Wolfstour am Rethemer Burghof eröffnet / „Er polarisiert und fasziniert“

Auf der Spur eines Raubtieres

Das Band ist durchschnitten, die Wolfstour damit eröffnet: Friedrich-Wilhelm Koop (Bürgermeister Samtgemeinde Heemsen), Ulrike Wiechmann-Wrede (Ahlden), Cort-Brün Voige (Rethem), Alexander von Seggern (Dörverden) und Frank Faß vom Wolfcenter (v.l.). - Foto: Raczkowski

Rethem - Der Wolf ist zurück. „Und er polarisiert und fasziniert zugleich“, stellte Rethems Samtgemeindebürgermeister Cort-Brün Voige heute im Burghof fest. Voige und seine Amtskollegen aus den Nachbargemeinden, Vertreter touristischer Organisationen und Frank Faß vom Wolfcenter Dörverden eröffneten den neuen Radrundweg, der rund 90 Kilometer durch die Region führt. Die Wolfstour ist zugleich eine Themenroute mit vielen Hinweistafeln mit Infos rund um den Wolf.

Bevor es in einzelnen Gruppen auf die 18 Kilometer lange Teilstrecke zum Wolfcenter in Dörverden ging, konnten sich die Radler erst einmal bei einem kräftigen Eintopf aus der Gulaschkanone stärken. Und sie erfuhren auch eine Menge über jenes Großraubtier, dessen Wiederkehr zu heftigen Diskussionen geführt hat.

Bei der Begrüßung der Gäste setzte sich Cort-Brün Voige für eine sachliche und objektive Auseinandersetzung mit dem Thema Wolf ein und regte zum Nachdenken an: „Wir spenden für den Erhalt von Raubtieren in Afrika, aber bei uns wollen wir den Wolf nicht?“

Viel mehr Menschen würden durch Pferde, Kühe oder Bienenstiche ums Leben kommen, die Gefahr sei hundertfach größer, als einem Wolf zum Opfer zu fallen: „Aber deswegen kommt doch niemand auf die Idee, Pferde oder Bienen abzuschaffen.“

Allerdings räumten sowohl Voige als auch Frank Faß vom Wolfcenter ein, dass die Angst und Sorge der Tierhalter berechtigt sei. Die Tierhalter hätten keine Wahl, sie müssten mit dem Wolf leben. Um den Herdenschutz müsse man sich daher weiter intensiv Gedanken machen.

Frank Faß: „Einen konfliktfreien Umgang mit dem Wolf wird es aber nicht geben, das ist illusorisch.“ Dennoch gelte es, den Umgang mit dem Raubtier so konfliktarm wie möglich zu gestalten. Ob Jäger, Schafhalter, Spaziergänger mit Hunden oder Pilzsammler: Viele Menschen fürchten das Raubtier, das seit 1980 durch das Bundesnaturschutzgesetz extrem streng geschützt ist. Faß: „Angst ist der Motor für die Ablehnung des Wolfes.“

Den Menschen die Angst nehmen, mehr über den Wolf erfahren, darum geht es auf der Themenroute, die auch durch jene Landschaft führt, in der einst der legendäre Würger vom Lichtenmoor sein Unwesen trieb. Der Wolf wurde im August 1948 von Hermann Gaatz in Eilte geschossen. Dies wird allerdings nicht als offizielles Datum geführt: „Offiziell wurde der letzte Wolf in Deutschland im Jahre 1905 in Ost-sachsen gestreckt“, erläuterte Experte Faß.

100 Jahre nach seinem offiziellen Verschwinden aus Deutschland gibt es in Niedersachsen jetzt wieder sieben Wolfsrudel. Jedes Rudel benötige ein Territorium von rund 20 000 Hektar. Die ersten Wölfe kamen in den 90er-Jahren aus Polen. Faß: „Im Jahr 2000 gab es dann das erste Wolfsrudel auf einem Truppenübungsplatz an der polnischen Grenze.“

Wer auf der Tour rund ums Lichtenmoor tatsächlich auf eines der Raubtiere trifft, kann übrigens sicher sein: Dieser Wolf gehört zur zentraleuropäischen Flachlandpopulation. - fra

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