Kriminaltechnisches Labor der Polizeiinspektion Heidekreis bietet viele Möglichkeiten

Dem Täter auf der Spur

Kathleen Schwarz zeigt den Aufsatz, mit dem Leukokristallviolett auf Wände und Flächen gesprüht wird. - Fotos: Elling

Soltau - Befinden sich auf dem Schraubendreher oder dem Geldschein Fingerabdrücke? Hat der Täter womöglich DNA-Spuren hinterlassen? Diesen und anderen Fragen gehen die Kriminaltechniker der Polizei nach. In Soltau steht den Mitarbeitern der Polizeiinspektion Heidekreis hierfür ein neues, 250 Quadratmeter großes Labor zur Verfügung, das vor einer Woche offiziell eröffnet wurde.

Leiterin Kathleen Schwarz präsentiert stolz die Möglichkeiten, die die vier Kriminaltechniker in Soltau, einer arbeitet zudem in Walsrode, jetzt haben.

In erster Linie hätten sie es mit Spurenträgern zu tun, sagt Schwarz. Als Beispiel nannte sie den klassischen Schraubendreher. Wenn dieser als Tatwerkzeug in Frage komme, sei er bisher zum LKA nach Hannover geschickt worden, die ihn auf Fingerabdrücke und DNA-Spuren untersucht hätten. „Zwar konnten wir auch bislang daktyloskopische Spuren (Fingerabdrücke) sichern, doch dabei haben wir DNA-Spuren vernichtet.“ Dank des Cyanacrylat-Bedampfungsschrankes habe sich die Situation nun geändert, erzählt Schwarz. In diesem werde Sekundenkleber verdampft und schlage sich als weißer Film über die Spur. Alles laufe vollautomatisch. Fingerabdrücke würden sichtbar und könnten fotografiert werden. Um den Schrank anschließend DNA-frei und wieder einsatzbereit zu bekommen, werde UVC-Beleuchtung eingesetzt.

Werde der Kleber anschließend mit einem Wattestäbchen und Aceton entfernt, werde möglicherweise vorhandene DNA mit abgetragen. „Wir schicken das Wattestäbchen dann zum LKA“, beschreibt Schwarz das Vorgehen. In Soltau kümmerten sie sich weiter um die daktyloskopischen Spuren.

Der Vorteil des Verfahrens sei der große Zeitgewinn. Hätten sie den Schraubendreher nach Hannover geschickt, hätte die Auswertung ungefähr ein Jahr gedauert, erzählt Schwarz. „Jetzt liegen die DNA-Ergebnisse in drei Wochen vor.“ Gerade im Bereich der Massenkriminalität sei dies von Vorteil.

Der neue DNA-Trockenraum diene dazu, beispielsweise durchnässte oder blutdurchtränkte Bekleidungsgegenstände zu trocknen, aber auch für Matratzen sei er geeignet, erzählt Schwarz. Feuchte Gegenstände in Plastik zu lagern, biete sich nicht an.

Fingerabdrücke auf saugenden Dingen, beispielsweise Papier, können im Ninhydrin-Abzugsschrank sichtbar gemacht werden. Dieser komme beispielsweise bei Drohbriefen, Falschgeld oder Vertragsunterlagen zum Einsatz, so Schwarz. Das Papier werde gebadet und unter dem Abzug getrocknet. Spuren würden als Niederschlag sichtbar. Anschließend komme das Papier für zwei Tage in den Klimaschrank, um die Fingerabdrücke besonders auszuprägen, erklärt Schwarz. Nach dem Fotografieren werde der Spurenträger eingeschweißt, bevor er zur Akte kommt. „Er dünstet immer noch aus.“

Für Fälle, bei denen das klassische Fingerabdruckpulver zum Einsatz komme, steht den Kriminaltechnikern nun ein neuer Abzugsschrank zur Verfügung, der die Luft nach unten absaugt. Das Einatmen des Pulvers sei nicht gesundheitsförderlich, sagt Schwarz. Vorher habe es sich oft auf den Ablagen im Labor verteilt.

Leukokristallviolett ist ein Verfahren, das an Tatorten angewendet wird, erklärt Schwarz. Es werde ähnlich wie mit einer Airbrush-Pistole unter Atemschutz auf Wände und Flächen aufgesprüht und mache Blutspuren sichtbar, die vorher kaum erkennbar gewesen seien. Vorher sei diese Methode nur von Hannover angeboten worden. Die dortigen Kriminaltechniker seien dann an den Tatort gekommen. Die Polizeiinspektion Heidekreis sei die einzige in der Polizeidirektion Lüneburg, die Leukokristallviolett zur Verfügung habe. Es werde bei herausragenden Sachen, in der Regel bei Morden, angewendet.

Zwei Wochen lang hatten Besucher die Möglichkeit, sich die Räumlichkeiten anzuschauen. Gerade der DNA-Bereich darf nun aber, nach einer gründlichen Reinigung, nur noch von den mit Schutzkleidung ausgerüsteten Mitarbeitern betreten werden.

Die fünf zertifizierten Kriminaltechniker im Heidekreis fahren an Tatorte und sind im Labor tätig. „Spuren finden und sichern. Das ist es, was die Arbeit spannend macht“, sagt Schwarz. - sal

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