gemeinnützige Arbeit

Unbezahlte Geldstrafe als Rettung

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Rethem/Verden – Nicht bezahlte 20 Euro Geldstrafe haben eine 49 Jahre alte Angeklagte aus Rethem vor dem Gefängnis bewahrt. Zu drei Jahren und drei Monaten Haft wegen 17 Fällen des Betrugs und einem Diebstahl war die Frau im Mai 2019 verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hat auf die Revision der Angeklagten das Urteil insoweit aufgehoben, dass wegen der noch offenen Geldstrafe zwei Strafen hätten verhängt werden müssen. Auf 17 und 23 Monate lautete das gestern verkündete Urteil in einem neuen Prozess gegen die Frau am Landgericht Verden, und bei dieser Höhe kam auch wieder eine Strafaussetzung zur Bewährung in Betracht.

Die Frau hatte in den Jahren 2013 bis 2017 über ein Datingportal im Internet Männer im fortgeschrittenen Alter kennengelernt. Sie verwendete stets falsche Namen, ihre finanziellen Probleme, mit denen sie die Herzen der Männer erweichte, waren echt. Damit „leierte“ sie den Herren ordentlich Kohle aus den Rippen. 13 070 Euro wurden im ersten Prozess festgestellt.

Dass sie die Männer „ausgenommen“ habe, sei „ein bisschen richtig und ein bisschen falsch“, so die Rethemerin gestern auf die Frage des Vorsitzenden Richters Markus Tittel. „Die haben mir teilweise Geld angeboten und sich viel von mir versprochen“, erklärte sie. „Klar, ich habe nach Geld gefragt, aber ich habe nicht einen Diebstahl gemacht. Da fühle ich mich ungerecht verurteilt.“ Freiwillig hätten sie ihr Geld gegeben. „Der eine geht mit mir in den Keller. Da ist ein großer Schrank. Zig 500er drin. Er sagt 20 000, aber das waren mindestens 100 000 Euro. Die hätte ich ja nehmen können“, argumentierte die Rethemerin. Dass nicht jeder der Männer so vermögend war, machte der Vorsitzende deutlich und sprach später in der Urteilsbegründung von einer „fiesen Abzocke“.

Bindend waren für die gestrige Entscheidung der 4. Großen Strafkammer die Einzelstrafen, wie sie die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Verden mit Urteil vom 10. Mai 2019 für jede einzelne Tat festgestellt hat. Daraus zu bilden ist immer eine Gesamtstrafe, nach bestimmten rechtlichen Vorgaben. Wie jedoch der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshof auf die Revision der Anklagten mit Urteil vom 21. Januar 2020 festgestellt hat, war einem Urteil des Amtsgerichts Leipzig vom 30. Dezember 2015 „keine zäsurbildende Wirkung beigemessen“ worden. Dort war die Frau wegen Betrugs zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Weil sie über das Internet-Auktionsportal Ebay einem Mann eine bereits geklebte Vase als „top Ware“ verkauft hatte.

Von den 900 Euro Geldstrafe waren noch 20 Euro offen, die das Amtsgericht als „nicht vollständig verstreckbar“ abgehakt hatte. Die Begründung: Der Tagessatz lag höher. Doch das Urteil lag mitten im Zeitraum der 18 Taten im Verdener Prozess, und somit hätten, wie damals schon von Verteidiger Torben Müller beantragt, zwei Strafen verhängt werden müssen. Für eine Strafaussetzung zur Bewährung sprach sich gestern auch der Staatsanwalt aus. Statt im Gefängnis zu sitzen, muss die Frau nun noch zusätzlich 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und steht drei Jahre unter Bewährung.  wb

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