Staatsanwalt: Freispruch wäre „Supergau für die Justiz“

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Walsrode/Rethem/Verden – Exakt zehn Monate nach dem Prozessauftakt wurden die Schlussvorträge im Verdener Landgerichtsprozess gegen drei Angeklagte aus Walsrode, Rethem und Hodenhagen gehalten. Es wirkte wie eine Abrechnung der Juristen, in der es längst nicht mehr nur darum ging, ob sich die Angeklagten strafbar gemacht haben.

Das Urteil steht noch aus, aber Oberstaatsanwalt Dr. Jörg Hennies sagte zu Beginn seines Plädoyers voraus, dass es auf Freispruch lauten würde. Aus seiner Sicht wäre das aber „ein großes Unrecht“ und „ein verheerendes Signal für die gesamte Gemeinschaft in Walsrode“.

Der 38 Jahre alte Angeklagte aus Walsrode hatte an den Verhandlungstagen zuvor komplett zum Vorwurf des Handeltreibens mit Kokain und der Hehlerei geschwiegen. Sein 35 Jahre alter Bruder aus Rethem, dem Hehlerei und Bedrohung des dritten Angeklagten vorgeworfen wird, hat sich zwar geäußert, war aber nicht geständig.

Im Prozess geschwiegen hat auch der wegen Beihilfe angeklagte 24-Jährige aus Hodenhagen. Dabei hatte er mit seinen früheren Aussagen die Brüder hinter Gitter gebracht.

Der 35-Jährige saß rund acht Monate in Untersuchungshaft. Sein älterer Bruder 14 Monate. Wenn jemand nach so langer Zeit in Untersuchungshaft freigesprochen wird, „ist das der Supergau für die Justiz“, so der Oberstaatsanwalt. „Chapeau an die Verteidiger“, so Hennies. „Sie haben es gut hinbekommen, alle belastenden Zeugen wegzubeißen.“ Allen voran den Ermittlungsführer der Polizei.

In der Tat hatten sich die Verteidiger diesen zur Brust genommen. Über Tage musste sich der Ermittler kritischen Fragen stellen. Nachdem der 38 Jahre alte Angeklagte aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, hatte keiner der fünf Verteidiger noch eine Frage.

Der Staatsanwalt machte seine Verärgerung über die Kammer deutlich. „Im Keller einer Person, die Hartz IV bezieht und mehrfach wegen Hehlerei vorbestraft ist, werden Dutzende gebrauchte Werkzeuge gefunden, von denen einige nachweislich gestohlen sind“, so Hennies. Doch die Kammer ziehe es in Betracht, dass das Werkzeug vom Flohmarkt stammen könnte.

Dann holten die fünf Verteidiger verbal aus. Es sei kein Supergau, sondern ein „Ruhmesblatt“, wenn nach 14 Monaten Untersuchungshaft die Kammer den „Fehler“ mit einem Freispruch korrigiere. Der Ermittlungsführer der Polizei habe den 24-Jährigen unter Druck gesetzt. Er „hasse den 38-Jährigen“ und habe jegliche Distanz verloren. Dabei werde er vom Oberstaatsanwalt unterstützt.

„Kumpanei“, das war ein weiterer Vorwurf neben Lügen und unvollständigen Akten.

Fünf Jahre Haft wegen 42 Fällen des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und gewerbsmäßiger Hehlerei beantragte der Staatsanwalt für den 38-Jährigen. 1 200 Euro Geldstrafe wegen Bedrohung und Beihilfe zur Hehlerei solle der Bruder zahlen und im Fall des 24-Jährigen beantragte er wegen Beihilfe zum Drogenhandel und der Hehlerei zwei Jahre auf Bewährung. Alle fünf Verteidiger beantragten Freispruch.

Das Urteil soll am Freitag, 9. Oktober, um 11 Uhr, verkündet werden.  wb

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