Rethem: Politik, Verwaltung und Wirtschaft wollen künftig besser zusammenarbeiten

Steuern als Standortnachteil

Sie vertraten Politik und Verwaltung (von links): Samtgemeindebürgermeister Cort-Brün Voige und Erster Kreisrat Oliver Schulze, rechts Frank Leverenz, Bürgermeister der Stadt Rethem.

Rethem - Hohe Gewerbesteuern und ebenso hohe kommunale Abgaben schrecken oftmals Unternehmer ab, sich in Rethem anzusiedeln. Diese Annahme wurde am Montagabend im Hotel Helms auf einer Veranstaltung zum Thema Wirtschaftsstandort Samtgemeinde Rethem geäußert. Diskutiert wurde, ob man die Steuern senken sollte oder was sonst noch zur Verbesserung der Standortqualität beitragen könnte.

Von der Handwerkskammer waren Jörg Steinborn (links) und Frank Ahlborn (stehend) dabei, rechts Heiner Gümmer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Rethem. - Fotos: Fred Raczkowski

Gemeinsam hatten der Verein für Handel und Gewerbe (Werbegemeinschaft) und die Samtgemeinde Rethem zu dem Treffen eingeladen. Im Mittelpunkt stand ein Austausch mit zwei Vertretern der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Frank Ahlborn, Leiter Wirtschaftspolitik, und Planungsbeauftragter Jörg Steinborn versuchten, mit den Teilnehmern der Gesprächsrunde gemeinsam Ansätze zur Verbesserung der Standortattraktivität für die Gewerbebetriebe in der Samtgemeinde zu entwickeln. Neben den Vertretern der Handwerkskammer standen Erster Kreisrat Oliver Schulze vom Landkreis, Heiner Gümmer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, und Samtgemeindebürgermeister Cort-Brün Voige für Auskünfte und Fragen zur Verfügung. Heiner Gümmer: „Die Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung könnte noch verbessert werden.“

Egra-Geschäftsführer Dieter Moll kritisierte vor allem die hohen Gewerbesteuern („Der höchste Hebesatz in ganz Niedersachsen“). Wegen der hohen kommunalen Abgaben habe er bereits einige Absagen von Interessenten erhalten. Werner Bergmann, Inhaber von Bergmann-Laser-Technik und Nachbar der Egra am ehemaligen Toschi-Areal, pflichtete dem bei: „Wie hoch sind die Sätze bei euch, danach wird immer zuerst gefragt.“ Auch hohe Kindergartengebühren seien für ansiedlungswillige Unternehmer mit Kindern nicht gerade eine Einladung, nach Rethem zu kommen.

Verwaltungschef Voige konterte, es hätten ja einige Teilnehmer der Runde im Rat gegen die Steuersätze stimmen können. Wolfgang Leseberg, SPD-Ratsherr und als ehemaliger Verdener Stadtkämmerer mit der Problematik bestens vertraut, empfahl so etwas wie ein Umdenken: „Langfristig kann man durch die Senkung des Gewerbesteuersatzes auch als Kommune höhere Einnahmen erzielen: Wenn sich mehr Betriebe ansiedeln, gibt es zusätzliche Steuereinnahmen.“

Während es in Rethem nicht einfach ist, Interessenten für eine Ansiedlung zu finden, scheint es im Kreisgebiet richtig zu brummen. So sieht es jedenfalls Oliver Schulze, der über die Ansiedlung mehrerer Logistikbetriebe in letzter Zeit berichtete. Ein Unternehmer habe ihm gesagt, dass er sich besonders darüber freue, an nur einem Tag alle Genehmigungen vom Kreis erhalten zu haben, so etwas habe der noch nie erlebt.

Bei den Teilnehmern in Rethem hielt sich die Begeisterung über diese Aussage jedoch in Grenzen: „Dann weiß ich jetzt ja, warum ich 16 Wochen auf meine Genehmigung warten musste“, war die trockene Entgegnung von Jochen Oestmann aus Rethem. Und Hans-Dieter Orlovius aus Bosse setzte noch eins drauf: Sieben Jahre habe er gebraucht, um die Genehmigung für sein Wasserkraftwerk zu bekommen.

Oliver Schulze bot an, dass man sich bei Problemen möglichst direkt an ihn wenden solle, das persönliche Gespräch sei wichtig, die Zeiten obrigkeitsstaatlicher Verwaltung beim Kreis „definitiv vorbei“.

Am Ende der Versammlung wurde vereinbart, auf einer zweiten Sitzung eine Problemanalyse im Detail vorzunehmen. Nach Meinung von Moll wäre eine zielorientierte Projektplanung wichtig: „Uns fehlt eine klare Zielsetzung, wir arbeiten bisher nur Missstände ab.“ - fra

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